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Wasserfallen Christian · Nationalrat · 2022-12-12

Wasserfallen Christian · Nationalrat · Bern · FDP-Liberale Fraktion · 2022-12-12

Wortprotokoll

Wenn ich die Frage gestellt erhalten hätte, Frau Kollegin Schneider-Schneiter, wie die Offside-Regel genau lauten würde, hätte ich die Antwort gegeben, dass wahrscheinlich die Frage von Kollege Heer die Offside-Regel sehr gut beschrieben hätte, indem genau das ein Offside gewesen wäre. Aber lassen wir die Witze und kommen wir zum Thema zurück.

Als die Stadt Bern im Jahr 2007 über die Fanzonen, also jenes orangene Meer auf dem Bundesplatz, diskutiert und vor allem dann auch darüber abgestimmt hat - das Ergebnis war nicht überragend -, stand in einem Artikel der "NZZ" vom[NB]5.[NB]Juli 2007: "In der Stadt Bern besteht noch Spielraum nach oben für die Entfachung von Begeisterung im Hinblick auf die Fussball-Europameisterschaft 2008." Und was machen die Bernerinnen und Berner, wenn sie von den Zürcher Medien herausgefordert werden? Sie sorgen für diese Begeisterung! Das Resultat sprach für sich: Es gab dieses orangene Lavameer von holländischen Fans, und die Sache gipfelte in der Begegnung der Fans der Holländer und der Franzosen im Wankdorf-Stadion. Das war der Ausdruck von Begeisterung. Genau diese Begeisterung - das war der Wille der Kommission -, die wollen wir wieder entfachen, dies mit der Fussball-Europameisterschaft der Frauen im Jahr 2025.

Diese Begeisterung ist nicht nur wichtig, weil die schweren Zeiten nun wirklich lang genug gewesen sind, sondern auch, um einer jungen Generation ein Ziel, eine Perspektive zu geben. Alle jene, die Fussball spielen oder eine andere Sportart betreiben, wissen, dass man als Leistungssportler oder Leistungssportlerin das Ziel hat, an solchen Anlässen Teil des jeweiligen Teams sein zu dürfen, damit man dann seine Leistungsfähigkeit zeigen kann. Das sind die Ziele, die junge Leute dazu motivieren, jeden Tag aufzustehen, zu trainieren, alles zu geben und zu schwitzen. Es ist - und das darf man sagen - die Begeisterung, die den Ausschlag gibt. Und diese war in England bei der Frauenfussball-Europameisterschaft, es ist nun schon einige Male erwähnt worden, wirklich grandios.

Wir werden da wohl kaum mithalten können, was die Stadionkapazitäten anbetrifft. Aber mit Blick auf die [PAGE 2269] Nachhaltigkeit kommt es wohl niemandem in den Sinn, bei dieser Kandidatur die bestehenden Stadionkapazitäten zu verdoppeln oder gar noch mehr zu erweitern. Die Infrastruktur, die wir bieten können, funktioniert. Wir haben öffentlichen Verkehr, wir haben Nahverkehr, und es gibt fast in allen Stadien auch genügend Parkplätze. Insofern haben die Leute hier im Gegensatz zu anderen Ländern freie Wahl, wie sie zum Spiel gehen wollen.

Kurz zurück zur sportlichen Dimension: Ich habe gesagt, jene jungen Frauen, die jetzt vermehrt die Fussballschuhe schnüren, bekommen ein Ziel vor Augen gestellt. Es gibt auch viele Clubs in der Schweiz - so zum Beispiel YB, um irgendeinen Verein zu nehmen -, die in den Frauenfussball investieren. Das ist eben gerade das Wichtige daran. Solche Ereignisse bieten auch die Gelegenheit, die Strukturen zu überdenken, die Investitionen zu überdenken, die Organisationsformen zu überdenken, damit man dann entsprechend etwas bieten kann und die Nationalmannschaft letztlich als Spitzenteam der ganzen Liga auch international natürlich erfolgreich sein kann.

Was wir noch berücksichtigen müssen: Dass wir internationale Grossanlässe unterstützen, ist nicht selbstverständlich. Jetzt besteht aber endlich, endlich einmal Konsens in diesem Rat. Ich wage die Behauptung: Wenn es hier um Olympische Spiele ginge, würde der Nationalrat nachher sehr viel heterogener darüber abstimmen, ob wir einen solchen Anlass durchführen sollten oder nicht.

Aber statt uns über Grossanlässe in Katar, Russland, Peking, Sotschi usw. zu beklagen, haben wir es in der Hand, wieder einmal einen Grossanlass in der Schweiz durchführen zu können. Wir wissen alle, dass die Schweiz im Gegensatz zu anderen Ländern eben keine politischen Agenden führt, dass keine versteckten Spiele dahinter sind. Wir wollen Fussball spielen, wir wollen Begeisterung entfachen. Ich denke, es ist auch ein grosser Mehrwert der Fussball-Europameisterschaft, dass die Politik weit weg ist, dass sie - um bei den Worten von Herrn Heer zu bleiben - im Offside steht und dass wir entsprechend einen Grossanlass planen können, der uns alle begeistert. Ob Frau oder Mann, wir werden alle begeistert sein. Auf Berndeutsch würde ich einfach sagen: "Eifach schutte luege u 'Hopp Schwiiz' rüefe!" Genau das ist das Problem, das wir vorher hatten, und das ist die Lösung, die wir hier auf dem Tisch haben.

Ich bitte Sie, dieser Deklaration, auch wenn sie im internationalen Kontext zugegebenermassen nicht unbedingt die erste Priorität geniesst - auch das muss man festhalten -, zuzustimmen.