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Brenzikofer Florence · Nationalrat · 2023-06-01

Brenzikofer Florence · Nationalrat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2023-06-01

Wortprotokoll

Erziehungswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sind sich einig: In der familien- und schulergänzenden Betreuung werden Kinder und Jugendliche in der Entwicklung ihrer emotionalen, sozialen, kreativen, motorischen, sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten angemessen gefördert und unterstützt. Die dafür nötigen Ressourcen sind eine wichtige Investition in die Zukunft, sie tragen zur Chancengerechtigkeit bei und erhöhen die Bildungschancen.

Nachdem die Anschubfinanzierung im Kita-Bereich Erfolg gezeigt hat, ist die parlamentarische Initiative 21.403, "Überführung der Anstossfinanzierung in eine zeitgemässe Lösung", der WBK-N ein Schritt in die richtige Richtung. Jetzt geht es um eine Förderung der Tagesschulen bis ans Ende der Volksschule. Hier möchte ich eine begriffliche Klärung vornehmen.

Die familienergänzende Betreuung von Kindern im Schulalter findet heute vielerorts räumlich ausserhalb sowie institutionell und konzeptionell nicht mit der Schule vernetzt statt. Während die sogenannte Tagesstruktur mehr oder weniger losgelöst von Kindergarten und Schule funktioniert, verzahnt die Tagesschule die Betreuung und die Bildung unter einem Dach. Aus zwei Konstrukten wird eines. Eine Tagesschule ist somit ein ganzheitlich pädagogisch geleitetes Betreuungs- und Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche.

Tagesschulen sind in Städten wie beispielsweise Bern, Basel oder Zürich schon verbreitet und erfreuen sich einer immer grösseren Beliebtheit. Es gibt Modelle in Genf und Neuenburg. In der Stadt Genf hat sich beispielsweise eine gemeindeübergreifende Organisation etabliert, die erfolgreich ausserunterrichtliche Angebote für alle öffentlichen Schulen anbietet. Private Schulträger bieten das Angebot der gebundenen Ganztagesschulen an. Diese haben regen Zuwachs. Kein Wunder, denn Tagesschulen sind aus verschiedenen Gründen von grosser Bedeutung und rechnen sich mehrfach: Sie haben wirtschaftlich positive Effekte auf das Fachkräftepotenzial. Tagesschulen ermöglichen beiden Elternteilen, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Dies ermöglicht ein [PAGE 1037] höheres Einkommen und wirkt dem akuten Arbeitskräftemangel entgegen. Die OECD weist die Schweiz immer wieder darauf hin, dass sie hier noch Investitionsbedarf hat.

Neben den wirtschaftlichen sprechen auch die pädagogischen und gesellschaftlichen Argumente dafür; diese habe ich bereits ausgeführt. Tagesschulen lohnen sich also in mehrfacher Hinsicht, für die Gemeinden, die Kantone, für die Kinder, für die gesamte Gesellschaft. Das sehen auch die Verbände Kibesuisse und Pro Familia Schweiz und empfehlen, meiner parlamentarischen Initiative Folge zu geben.

Im Wissen darum, dass die Forderung meiner parlamentarischen Initiative in die Umsetzung der parlamentarischen Initiative 21.403 der WBK-N greift, die sich im parlamentarischen Prozess in der WBK-S befindet, und um den weiteren Prozess nicht unnötig zu verkomplizieren, ziehe ich meine parlamentarische Initiative heute zurück. Das Thema ist jedoch nicht vom Tisch. Warten wir ab, was mit der hängigen parlamentarischen Initiative geschieht, dann kann auch die Forderung von Tagesschulen in der ganzen Schweiz bis zum Ende der Volksschule wiederaufgenommen werden, damit in der ganzen Schweiz für alle Bildungsschichten vergleichbare Ausbildungschancen bestehen.