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Studer Lilian · Nationalrat · 2022-09-14

Studer Lilian · Nationalrat · Aargau · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2022-09-14

Wortprotokoll

Wir stimmen heute über die abgeänderte Form der Motion Streiff 19.3627, "Die Geschichte der Frauen in der Schweiz soll in einem nationalen Frauenmuseum sichtbar werden", ab. Es soll also ein Konzept für ein Frauenmuseum oder ein Haus der Frauengeschichte innerhalb bestehender Infrastrukturen ausgearbeitet werden. Der Nationalrat hat dem ursprünglichen Anliegen mit 94 zu 81 Stimmen bei 7 Enthaltungen zugestimmt.

Der Ständerat hat die Motion leicht abgeändert. Die abgeänderte Fassung der Kommission wurde ohne Opposition, übrigens auch ohne Opposition des Bundesrates, angenommen. Die abgeänderte Forderung ist nun: "Der Bundesrat wird beauftragt, ein Konzept für ein Netzwerk Dritter über die Geschichte der Gleichstellung von Mann und Frau in der Schweiz im Sinne von Artikel 10 des Kulturförderungsgesetzes zu erarbeiten und die Finanzierung dieses Netzwerks in der nächsten Kulturbotschaft vorzusehen."

Die Sprecherin der WBK-S erklärte im Ständerat die Anpassungen folgendermassen: Die WBK-S sei der Meinung gewesen, dass die Geschichte der Gleichstellung in der Schweiz eine moderne Lesart brauche, die die historischen, kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Dimensionen einbeziehe. Wenn es darum gehe, den langen Weg zur Gleichberechtigung nachzuvollziehen und zu verstehen, sei es ebenso wichtig, diesen in eine Gestern-, Heute- und Morgen-Perspektive zu stellen. Ein Netzwerk Dritter trage dem Umstand Rechnung, dass viel Wissen und Engagement da sei und dass eine Koordination diverser Akteure in diesem Bereich aber nötig sei. Die Direktorin des Bundesamtes[NB]für[NB]Kultur, Frau Carine Bachmann, hat in der Sitzung der WBK-N zudem dargelegt, dass es heute schon eine gesetzliche Basis für die Unterstützung von Netzwerken gibt.

Die WBK-N hat die Motion mit der neuen Formulierung mit 15 zu 8 Stimmen angenommen. Die Kommission war der Meinung, dass die abgeänderte Motion ein guter, pragmatischer Weg ist und die Motion nun sogar eine Verbesserung erfahren hat. Sie begrüsst somit die Abänderung. Die Minderheit war insbesondere wegen der möglichen Mehrkosten besorgt. Darum unterstützte sie das Anliegen nicht.

Zum Schluss ein kurzes Résumé zu zwei Punkten zur Frage, warum der Vorstoss eingereicht wurde:

1.[NB]Für eine erfolgreiche Gleichberechtigung bleibt es wichtig, die Geschichte der Frauen, ihre soziale Stellung, Einflussnahme und Rolle sichtbar zu machen sowie das Ringen der Frauen um die Bewusstwerdung als Individuen und als politische Wesen. Grosse Teile des materiellen und immateriellen Kulturerbes von Frauen wurden weder bewahrt, aufgearbeitet noch vermittelt. Es geht also auch darum, diese Lücke bewusst festzuhalten und sie zu schliessen. Dies ist ein Unterschied zu der Geschichte von Männern in der Schweiz, bei denen vieles aufbewahrt wurde und in den unterschiedlichsten Museen zu sehen ist.

2.[NB]Die offizielle Geschichte der Frauen beginnt in der Schweiz eigentlich erst 1971. Trotz der langen Rechtlosigkeit der Frauen haben diese in den Jahrhunderten zuvor aber immer wieder massgebliche Beiträge zur Gesellschaft, Wissenschaft, Kunst, Kultur und Wirtschaft geleistet. Diese Beiträge müssen aufgearbeitet und aufgezeigt werden. Es geht nämlich um die Geschichte von Frauen und Männern in der Schweiz auf dem Weg in eine Gesellschaft, in der alle Menschen gleichberechtigt sind.

Die Kommission bedankt sich, wenn Sie die abgeänderte Motion unterstützen, die vom Ständerat ohne Gegenstimme angenommen wurde.