Leumann-Würsch Helen · Ständerat · 2003-03-06
Leumann-Würsch Helen · Ständerat · Luzern · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2003-03-06
Wortprotokoll
Im Namen der Kommission darf ich Ihnen die nächste Weltausstellung, die "Expo 2005 Aichi" in Japan, vorstellen. Die nächste Weltausstellung der ersten Kategorie - das sind die Weltausstellungen, die alle fünf Jahre abgehalten werden können - wird in der Präfektur Aichi in Japan stattfinden. Das Ausstellungsgelände befindet sich zwischen Seto City, Nagakute Town und Toyota City, nahe der Hafenstadt Nagoya. Nagoya ist die Hauptstadt der Präfektur Aichi und ein wichtiger Stopp des "bullet train" mit der Bezeichnung Shinkansen, das ist der "japanische TGV", von Tokio nach Osaka.
Die Schweiz prüft von Fall zu Fall, ob eine Teilnahme an einer Weltausstellung sinnvoll ist oder nicht. Bezüglich Japan kam sie eindeutig zum Schluss, dass die Bedeutung Japans vor allem aus wirtschaftlicher und touristischer Sicht nicht zu unterschätzen ist, denn Japan ist für uns ein wichtiger Handelspartner. Gerade Japan würde es nicht verstehen, wenn die Schweiz nicht teilnähme. Die Mitglieder unserer Kommission teilen diese Ansicht vollumfänglich. Ferner befürworten gemäss Umfrage 81 Prozent der Schweizer Bevölkerung eine Teilnahme der Schweiz. Die oberste politische Verantwortung dieses Geschäftes liegt beim EDA, welches den Auftrag für die Durchführung unserer Teilnahme an Präsenz Schweiz vergab.
Das Leitthema der Ausstellung wird "Nature's Wisdom" sein, die Weisheit der Natur. Gerade bezüglich Themen wie Natur und Umwelt hat unser Land eine nicht zu unterschätzende Vorbildfunktion und ist gleichzeitig auch in modernen Technologien führend. Das ist also eine spannende Ausgangslage für unser Land.
Die Ausstellung findet in einem hügeligen Gebiet mit viel Wald und einigen Teichen statt. Im Frühling 2002 hat eine Delegation das Ausstellungsgelände besucht und sich an einer strategisch attraktiven Lage Pavillonmodule reservieren lassen. Präsenz Schweiz hat daraufhin einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben, wobei eine Konzentration auf themenorientierte Schwerpunkte stattfand. Die Ausstellung soll also ein bis zwei themenbezogene Aspekte beinhalten, darauf Rücksicht nehmen, dass sich eine Weltausstellung nicht als Leistungsschau eignet, und eine Botschaft vermitteln, die auch der Durchschnittsjapaner versteht, also nicht ironisch oder selbstkritisch ist; das würde in Japan nicht verstanden. Die Ausstellung wird also eher die traditionelle Schweiz darstellen, aber durchaus auch Raum für eine Vermittlung der modernen Schweiz zulassen.
Eine neunköpfige Jury hat sich klar für den Vorschlag "Der Berg" ausgesprochen. Die alpine Bergwelt wird zentral und sinnbildlich für das Oberthema "Weisheit der Natur" stehen. Die dem Projekt zugrunde liegende Idee ist, namentlich auch in Japan, verständlich. Denn "Der Berg" zeichnet sich sowohl durch einen klaren Schweiz-Bezug als auch durch einen starken Bezug zur Ausstellungsthematik "Nature's Wisdom" aus.
Die Besucher werden durch die Gestaltung der Fassade als künstliche Felsformation positiv angesprochen. Auf ihrer Wanderung über sieben Stationen - sieben ist eine Zahl, die im Buddhismus eine wichtige Rolle spielt - erleben sie das [PAGE 101] Land als eine weltoffene, zukunftsorientierte und innovative Schweiz. Die Darstellung der Inhalte erfolgt über grossflächige Panoramen, Dioramen und Toninstallationen. Beim "Kodakpoint" erfährt der Rundgang seinen Abschluss, und die dort entstehenden Fotos garantieren eine erinnerungsmässige Nachhaltigkeit. Speziell zu erwähnen ist die geplante Picknickwiese, kombiniert mit einem Restaurant, das auch Lunchpakete verkauft; diese Wiese soll zu einem Ort der Begegnung werden.
In der Kommission wurden vor allem die finanziellen Aspekte diskutiert. Dabei kam sehr deutlich zum Ausdruck, dass wir uns keine Budgetüberschreitungen leisten wollen und auch keine leisten können. Die Organisatoren konnten uns dann auch überzeugen, dass sie gleicher Meinung sind.
Die Erfahrungen mit Sevilla und Hannover, aber auch mit unserer Expo.02 wurden ausgewertet. Dabei wurde festgestellt, welche Budgetmängel vorhanden waren, und dies konnte jetzt in die Berechnungen mit einbezogen werden. So gingen die Verantwortlichen von realistischen Zahlen aus und liegen mit einem Verpflichtungskredit von 15 Millionen Franken deutlich unter den 23,5 Millionen Franken für Hannover oder den 32 Millionen Franken für Sevilla. Das hat vor allem damit zu tun, dass wir keinen eigenen Pavillon bauen müssen, denn die Pavillons werden uns vom Veranstalter zur Verfügung gestellt. Pavillonbauten sind ja - das wissen wir mittlerweile - der kritische Budgetposten, denn da ist die Gefahr der Überschreitungen am grössten. In diesen 15 Millionen Franken sind auch keine Einnahmen und keine Sponsorengelder budgetiert - vor allem nicht solche, die dann auch nicht realisiert werden können. Ein Antrag, den Kredit um einen Sponsorenbeitrag zu senken, wurde zwar diskutiert, aber nicht weiterverfolgt. Hingegen sind Sponsoren für Rahmenprogramme willkommen, sei es, dass eine Firma - z. B. ein grosses Pharmaunternehmen - ein Spezialprogramm realisiert und einige Gäste einlädt, oder sei es, dass eine Bank eine kulturelle Veranstaltung finanziert oder dass möglicherweise jemand den Kiosk oder das Restaurant auf eigenes Risiko übernimmt.
Was an Sponsoringgeldern dazukommt, macht das Projekt interessanter, billiger oder grösser. Es wurde uns aber versichert, dass der Kredit von 15 Millionen Franken nicht überschritten werden wird. Fehler, die bei früheren Ausstellungen gemacht wurden, konnten vermieden werden, und das ganze Projekt wurde in engster Zusammenarbeit mit unserer Finanzkontrolle angegangen.
Unsere Kommission beantragt Ihnen einstimmig und ohne Enthaltungen Zustimmung zum Verpflichtungskredit und damit selbstverständlich auch Zustimmung zur Teilnahme an der Weltausstellung "Expo 2005" in Aichi.