AB 308993
Locher Benguerel Sandra · Nationalrat · Graubünden · Sozialdemokratische Fraktion · 2022-09-29
Wortprotokoll
A chaschun da la consultaziun da la petiziun da la sessiun da las dunnas "Mez e mez en las professiuns Mint: augmentar la cumpart da dunnas" ha ina gronda maioritad da la cumissiun decidì cun sedesch a set vuschs da consentir a la petiziun en furma da quest postulat.
Mit diesem Postulat soll der Bundesrat beauftragt werden, in Zusammenarbeit mit den Kantonen in einem Bericht die bisher ergriffenen Massnahmen zur Steigerung des Frauenanteils in den Mint-Berufen darzulegen. Der Bericht soll insbesondere eine Analyse der Wirksamkeit dieser Massnahmen sowie eine spezifische Strategie enthalten. In diesem Bericht sollen gezielte Fragen untersucht werden; Sie finden diese im Postulatstext.
Weshalb braucht es dieses Postulat? Ich mache zuerst eine Vorbemerkung. Noch nie gab es so viele Initiativen zur Förderung des weiblichen Nachwuchses in den Mint-Fächern, z.[NB]B. mit hochschulspezifischen Aktionsplänen im Rahmen des Nationalen Netzwerks Mint-Bildung oder auch der Gleichstellungsstrategie des Bundes. Trotzdem besteht nach wie vor grosser Handlungsbedarf. Die Fakten dazu sind eindeutig. Aktuell wählen weniger Frauen eine Lehre oder ein Studium im Mint-Bereich. Entsprechend tief ist der Frauenanteil in [PAGE 1840] zukunftsträchtigen Mint-Berufen. So liegt er gemäss Bundesamt für Statistik beispielsweise im Ausbildungsfeld Software- und Applikationsentwicklung bei 8 Prozent oder im Ausbildungsfeld Elektronik und Automation bei 6 Prozent. In der Technologieindustrie liegt der Anteil Frauen bei den Lernenden gemäss Swissmem bei 16 Prozent.
Deshalb zeigt sich in der Schweiz ein Dilemma. Einerseits herrscht in den Mint-Berufen ein ständig wachsender Fachkräftemangel. Andererseits bleiben die grossen aktuellen und zukünftigen Ressourcen von Frauen für den Mint-Bereich weitgehend ungenutzt. Bei der Mint-Nachwuchsförderung geht es nicht zuletzt auch darum, die junge Generation für die Arbeitswelt der Zukunft fit zu machen, drängende soziale, ökologische Herausforderungen anzupacken und den Wirtschaftsstandort Schweiz zu stärken.
Umso wichtiger ist es, dass die zukunftsgestaltenden Menschen möglichst divers sind, insbesondere auch hinsichtlich ihres Geschlechts. Aus Studien wissen wir längst, dass diverse Teams für eine erhöhte Innovationsfähigkeit sorgen und dadurch Unternehmen an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen.
Genügend Fachkräfte auszubilden, ist eine Herausforderung. Die andere ist, sie zu halten. Das Problem der "leaking[NB]pipeline" ist auch in Mint-Berufen zu beobachten. Frauen, die einen solchen Beruf erlernt haben, verlassen diesen mittelfristig wieder. Deshalb braucht es eine verstärkte professionelle Begleitung, wie sie beispielsweise das Swiss Tec Ladies Network anbietet, um dieser negativen Tendenz entgegenzuwirken.
Der Zeitpunkt des Postulates ist ideal. Die Entwicklung der BFI-Botschaft für die Strategieperiode 2025-2028 ist in vollem Gang. Darin bietet sich für eine Verstärkung der Mint-Förderung die Koppelung der Themenschwerpunkte "Diversity und Gender" und "Digitalisierung" an.
Die Hearings in der WBK haben uns gezeigt, dass eine Koordination der verschiedenen Massnahmen sowie eine Überprüfung der bestehenden Massnahmen dringend nötig sind. Deshalb ist der letzte Punkt im Postulat besonders wichtig, wonach die Massnahmen zur Förderung von Frauen in den Mint-Berufen auf nationaler Ebene verstärkt koordiniert werden sollen.
Mit dem Postulat erhalten wir eine gebündelte Übersicht auch über die verschiedenen Bildungsstufen hinweg.
Eine Kommissionsminderheit lehnt das Postulat ab mit der Begründung, dass die Fragestellung berechtigt und interessant sei, man jedoch mit dem Verfassen eines Berichtes das Ziel verfehle, den Frauenanteil effektiv zu erhöhen. Vielmehr müsse an der Basis angesetzt werden, in den Betrieben und Schulen.
Ich bitte Sie im Namen der Kommissionsmehrheit, das Postulat zu unterstützen.