Gutjahr Diana · Nationalrat · 2022-09-29
Gutjahr Diana · Nationalrat · Thurgau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2022-09-29
Wortprotokoll
Die SVP-Fraktion teilt die Auffassung der Kommission bezüglich der Bedeutung und der Wichtigkeit der Förderung im Mint-Bereich. Dieser Thematik sind sich der Bund, die Kantone und, ganz wichtig, die Organisationen der Arbeitswelt sowie die Unternehmen in diesem Land durchaus bewusst. Was wir jedoch ablehnen, ist diese ständige "Vergenderisierung" von jedem Thema, jetzt auch wieder hier im Bildungsbereich. Wir brauchen griffige Strategien, um die Menschen in diesem Land dafür zu begeistern, einen technischen Beruf zu erlernen. Da ist es doch wirklich egal, ob es sich dabei um Männer oder um Frauen handelt. Aber nein, die WBK will einmal mehr einen wirklich unnötigen Bericht, der die Zusammenarbeit mit den Kantonen und die bisher ergriffenen Massnahmen zur Steigerung des Frauenanteils in den Mint-Berufen aufzeigen soll. Der Bericht soll eine Analyse der Wirksamkeit dieser Massnahmen sowie eine spezifische Strategie enthalten und diverse Fragen klären.
Wir wie auch der Bundesrat lehnen diese Forderungen ab. Warum? Erstens wurden auf der Sekundarstufe II und auch auf der Tertiärstufe bereits zahlreiche Massnahmen [PAGE 1841] umgesetzt, die den Forderungen des Postulates entsprechen. Wir müssen also die Arbeit nicht zweimal machen. Einen Überblick darüber erhalten Sie auf der SBFI-Website. Zweitens gibt es den Aktionsplan Gleichstellungsstrategie 2030. Auch dieser enthält diverse Massnahmen.
Sie sind sicher bei mir: Wir können noch so viele schöne und lange Berichte verlangen, die die Verwaltung beschäftigen. Aber im Endeffekt nützt das alles nichts, wenn solche Aktionen an der Basis einfach nicht ankommen. Es hängt von jedem Einzelnen von uns ab, in welche Richtung wir uns bewegen. Einfach nur die Forderung in den Raum zu stellen, damit ist dieser Thematik und der sicher berechtigten Forderung oder Fragestellung nicht geholfen.
Wenn ich Sie jetzt frage: "Wissen Sie, was am 10. November ist?", dann wird wohl die Mehrheit in diesem Saal mit den Schultern zucken. Ich lade Sie ein: Engagieren Sie sich dafür, dass am 10. November, am Zukunftstag, ein Zeitenwechsel stattfinden kann. Mädchen wie Jungen wechseln die Seiten. Dadurch lernen sie geschlechtsuntypische Arbeitsfelder und Lebensbereiche kennen und machen Erfahrungen fürs Leben. Auf diese Weise öffnen sich Horizonte. Mädchen und Jungen bekommen Mut und Selbstvertrauen, ihre Zukunft losgelöst von starren Geschlechterbildern an die Hand zu nehmen. Sie merken: So was kommt an der Basis an und nicht irgendwelche Berichte, die ausser viel Arbeit und Papier nichts Handfestes bewegen. Einfach auch wieder als Beispiel: Wir haben selber bei uns zwei junge Mädchen, zwei junge Frauen, lernende Metallbaukonstrukteurinnen. Es hängt also auch sehr viel von den Betrieben und von den Weiterbildungsmöglichkeiten ab. Wir nutzen jede Möglichkeit, junge Menschen für einen technischen Beruf zu begeistern.
Die Branchen, aber auch die Betriebe in unserem Land sind gefordert, Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Lassen wir also die Arbeit mit diesem Postulat.
Zum Schluss: Lehnen Sie das Postulat bitte ab und gehen Sie im Gegenzug mit mir eine Wette ein, dass jeder und jede in diesem Saal sich dafür einsetzt, dass eine junge Frau einen angeblichen Männerberuf bzw. ein junger Mann einen angeblichen Frauenberuf für einen Tag erleben darf oder eben einen Einblick in einen Mint-Beruf erhält. Das ist gelebte Praxis und verkommt nicht einfach zu Theorie, so wie es eben beim Bericht wieder wäre.