Schlatter Marionna · Nationalrat · 2023-05-03
Schlatter Marionna · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2023-05-03
Wortprotokoll
Meine Motion verlangt, die gesetzlichen Grundlagen dahin gehend anzupassen, dass ausserorts auf Nebenstrassen, welche über keine Mittelmarkierung verfügen, generell Tempo 60 gilt. Eigentlich ist die Forderung der Motion eine einfache. Sie besagt, dass man dort, wo die Infrastruktur kein Fahren mit der Höchstgeschwindigkeit erlaubt, die Geschwindigkeit reduzieren soll.
Nebenstrassen ohne Mittelmarkierung haben einen geringen Querschnitt. Auf diesen Strassen können Fahrzeuge nur mit verminderter Geschwindigkeit kreuzen. Das Fahren mit der Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde ist meist gar nicht möglich. Viele Fahrzeuglenkende orientieren sich aber stark an der signalisierten Höchstgeschwindigkeit und passen ihr Tempo darum nicht der Infrastruktur an, sondern fahren zu schnell.
Eine Temporeduktion auf diesen besonderen Nebenstrassen, welche nicht auf grosse Verkehrsmengen ausgerichtet sind, hätte auch eine verkehrslenkende Wirkung. Sie würde die Verlagerung des Autoverkehrs auf das übergeordnete Netz unterstützen und die Nebenstrassen damit für die aktive Mobilität attraktiver machen. Nebenstrassen ausserorts ohne Mittelmarkierung sind ohnehin oft als Wanderwege oder Velowege signalisiert oder übernehmen auch ohne offizielle [PAGE 814] Signalisation eine wichtige Funktion als Netz für den Fuss- und Veloverkehr. Die Attraktivität und Sicherheit dieser Verbindungen ist aber im hohen Masse von der Verkehrsmenge und der zulässigen bzw. gefahrenen Geschwindigkeit auf diesen Strecken abhängig. Mit einer Reduktion der Regelgeschwindigkeit von 80 auf 60 Kilometer pro Stunde würde also die Signalisation an die Verhältnisse angepasst. Damit können Unfälle verhindert oder die Unfallschwere stark reduziert werden. Tempo 60 wäre dann der Regelfall, Tempo 80 die Ausnahme - dort, wo die Infrastruktur es zulässt.
Ich danke Ihnen für die Unterstützung.