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Egger Mike · Nationalrat · 2023-09-26

Egger Mike · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2023-09-26

Wortprotokoll

Mit meiner Motion möchte ich, dass der Bundesrat in den Statistiken auch jeweils den Pro-Kopf-Verbrauch aufführt. Die offiziellen Statistiken zum Energieverbrauch oder auch zum Treibhausgasausstoss der Schweiz zeigen aus meiner Sicht ein unvollständiges Bild, da sie den Fokus auf die Entwicklung des Gesamtverbrauchs bzw. der Gesamtemissionen legen und damit die Pro-Kopf-Werte entsprechend vernachlässigen. Für das Monitoring der Wirksamkeit der Massnahmen zur Senkung des Verbrauchs und [PAGE 1954] der Emissionen sind eben auch die Pro-Kopf-Werte entscheidend, zumal diese Grösse für die Bevölkerung verständlicher und motivierender ist als das Total der gesamtschweizerischen Entwicklung.

Bei einem Bevölkerungswachstum, das 16-mal schneller ist als das Deutschlands - sogar in absoluten Zahlen: Die Schweiz wuchs in den letzten zwanzig Jahren um 1,5 Millionen Menschen, Deutschland um 1,1 Millionen Menschen -, müssten wir auch auf die Ressourcen achten. Mehr Menschen verbrauchen automatisch mehr Ressourcen, sei[NB]es[NB]bei[NB]der[NB]Infrastruktur, sei es beim Strom, sei es bei den Treibhausgasen - das ist einfach so. Dieses Bild zeigt sich uns auch, wenn wir zum Beispiel die Solaroffensive im Wallis anschauen. Die dort geplante Solaranlage wird jährlich maximal etwa 0,5 Terawattstunden Strom produzieren. Jedes Jahr wandern in die Schweiz so viele Menschen ein, dass allein dafür wiederum plus 0,5 Terawattstunden Strom benötigt werden. Das bedeutet, dass man in der Schweiz eigentlich jedes Jahr eine solche Fotovoltaik- oder Solaranlage bauen[NB]müsste, wie sie im Wallis geplant ist, um den zusätzlichen Stromverbrauch von einem Jahr Zuwanderung zu decken. Allein die Nettozuwanderung der letzten zwanzig Jahre verbraucht mehr Strom, als das grösste AKW, jenes in Gösgen, überhaupt liefern kann.

Dass der Pro-Kopf-Verbrauch vernachlässigt wird, zeigt sich auch bei der Energiestrategie 2050. Damals ging man davon aus, dass der Stromverbrauch nicht steigen würde. Heute wissen wir: Gerade bei den Haushalten ist der Stromverbrauch gestiegen. Es gibt viel mehr einzelne Wohnungen, es gibt eine Wohnungsexplosion - in den letzten Jahren kamen 50[NB]000 Wohnungen hinzu, die gebaut werden mussten und die alle entsprechend Strom verbrauchen.

Ein weiterer Punkt, der in der Strategie fehlerhaft ist und der ebenfalls nicht angeschaut wurde, ist das Bevölkerungswachstum. Im Grundlagenpapier zur Energiestrategie 2050 ging der Bund davon aus, dass wir bis 2035 rund 7,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner haben würden. Heute bzw. seit letzter Woche wissen wir, dass es bereits in diesem Jahr 9 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner sind. Hier hat sich der Bund um 27 Jahre verrechnet. Dies zeigt eben die Bedeutung des Pro-Kopf-Verbrauchs.

Man kann es auch an anderen Statistiken ablesen: Der Stromverbrauch konnte pro Kopf seit 2001 um etwa 10 Prozent reduziert werden; der Erdölverbrauch konnte pro Kopf seit 2000 um 32,5 Prozent reduziert werden, in absoluten Zahlen aber nur um 19,4 Prozent. Auch bei den Treibhausgasemissionen ist die Schweiz weltmeisterlich unterwegs: Wir[NB]haben[NB]es geschafft, die Emissionen seit 1990 pro Kopf um 37 Prozent zu senken, aber aufgrund des enormen Bevölkerungswachstums in der Schweiz haben wir eben in absoluten Zahlen nur eine Senkung um 18 Prozent erreicht. Solche Ziele zu setzen, ist nicht richtig. Man kann dann - auch wieder beim Strom - schon sagen: Jede Kilowattstunde zählt. Fakt ist einfach: Wenn wir in diesem Land 200[NB]000 Einwohner mehr haben, brauchen wir rund 1,34 Milliarden Kilowattstunden zusätzlich. Das bedeutet umgerechnet rund 7 Milliarden Kilometer Tesla fahren, 76[NB]200 Jahre lang bei 200 Grad backen oder 5100 Jahre bei 40 Grad alleine duschen, und dies aufgrund des Bevölkerungswachstums.

Genau aus diesen Gründen bitte ich Sie, entsprechend in den Statistiken jeweils auch den Pro-Kopf-Verbrauch auszuweisen und auch die Konsequenzen eines solchen Wachstums in den Botschaften deutlicher aufzuzeigen. Sie haben ja geschrieben, dass Sie in diesem Bereich schon sehr viel machen, aber das könnte man sicherlich noch verstärken.

Darum spricht eigentlich nichts dagegen, diese Motion anzunehmen.