Wettstein Felix · Nationalrat · 2023-09-14
Wettstein Felix · Nationalrat · Solothurn · Grüne Fraktion · 2023-09-14
Wortprotokoll
Die Abkürzung PFAS ist immer noch nur wenigen Menschen in unserem Land geläufig. Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen sind eine Gruppe von über 4500 synthetischen Chemikalien. Wegen ihrer extremen Langlebigkeit in der Umwelt werden sie auch als "Ewigkeits-Chemikalien" bezeichnet. Sie gelangen über kurz oder lang in den Nahrungsmittelkreislauf - in die Tiernahrung, aber auch in die Nahrung von uns Menschen. PFAS werden in einer inzwischen unüberblickbaren Zahl verwendet, da sie fett- und wasserabweisend sind. Zu diesen Anwendungen gehören auch Lebensmittelverpackungen.
Seit ich meine Motion eingereicht habe, sind neue Studienerkenntnisse veröffentlicht worden. Es ist nachgewiesen, dass PFAS die Fruchtbarkeit vermindern und das normale Wachstum von Föten beeinträchtigen. Der Verdacht erhärtet sich zunehmend, dass PFAS das Krebsrisiko erhöhen. Weiter gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass sie das Nervensystem angreifen und das Immunsystem schwächen, sodass z.[NB]B. Impfungen weniger gut wirken. Wir haben also allen Grund, PFAS auf breiter Front aus dem Verkehr zu ziehen. Denn es gibt Ersatzprodukte.
Mit meiner Motion wähle ich nur eine von zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten aus, eben die der Lebensmittelverpackungen. Wir kennen das gut: Die Pizza ist in einer Hülle eingeschweisst, zunehmend mehr Früchte und Gemüse sind es ebenso. Die Portion Pommes frites über die Gasse ist in eine beschichtete Tüte gefüllt, und die Würstchen werden sogar eingeschweisst im Plastik erhitzt. Auch die meisten Mikrowellenbeutel enthalten PFAS.
In seiner Stellungnahme schreibt der Bundesrat, dass die Belastung dieser Anwendungen relativ gering sei. Diese Einschätzung erstaunt mich sehr, denn wenn diese Stoffe so direkt mit Lebensmitteln in Berührung kommen, zum Teil noch gemeinsam erhitzt werden, dann ist das Risiko einer Kontamination beträchtlich.
In Deutschland haben acht Non-Profit-Organisationen eine Studie in Auftrag gegeben. Dazu wurden 42 Einwegverpackungen oder Boxen aus Papier, Karton oder Pflanzenfasern untersucht, die in sechs verschiedenen Ländern hergestellt wurden. 32 dieser Verpackungen enthielten PFAS, zum Teil in erschreckend hohen Konzentrationen. Es waren sogar [PAGE 1636] Schalenverpackungen darunter, die als biologisch abbaubar deklariert waren.
Dass es auch anders geht, Herr Bundesrat, macht uns Dänemark vor. Als EU-Land wartet es nicht darauf, bis eine gemeinsame Lösung in der EU beschlossen wird. Vielmehr hat Dänemark 2020 die Verwendung von PFAS in Lebensmittelverpackungen und Mikrowellenbeuteln untersagt. Es gibt gleichwertige, aber unbedenkliche Ersatzprodukte. Die Schweiz müsste also nicht die EU-Entwicklungen abwarten, sondern könnte sich Dänemark als Vorbild nehmen und diese Anwendung stoppen.
Ich danke Ihnen für die Unterstützung meiner Motion.