Locher Benguerel Sandra · Nationalrat · 2023-09-21
Locher Benguerel Sandra · Nationalrat · Graubünden · Sozialdemokratische Fraktion · 2023-09-21
Wortprotokoll
Anlässlich der Information der WBK über die Schwerpunkte der anstehenden BFI-Botschaft 2025-2028 haben wir auch die Situation der Fachhochschulen in Bezug auf die Kooperationsprojekte im Bereich der Doktoratsausbildung thematisiert. Die WBK hat sich mit 12 zu 5 Stimmen bei 2 Enthaltungen dazu entschieden, das vorliegende Postulat einzureichen.
Weshalb? Die Fachhochschulen sind wie die pädagogischen und die universitären Hochschulen oder die ETH ein gleichwertiger, aber andersartiger Hochschultyp der Schweiz. Seit der Einführung der Bologna-Reform verleihen die Hochschulen die Titel "Bachelor of Science" oder "Bachelor of Arts" oder dasselbe auf der Masterstufe. Die dritte Stufe nach Bologna, also die Doktoratstitel, ist den universitären Hochschulen und der ETH vorbehalten.
Absolventinnen und Absolventen von Fachhochschulen stehen vor grossen Hürden, wenn sie ein Doktoratsprogramm besuchen möchten. Im Rahmen der BFI-Botschaft 2017-2020 wurden mittels projektgebundener Beiträge erstmals vereinzelte Kooperationsprojekte von Fachhochschulen mit Universitäten im In- und Ausland finanziell unterstützt. Diese finanzielle Unterstützung wurde dann für die BFI-Botschaft 2021-2024 fortgeführt. Bei diesen Kooperationen forschen die Doktorierenden an der Fachhochschule. Das Promotionsrecht ist weiterhin aber den Universitäten vorbehalten. Seit Inkrafttreten der Verordnung des Hochschulrates über die Koordination der Lehre an den Schweizer Hochschulen ist zudem festgehalten, dass Fachhochschulabsolventinnen und -absolventen zum Doktoratsstudium an universitären Hochschulen zugelassen werden können. Jedoch, und das ist der entscheidende Punkt, werden dadurch nicht alle Fachbereiche der Fachhochschulen abgedeckt, weil die Disziplinen bzw. die spezialisierten Fachbereiche für die Kooperationen an den universitären Hochschulen fehlen.
Die Folge davon ist, dass die Fachhochschulen in der Schweiz den eigenen Lehrkörper nur erschwert selbst ausbilden können. Das führt zu einer Verwässerung des einzigartigen Profils der Fachhochschulen, welches sich durch praxisorientierte Studiengänge sowie anwendungsorientierte Forschung auszeichnet. Somit sollte gerade auch der Lehrkörper primär aus Absolventinnen und Absolventen von Fachhochschulen bestehen.
Welche Fragestellungen sollen konkret mit dem Postulat geklärt werden?
Der Bundesrat wird im Rahmen der Evaluation der projektgebundenen Beiträge zur BFI-Botschaft 2021-2024 beauftragt, zu prüfen und Bericht zu erstatten, wie sich im Speziellen die Kooperationen zwischen Fachhochschulen und universitären Hochschulen sowie zwischen in- und ausländischen Hochschulen entwickelt haben und welche Projekte im Bereich der Mobilitätsförderung von Doktorierenden und der Weiterentwicklung des dritten Zyklus finanziell unterstützt werden. Dabei sollen unter anderem folgende Fragen geklärt werden: Wie funktionieren diese Kooperationen? Wie beteiligen sich die schweizerischen universitären Hochschulen? Handelt es sich bei den Kooperationen um gleichwertige Partnerschaften betreffend Betreuung, Beurteilung der Doktorierenden, Anerkennung und Sichtbarmachung aller Partner? Werden Personen mit einem Master einer Fachhochschule zugelassen? Und auch die Frage: Welche Fachbereiche von Fachhochschulen können mit den Kooperationen abgedeckt werden und welche eben nicht? Und dann vor allem: Welche Lösungen können für Letztere vorgesehen werden?
Eine Minderheit der Kommission lehnt das Postulat ab, weil sie der Meinung ist, dass an der bisherigen Praxis nichts geändert werden solle und dass die Verleihung von Doktortiteln auf Fachhochschulstufe nicht vertiefter zu prüfen sei.