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Friedl Claudia · Nationalrat · 2023-05-03

Friedl Claudia · Nationalrat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion · 2023-05-03

Wortprotokoll

Es ist Zeit, es ist höchste Zeit, etwas für den Aal zu tun. Der Aal gehört als schlangenförmiger Fisch vielleicht nicht zu den Sympathieträgern unter den Tierarten. Wer aber seinen Lebenszyklus kennt, ist fasziniert von diesem Tier. [PAGE 818]

Geboren in der Sargassosee, einem Meeresgebiet im Atlantik östlich Floridas, gelangen die kleinen Aale als Weidenblattlarven nach Europa, steigen als Glasaale oder Gelbaale die Flüsse auf und besiedeln grosse Teile Europas. Wenn sie nach zwanzig Jahren geschlechtsreif werden, müssen sie den Weg zurück in die Sargassosee finden. Für viele Aale endet dieser Rückweg aber bereits in den Flüssen tödlich. Sie können sich vorstellen, dass ein Fisch von einer Länge von rund einem Meter eine Passage durch eine sich schnell drehende Turbine nicht überlebt. Ich habe Fische gesehen, deren Wirbelsäule mehrfach gebrochen war, die aber immer noch lebten. Es ist aber nicht nur ein Todeskampf für das Individuum. Vielmehr steht auch das Überleben der Art auf dem Spiel. Nur rund 10 Prozent der aus den Schweizer Gewässern ins Meer abwandernden Aale kommen in Basel an. Die grosse Menge der Tiere wird bei der Passage der zahlreichen Kraftwerke schwer verletzt oder getötet.

Der Handlungsbedarf ist anerkannt, und zwar in allen Ländern am Rhein. Darüber wird überall diskutiert. In der Schweiz sind die Inhaber von Wasserkraftwerken gemäss Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer seit 2011 verpflichtet, die freie Fischwanderung bis spätestens 2030 wiederherzustellen. Die Massnahmen werden den Inhabern der Wasserkraftwerke über den Netzzuschlag vollständig abgegolten. Trotzdem passiert wenig.

Heute sind verschiedene technische Möglichkeiten bekannt. Bauliche Massnahmen, die zu keinem Produktionsverlust führen, sind aber immer noch eine technische Herausforderung; das muss man so feststellen, das ist einfach so. Aber es gibt auch Sofortmassnahmen, Massnahmen, die heute und jetzt ergriffen werden können, und da muss endlich angesetzt werden. Es sollte zum Beispiel einen Stopp des Besatzes von Aalen im Bodensee geben, der von Deutschland noch immer gemacht wird. Wir müssen endlich schauen, dass das aufhört. Oder wir könnten einen Transport von abwandernden Aalen über Land, flussabwärts bis nach Iffezheim, organisieren, wo sie dann in den Rhein zurückgegeben werden können. Die Prüfung eines Einbaus von fischfreundlichen Turbinen ist auch möglich. Es gibt solche Turbinen - nur muss man schauen, welche Technik die beste ist.

Es ist Zeit zu handeln. Die Tragödie der abwandernden Aale müssen wir stoppen und einen Beitrag zur Rettung eines faszinierenden einheimischen Tieres und damit einen Beitrag zur Rettung der Biodiversität leisten.

Der Bundesrat ist bereit dazu. Stärken wir ihm mit einem Ja zu dieser Motion den Rücken.