Stadler Simon · Nationalrat · 2023-03-02
Stadler Simon · Nationalrat · Uri · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2023-03-02
Wortprotokoll
Ich kann mich kurzfassen, die Probleme des Lehrkräftemangels habe ich bereits bei den vorhergehenden Geschäften erwähnt. Unsere Minderheit lehnt die beiden Postulate 22.4265 und 22.4266 jedoch ab.
Das erste Postulat verlangt eine gezielte Datenerhebung als Massnahme gegen den Lehrermangel. Wir sind der Ansicht, dass bereits heute genügend Daten vorhanden sind. So verfügen die pädagogischen Hochschulen, die Kantone und das BFS seit Jahren über die notwendigen Daten. Die Probleme sind uns bekannt. Die Gründe sind erstens, dass die Babyboomer massenweise in Pension gehen, und zweitens, dass die Schülerzahlen weiter steigen. Im Sommer 2023 wird zudem der neue Bildungsbericht erscheinen. Wir sind davon überzeugt, dass wir dort nochmals zusätzliche Daten zum Lehrkräftemangel erhalten werden. Aus diesem Grund macht es keinen Sinn, über ein Postulat noch einmal zusätzliche Daten zu verlangen.
Dieses Postulat wird aber dazu führen, dass die Lehrerinnen und Lehrer mit zusätzlichen Umfragebögen belastet werden. Wir müssen uns fragen: Wollen wir das? Werden dann nicht einfach die Lehrerinnen und Lehrer an den Umfragen teilnehmen, die Kapazität haben und die so oder so im Beruf bleiben?
Das zweite Postulat verlangt eine Evaluation von Schulreformen durch die Kantone und deren Auswirkungen auf die Lehrerinnen und Lehrer. Wir sind überzeugt, dass nicht die Schulreformen der Grund für den Lehrkräftemangel sind. Die Lehrerinnen und Lehrer wurden aber, wie das auch in anderen Branchen der Fall ist, immer mehr von der Bürokratie erfasst. Einige Beispiele: Wenn man heute als Lehrerin oder Lehrer ein Klassenfoto machen möchte, muss man jedes Mal die Bewilligung der Eltern einholen; die Eltern müssen brieflich über zahlreiche Ausflüge und Aktivitäten der Schule und der Klasse informiert werden - Whatsapp dürfen die Lehrerinnen und Lehrer bekanntlich ja nicht nutzen. Der Respekt gegenüber den Lehrerinnen und Lehrern ist gesunken, und das führt zu mehr Elternarbeit, zu Elterngesprächen und zu sehr viel Zeitverlust bei den wichtigen Sachen im Schulzimmer, also bei einer professionellen Vorbereitung des Unterrichts.
Wir sind überzeugt, dass die Kantone, die pädagogischen Hochschulen und die EDK handeln müssen. Die Postulate führen aber nicht dazu, dass der Lehrkräftemangel behoben wird. Aus diesem Grund lehnen wir diese beiden Postulate ab.