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Zopfi Mathias · Ständerat · 2022-09-29

Zopfi Mathias · Ständerat · Glarus · Grüne Fraktion · 2022-09-29

Wortprotokoll

In votum davart il tema luf è atgnamain adattà fitg bain per discurrer in pau rumantsch oz a chaschun dal "Di dal plurilinguissem". Jau pudess però er, inspirà dal collega Fässler, duvrar il dialect glarunais, pertge che tranter quellas e quels che fan gronds quitads pervia da questa tematica èn questas duas linguas bain represchentadas. Jau ditg quai ussa per rumantsch: quests quitads e quests umans stuain nus prender serius. Las consequenzas da la preschientscha dal luf per la lavur e la vita sin las alps èn grondas, e tutta bagatellisaziun da tals quitads fiss malgista e betg digna da nossa incumbensa.

Ob in der Surselva oder im Sernftal oder in anderen Tälern der Schweiz: Die Koexistenz von Wolf und Mensch beziehungsweise von Wolf und Alpwirtschaft ist eine Realität. Diese ist nicht einfach und führt zu Problemen. Dass der Wolf in unseren Tälern präsent ist, ist aber nicht nur Realität, sondern bleibt auch Realität. Das ist, glaube ich, in breiten Kreisen als Voraussetzung und als Grundlage der Diskussion akzeptiert. So kann man sagen, dass es nicht nur schwarz oder weiss, für oder gegen den Wolf gibt. Es muss möglich sein, dass es eine Koexistenz gibt und wir eine Voraussetzung dafür schaffen.

Damit wir das können, müssen wir aber die Sorgen der Menschen, konkret auch derjenigen in der Land- und[NB]Alpwirtschaft, ernst nehmen. Man muss dabei nicht unbedingt, wie Kollege Jositsch gesagt hat, das Blut bemühen. Man muss auch die Arbeit sehen. Denn es sind die Älpler und Älplerinnen, die enorme Aufwendungen für Herdenschutz betreiben und auch betreiben müssen. Der Berichterstatter, Kollege Reichmuth, hat es geschildert, was diese Älpler heute denken und wie sie sich fühlen, vor allem - jetzt[NB]doch[NB]ein[NB]bisschen[NB]Blut - nach einem Schaden. Sie sind es auch, die sich Sorgen um ihr Vieh machen, und sie sind es, die in den vergangenen Tagen vielleicht auch mit einem schlechten Gefühl von den Alpen[NB]abgefahren[NB]sind.

Man darf nie vergessen: Die Alpwirtschaft ist im Interesse der Berggebiete und der ganzen Schweiz, aber auch der Biodiversität. Es ist gerade auch aus Sicht der Biodiversität wichtig, dass die Alpen bestossen werden. Würden die Alpen verganden, wäre damit ein enormer Verlust an Biodiversität verbunden.

Ich kann Ihnen sagen, ich habe viele Gespräche geführt, und gewissen Leuten verleidet es. Es muss also unser aller Interesse sein, von jeder und jedem in diesem Rat und nicht nur der Vertreter der Bergkantone, dass wir angemessene Lösungen finden, und ja, das heisst auch mehr Regulierung. Die Lösung muss aber auch im Sinne des Naturschutzes sein, denn eine angemessene Anpassung des Jagdgesetzes nimmt Druck weg, der nun einmal nachvollziehbar vorhanden ist. Auch deshalb haben sich die Naturschutzverbände und die Landwirtschaft zu einem Kompromiss durchgerungen; wir haben es bereits von mehreren Rednern gehört. Kollege Engler sieht diesen Kompromiss ein bisschen weniger positiv, aber es gibt ihn.

Ich meine, dass dieser Kompromiss oder die Überlegungen dahinter leider zu wenig Eingang in die Vorlage der Kommission gefunden haben. Die Frage ist für mich deshalb, ob die Vorlage Unterstützung verdient oder nicht. Ich meine, grundsätzlich ja, doch mein Ja ist ein "Ja, aber". Es ist ein grundsätzliches Ja, weil schon einmal klar ist, dass etwas getan werden muss. Es würde nicht verstanden, wenn wir untätig bleiben würden. Und die Kommission, das muss man zugeben, die tut etwas. Das ist auch der Grund, weshalb ich heute sowohl für Eintreten bin als auch die Vorlage unterstütze.

Aber, und auch das muss klar gesagt werden, die Vorlage ist noch stark verbesserungswürdig. Ich hoffe, dass der Nationalrat sie nochmals vertiefen wird und Verbesserungen vornimmt. So ist mir nicht klar, weshalb man nicht stärker auf den Kompromiss der Umweltverbände mit der Landwirtschaft abgestützt hat. Natürlich bin ich kein Spezialist für das Thema wie Kollege Engler, und natürlich habe ich jetzt vielleicht ein positiveres Bild von diesem Kompromiss. Aber aus meiner Sicht wäre es insbesondere doch zentral wichtig, den Wolf nicht generell z. B. mit dem Steinbock zu vergleichen, gleichzusetzen und so zu regulieren. Die Regulierung hätte dort vereinfacht werden können und vereinfacht werden sollen, wo ein zeitlicher und örtlicher Zusammenhang mit einem wahrscheinlichen Schaden besteht. Oder anders gesagt: Man sollte gezielt und schneller und einfacher die Wölfe regulieren, die den Schaden anrichten, die die Scheu verlieren, und nicht nur einfach die Anzahl senken. Denn der Wolf ist ein schlaues Tier. Eine gezielte und gegenüber heute einfachere Regulierung der Problemtiere oder Problemwölfe oder Problemrudel hätte das Potenzial, mehr zur Schadensreduktion beizutragen als einfach eine generelle Regulierung. Die Vorlage, meine ich, bildet das zu wenig ab, auch wenn Kollege Rieder mir vielleicht entgegnen wird, dass die Kantone da ja Möglichkeiten hätten.

Ich stimme heute aber auch zu, um ein Zeichen zu setzen, dass die Berggebiete mit diesen Sorgen ernst genommen werden müssen. Ich stimme auch zu im Wissen, dass vor allem meine Idee, wonach man eben vor allem auf die Problemtiere losgehen sollte, viel Arbeit bedeutet und eine ausgebildete Wildhut bedingt. Und ja, das kostet. Und ja, hier soll sich der Bund beteiligen.

Meine Zustimmung ist mit der Hoffnung verbunden, dass der Nationalrat noch Verbesserungen prüft und findet und wir am Schluss vielleicht doch ein bisschen mehr Kompromiss und einen Schritt in Richtung einer funktionierenden Koexistenz haben. Eine ausgewogene Vorlage, die durchkommt, sind wir nicht nur der Ernsthaftigkeit der Sache schuldig, sondern der Bergbevölkerung, welcher ein Schritt in Richtung Kompromiss mehr nützt als ein überladenes Fuder, das dann abstürzt.