Slongo Marianne · Ständerat · 2002-12-10
Slongo Marianne · Ständerat · Nidwalden · Christlichdemokratische Fraktion · 2002-12-10
Wortprotokoll
Können wir uns eine Schweiz ohne eigene Landwirtschaft vorstellen? Wollen wir morgen auf unsere Landwirtschaft verzichten und die landwirtschaftlichen Produkte aus dem Ausland beziehen? Die Antwort ist Nein. Oder wollen wir nur noch landwirtschaftliche Grossbetriebe im Mittelland und im Talgebiet? Auch da sage ich Nein. Wollen wir die berechtigten und mehrfach artikulierten Sorgen der Bauern ernst nehmen? Ja! Wollen wir aufbauend weiterentwickeln oder resignieren? Die Antworten auf diese Fragen sind von zentraler Bedeutung. Sie werden die zukünftige Agrarpolitik bestimmen.
In interessanten Gesprächen mit direkt und indirekt Betroffenen habe ich eine erfreulich offene Haltung gegenüber den eingeleiteten Reformprozessen festgestellt. Kritisch bis ablehnend wird jedoch überall das angeschlagene Tempo der Umsetzung beurteilt. Unsere innovativen Bauernfamilien beanspruchen zu Recht die Chance auf einen möglichst harmonischen Umbau in der damit verbundenen Umbauzeit. Ihre Zukunftsperspektive muss dabei auf verlässlichen politischen und gesellschaftlichen Eckwerten basieren. Auch der "Unternehmer Landwirt" will einen Businessplan - um dieses viel gehörte moderne Wort zu erwähnen - erstellen können.
Die moderne Landwirtschaft, beispielsweise in Nidwalden, besinnt sich schon seit längerer Zeit auf ihre Chancen als Nischen-Player. Die Schweizer Landwirte wollen gesunde einheimische Produkte herstellen, aber diese auch mittels eines fairen Preises an die Konsumierenden verkaufen. Faktum ist jedoch: Unsere Bauernfamilien produzieren - verschiedene Vorredner haben darauf hingewiesen - mit leider stetig wechselnden staatlichen Auflagen. Letztere führen zu diesen spürbaren Verunsicherungen und hemmen die Bereitschaft, wichtige Weichen für die Nachfolge, für eine berufliche Neuorientierung oder für notwendige betriebliche Investitionen zu stellen.
Es ist mir klar, auch in der Agrarpolitik gibt es keine Patentrezepte. Selbstverständlich will ich keinen so genannten geschützten Marktraum, in welchem sich Fortschritt, Konkurrenz und Innovation nur schwer entfalten können. Ein quasi gotthelfsches landwirtschaftliches Museum in unseren Berg- und Randregionen will ich unter allen Umständen vermeiden. Zu wichtig sind mir die naturnah, tiergerecht und gesund produzierten Erzeugnisse einerseits und die wertvollen gemeinwirtschaftlichen Leistungen andererseits.
Hier sind die Bauernfamilien wichtige Partner für die vor- und die nachgelagerte Wirtschaft. Die Tourismusbranche und die Landwirtschaft beispielsweise ergänzen sich gegenseitig. Auch die grossen Leistungen im sozialen Bereich und in unserer Gesellschaft will ich hier betonen.
Ich bin bereit, auf dieses Reformpaket einzutreten, erwarte aber, dass das erwähnte Tempo für die vernünftige Umsetzung im ganzen Agrarsektor neu überdacht und markant gedrosselt wird. Ich werde vermutlich den Antrag auf Rückweisung aus diesen erwähnten Gründen unterstützen. Ich will, dass die unternehmerischen Möglichkeiten im Agrarbereich wieder finanzielle Perspektiven zulassen und sich somit eine multifunktionale und vielfältige Arbeit für alle wieder lohnt. Unser Land braucht einen stolzen, selbstbewussten und zukunftsorientierten Bauernstand.