Berset Alain · Bundesrat · 2023-09-12
Berset Alain · Bundesrat · Freiburg · 2023-09-12
Wortprotokoll
Sehr geehrter Herr Präsident des Nationalrates, sehr geehrte Frau Präsidentin des Ständerates, sehr geehrte Damen und Herren National- und Ständeräte, sehr geehrte Frau Vizepräsidentin des Bundesrates, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen des Bundesrates, sehr geehrter Herr Bundesgerichtspräsident, sehr geehrter Herr Präsident der Konferenz der Kantonsregierungen, sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter von allen Kantonsregierungen, meine Damen und Herren, die Gründung der modernen Schweiz war ein Wurf, ein Wagnis, ein Akt der Zukunftseroberung - ein scharfer Kontrast zu dem, was wir heute allzu oft erleben: das vorsichtige Verwalten eines Status quo, dessen Status langsam erodiert. Die erste Bundesverfassung ist ein markanter Kontrapunkt zum gegenwärtigen Zeitgeist, der von Besitzstandwahrung, manchmal gar von Pessimismus geprägt ist, also von der weitverbreiteten Überzeugung, dass die besten Zeiten hinter uns liegen.
Der Aufbruch von 1848 lässt uns erkennen, was die liberale Demokratie im Kern ist: die Staatsform des Optimismus, der menschlichen Würde und der Freiheit, des Fortschrittsglaubens oder mehr noch des Fortschrittswillens, der unverrückbaren Überzeugung, dass der demokratische Rechtsstaat mit seinen Institutionen zu den grössten Errungenschaften der Menschheitsgeschichte zählt.
Diese Überzeugung verkörperte der Präsident der Verfassungskommission, Ulrich Ochsenbein. Er erkannte früh, dass der neue Bundesstaat nur Erfolg haben konnte, wenn es gelingen würde, die Verlierer des Sonderbundskrieges einzubinden. Es war Ochsenbein, die militärische Nummer zwei hinter General Dufour, der in der Politik eben gerade nicht die Fortsetzung des Bürgerkrieges mit anderen Mitteln sah, sondern das exakte Gegenteil, nämlich eine Möglichkeit, mittels einer fein austarierten Balance zwischen Protestanten und Katholiken, zwischen Zentralisten und Verfechtern kantonaler Souveränität eine Situation zu schaffen, mit der fortan alle leben konnten. Deshalb kämpfte Ochsenbein vehement für die Einführung eines Zweikammersystems, und das in weiser Voraussicht schon seit 1845.
In Ulrich Ochsenbein vereinten sich strategische Intelligenz und Menschlichkeit, auch auf dem Schlachtfeld. Er überzeugte seine Soldaten davon, Luzern nicht niederzubrennen. Er wusste, dass die Verlierer dies nie verzeihen würden. Ochsenbein erkannte also früh, früher als andere, dass das Verbindende viel grösser war als das Trennende, und das in einer Zeit, in der das nicht ganz so leicht zu erkennen war, wie es heute zu erkennen ist oder zu erkennen wäre.
Dieses politische Sensorium, dieser unaufgeregte Weitblick: Wer könnte bestreiten, dass die Schweiz beides auch heute, im unsicheren, ja bedrohlichen 21. Jahrhundert, gut gebrauchen könnte? Das gilt auch für die Beherztheit, mit der die Verfassungsmacher an die Sache gingen, für das beeindruckende Tempo, mit dem sie ihr Projekt vorantrieben. Sie nutzten den Umstand, dass die grossen Mächte mit Unruhen und Aufständen beschäftigt waren, und schufen die moderne Schweiz in nur 51 Tagen.
Mesdames et Messieurs, la Constitution de 1848 a bel et bien été un coup de maître, mais - et c'est peut-être un paradoxe - un coup de maître inachevé. Parce que la démocratie d'alors excluait les femmes, privées du droit de vote, de libertés civiles, et donc maintenues en marge du domaine public. Elle excluait également les Juifs, à qui certains droits[NB]civiques,[NB]notamment[NB]la[NB]liberté d'établissement, étaient refusés.
C'est d'ailleurs un autre point essentiel par lequel la Suisse, au fil de son histoire, s'est particulièrement distinguée: cette faculté à intégrer des cercles toujours plus larges de la population dans la culture démocratique, cette capacité à être toujours en mouvement.
C'est un processus d'inclusion qui n'est pas toujours allé de soi, qui a donné lieu à de hautes luttes politiques et qui, d'ailleurs, est toujours en cours.
Notre Etat fédéral est né dans une Europe en pleine ébullition, une Europe dans laquelle les grandes puissances conservatrices menaçaient d'intervenir militairement dans notre pays.
La Suisse était synonyme d'espoir pour toutes les forces libérales et révolutionnaires en Europe, qui étaient alors vivement réprimées dans leur propre pays. Mais la Suisse ne s'est pas laissée intimider.
Et si un avenir meilleur semblait possible dans toute l'Europe, c'est en Suisse que cet espoir est devenu réalité.
Stimadas dunnas e preziads signurs, in meglier avegnir è pussaivel er oz.
Un futuro migliore è possibile anche oggi, sebbene anche da noi le circostanze geopolitiche e sociali siano attualmente meno favorevoli che negli ultimi decenni.
Impegniamoci per una Svizzera che non si desti all'ultimo momento - quando si è giocata l'ultima carta del procrastinamento è già quasi troppo tardi.
Celebriamo questo spirito del compromesso forte e lungimirante che ha permesso di creare le nostre istituzioni e il Parlamento che vediamo qui.
Mesdames et Messieurs, 1848 n'est pas qu'une source d'inspiration. C'est aussi une césure historique, qui nous rappelle [PAGE 2170] que le compromis n'est pas le chemin de la moindre résistance, mais bien la seule voie possible pour construire un avenir commun.
Que vive la Constitution et que vive la Suisse! (Applaudissements nourris)
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