Munz Martina · Nationalrat · 2022-09-21
Munz Martina · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion · 2022-09-21
Wortprotokoll
Ich spreche zur Ernährungssicherheit. Die Auslandabhängigkeit kann in der Landwirtschaft wirkungsvoll reduziert werden, wenn wir die rekordhohen Nutztierbestände in der Schweiz abbauen. Die hohen Tierbestände brauchen weit mehr Futter, als wir selber produzieren können, und dies ist verbunden mit Folgen für die Umwelt. Jährlich werden 1,2 Millionen Tonnen Futtermittel importiert, viermal mehr als vor 25 Jahren. Schweizer Fleisch wird zur Hälfte mit ausländischem Kraftfutter produziert. Ist das wirklich Schweizer Fleisch?
Der Futteranbau benötigt im Ausland so viel Ackerfläche, wie wir total in der Schweiz zur Verfügung haben. Bei Eiern wird ein Selbstversorgungsgrad von 54 Prozent ausgewiesen, in [PAGE 1610] Tat und Wahrheit beträgt er aber lediglich 14 Prozent, berücksichtigt man den Futtermittelimport. Nur weil die Hühner das Futter in der Schweiz fressen, leisten sie noch lange keinen Beitrag zur Versorgungssicherheit.
Die Entwicklung der Milchproduktion ist für die Ernährungssicherheit ein einziges Desaster. Milchkühe wären Raufutterverzehrer, sie erhalten aber viel Kraftfutter. Mit dem Kraftfutter wird gerade etwa diejenige Milch produziert, welche auf dem Markt zu Überschuss führt. Diese Überschussmilch lässt die Preise fallen. Überschussmilch ist für die Umwelt, den Selbstversorgungsgrad und auch für das Einkommen der Bauern eine Katastrophe. Gemäss dem Projekt "Feed no Food" vom Fibl könnten mit dem Kraftfutter, das den Schweizer Milchkühen verfüttert wird, 2 Millionen Menschen ernährt werden, also ein Viertel der Schweizer Bevölkerung. Das wäre Ernährungssicherheit.
Im Jahr 2020 wurden vom Branchenverband zudem 20[NB]000 Tonnen Brotgetreide als Futtermittel deklassiert, und zwar nicht aus qualitativen Gründen, nein, sondern zur Preisstützung. Gleichzeitig wurde Brotgetreide importiert. Auch in den Jahren davor wurde die gleiche riesige Menge abklassiert. Der Selbstversorgungsgrad wird damit massiv nach unten manipuliert. Die Menge wird zudem den Konsumentinnen und Konsumenten als Food Waste angelastet.
Umpflügen von Ökoflächen ist wahrlich nicht die Lösung für die Landwirtschaft der Zukunft. Das Parlament muss endlich der nachhaltigen Landwirtschaft zum Durchbruch verhelfen - zum Wohl der praktischen Landwirtschaft, zur Verbesserung der Versorgungssicherheit und für eine deutlich bessere Umweltbilanz.