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Trede Aline · Nationalrat · 2023-05-03

Trede Aline · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2023-05-03

Wortprotokoll

Wenn Sie aktuell mit einem Nachtzug in die Sommerferien fahren möchten und sich jetzt langsam darum bemühen, ein Ticket zu bekommen, dann werden Sie äusserst schnell merken, dass es schwierig wird, weil alles ausgebucht ist: Basel-Hamburg und Basel-Berlin sind ausgebucht, Zürich-Wien ausgebucht, Zürich-Budapest oder Zürich-Prag ausgebucht. Das ist toll, weil es zeigt, dass die Nachfrage nach Nachtzügen sehr gross ist und weiterhin steigt. Deshalb ist es in der aktuellen Situation doppelt wichtig, dass jetzt investiert und nicht gespart wird und dass vor allem nicht rückgebaut wird, sondern dass vielmehr Linien ausgebaut werden.

Bedenken Sie, was passiert, wenn jemand jetzt nicht umsteigen kann, obwohl er oder sie das tun möchte. Bedenken Sie, was passiert, wenn jemand vielleicht bis jetzt mit dem Flugzeug in die Ferien geflogen ist und jetzt findet: "Doch, angesichts der Thematik der aktuellen Klimakrise und angesichts des Angebots der Nachtzüge möchte ich umsteigen und mein Mobilitätsverhalten ändern", das aber im jetzigen Moment nicht tun kann: Den oder die werden wir vielleicht nie mehr wirklich auf den Zug bringen. Die Chance, die sich uns jetzt bietet, dürfen wir nicht verpassen.

Hinzu kommt etwas Weiteres: Wenn Sie einmal versucht haben, internationale Zugreisen zu buchen, dann wissen Sie, dass das Buchungssystem bei Weitem nicht gut genug und nicht kundenfreundlich genug ist. Ich denke, die meisten von [PAGE 815] Ihnen wissen das. Es ist aktuell unglaublich mühsam, Nachtzüge und Nachtzug-Reisen zu buchen. Es gibt keine gute Zusammenarbeit, keine länderübergreifenden Ticketings, keinen guten Ausweis der zum Beispiel besten, schnellsten oder billigsten Verbindungen usw. Im Flugverkehr ist es viel einfacher. Auf einer Plattform gibt man einmal die Strecke ein und bekommt die besten Angebote auf dem Silbertablett serviert. Das muss doch auch für die Züge und die internationalen Züge möglich sein. Deshalb müssen wir jetzt investieren, damit das Zugreisen eben wirklich möglich und machbar ist und kundenfreundlich gebucht werden kann.

2020 haben die SBB bekannt gegeben, dass sie die langjährige Zusammenarbeit mit den ÖBB im internationalen Personenverkehr verstärken und das bereits bestehende Angebot im Nachtzug-Verkehr von sechs auf zehn Linien ausbauen wollten. Das war geplant, und es wurde damals in einer Absichtserklärung klar gesagt, dass neue Nachtzüge von der Schweiz nach Amsterdam, nach Rom und nach Barcelona eingeführt würden, und zwar bis 2024. Die SBB stellten damals aber ebenfalls klar, dass der Ausbau nur mit finanzieller Unterstützung möglich sei. Damals wurde darüber debattiert, dass dieses Geld dem Klimafonds entnommen und im Rahmen der CO2-Gesetzesrevision generiert werden sollte.

Heute haben wir den Nachtzug nach Amsterdam wieder. Das ist schön, aber es reicht bei Weitem nicht aus. Nach der Ablehnung des CO2-Gesetzes und dem damit einhergehenden Nichtzustandekommen des Klimafonds stellt sich nun die Frage, wie der geschätzte Fehlbetrag - die SBB rechnen mit zwei Millionen Franken - gedeckt werden könnte. Das unveränderte Ziel der Schweiz ist die Dekarbonisierung, auch in der Mobilität und im Verkehr, bis hin zu netto null im Jahr 2050. Dafür brauchen wir eine grundlegende Verkehrswende. Der Ausbau der Nachtzug-Verbindungen und des internationalen Personenverkehrs auf der Schiene ist dafür unerlässlich.

Sie werden jetzt vielleicht sagen: Ja, jetzt soll der Bund wieder Geld einschiessen! Davon bin ich auch kein Fan. Aber ich habe 2019 bereits einen Vorstoss eingereicht, dass die Nachtzüge in die Eignerstrategie der SBB gehören. Dann wären die SBB dafür zuständig, die Finanzierung sicherzustellen. Es würde ganz klar zum Portfolio der SBB gehören, dass sie Nachtzüge anbieten müssen, mit Partnerinnen und Partnern in Europa. Das wollte die Mehrheit in diesem Rat damals nicht. Falls wir uns da nicht bewegen, heisst es eben, dass wir investieren müssen und der Bund eine finanzielle Unterstützung geben muss.

Wenn wir es jetzt nicht schaffen, das Momentum zu nutzen, in dem viele bereit sind umzusteigen, dann schaffen wir es nicht, mit einer nachhaltigeren Mobilität in die Zukunft zu gehen. Deshalb möchte ich Sie bitten, meinen Vorstoss, den Vorstoss der grünen Fraktion, heute zu unterstützen, damit wir dieses Vorhaben gemeinsam umsetzen können, weil es so oder so früher oder später kommen wird.

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