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Wasserfallen Flavia · Nationalrat · 2023-03-01

Wasserfallen Flavia · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2023-03-01

Wortprotokoll

Die Schweiz ist eines der wenigen Länder und das einzige OECD-Land, das keinen Mutterschutz vor der Geburt kennt. Es ist in der Schweiz so festgeschrieben, dass schwangere Frauen bis zur Niederkunft arbeiten sollen. Das ist aus verschiedenen Gründen problematisch. Es ist aus medizinischen Gründen nicht gut, wenn schwangere Frauen bis zur Niederkunft arbeiten. Denn in der heutigen Gesellschaft wird viel Arbeit auch sitzend verrichtet. Gerade das Sitzen im Büro und am Bildschirm ist für die Gesundheit der schwangeren Frau und auch für die Vorbereitung einer guten Geburt und dann für eine gute Erholung im Wochenbett nicht ideal.

Aus diesen Gründen und auch deshalb, weil es medizinisch nicht sinnvoll ist, diesem Stress und auch diesen körperlichen Konsequenzen bis zur Niederkunft ausgesetzt zu sein, legen bis zu 70 Prozent aller Frauen zwei bis drei Wochen vor der Niederkunft ihre Arbeit nieder und werden krankgeschrieben; dies ist aus dem Bericht in Erfüllung des Postulates Maury Pasquier 15.3793 ersichtlich.

Das wiederum bringt die Gynäkologinnen und Gynäkologen in Schwierigkeiten. Denn sie sehen sich eigentlich mit einer gesunden schwangeren Frau konfrontiert, die aber aus wichtigen medizinischen Gründen nicht weiterarbeiten soll, und müssen sie dann krankschreiben. Sie haben dann wiederum Probleme mit den Versicherungen der Unternehmen, die auf die Gynäkologinnen und Gynäkologen zugehen und fragen, wieso jetzt diese Frau krankgeschrieben ist, obwohl sie eigentlich gar nicht krank sei. Es gibt zunehmend Probleme - das bestätigen Gynäkologinnen und Gynäkologen - mit dieser Praxis, die von den Versicherern angeprangert wird, weil Schwangerschaft ja wirklich keine Krankheit ist.

Es wäre aus medizinischer Sicht und auch aus Sicht des Unternehmens sinnvoll, wenn man einen solchen Mutterschutz einführen und sagen würde, dass er drei Wochen vor der Niederkunft greift; dadurch würde ein Unternehmen mehr Planbarkeit und mehr Sicherheit gewinnen. Dann könnte ein Unternehmen auch einfacher die Stellvertretung der Frau organisieren und sich darauf einstellen. In der heutigen Situation weiss man eigentlich aufgrund einer hohen Wahrscheinlichkeit, dass die Frau nicht bis zur Niederkunft bleibt, aber man weiss nicht, wann genau sie möglicherweise mit einem Arztzeugnis kommt.

Es könnte mehr Planbarkeit und auch eine finanzielle Entlastung für die entsprechenden Unternehmen mit sich bringen, wenn wir einen solchen Mutterschutz einführen würden. Es wäre aus medizinischen Gründen für die Frauen und auch für ihre Erholung nach der Geburt sehr sinnvoll, wenn ein solcher Mutterschutz bestehen würde, und es könnte auch für die Wirtschaft eine Entlastung bringen.

Mein Vorstoss wurde von Kolleginnen aus verschiedenen Fraktionen unterschrieben und wird auch in der Fachwelt breit unterstützt. Ich würde mich über eine Unterstützung sehr freuen.