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Candan Hasan · Nationalrat · 2023-12-05

Candan Hasan · Nationalrat · Luzern · Sozialdemokratische Fraktion · 2023-12-05

Wortprotokoll

Der wichtige und richtige Trennungsgrundsatz zwischen Baugebiet und Nichtbaugebiet darf nicht weiter aufgeweicht werden. Bei der Umsetzung des indirekten Gegenvorschlags muss diesem Kerngehalt der Initiative unbedingt Rechnung getragen werden. Die Leitplanken hinsichtlich der Sonderzonen respektive der vielen Sonderwünsche müssen vom Bundesrat klar vorgegeben und angewandt werden. Nicht alles, was man will und kann, darf möglich sein. Ansonsten droht ein gefährlicher Wildwuchs mit unzähligen Ausnahmen, und die Ausnahmen werden dann zur Regel. Wir müssen unbedingt Augenmass behalten und haushälterisch mit unserer wertvollsten Ressource, unserem Boden, umgehen. Wir brauchen Boden zum Leben. Wir brauchen Boden zum Leben hinsichtlich der Produktion von lokalen und gesunden Nahrungsmitteln, hinsichtlich der Produktion von Energie und hinsichtlich des Erhalts einer intakten Natur.

Nun geht aber der Run auf den Boden unaufhaltsam weiter. Einmal zugebaut, ist dieser oft für immer versiegelt, und andere Nutzungen sind ausgeschlossen. Ich muss zugeben: Es hat seinen Reiz, in einer reizvollen Landschaft zu wohnen. Wir dürfen uns aber nicht in Versuchung führen lassen, denn eine reizvolle und intakte Landschaft lebt davon, dass sie Raum zum Atmen hat.

Wir dürfen auch nicht zu kurzsichtig sein. Wohnbauten ausserhalb der Bauzonen brauchen neue Erschliessungen für Strom, Wärme, Wasser und neue Strassen. Diese beanspruchen ebenfalls Boden, zerschneiden die Landschaft, haben Einfluss auf das Landschaftsbild und bedeuten zusätzliche Störungen für die Tier- und Pflanzenwelt, für die Biodiversität. Die Biodiversität in der Schweiz geht seit Jahrzehnten ungebremst zurück. Über ein Drittel der Arten ist in der Schweiz vom Aussterben bedroht. Der Rückgang der Biodiversität hat ein Ausmass erreicht, welches uns grosse Sorgen bereiten sollte. Denn der Erhalt der Biodiversität dient nicht nur dem Selbstzweck. Die Biodiversität erbringt unverzichtbare und unersetzbare Leistungen für uns Menschen. Für die Produktion von gesunden Nahrungsmitteln, für den Erhalt von sauberer Luft und frischem Trinkwasser, für den Schutz vor Naturgefahren, aber auch für die Erholung und den Erhalt unserer Gesundheit oder für den Schutz des Klimas sind wir auf eine intakte Biodiversität angewiesen. Wir müssen deshalb Sorge zu ihr tragen und ihr den Raum lassen, den sie benötigt. Denn eine intakte Biodiversität kommt auch uns zugute. Wir dürfen die Energie-, Klima- und Biodiversitätskrisen nicht gegeneinander ausspielen. Diese Drillingskrise kann nur gesamthaft gelöst werden, denn die drei Krisen sind eng miteinander und ineinander verwoben.

Ich komme aus dem Kanton Luzern. Unser Kanton beherbergt die grösste zusammenhängende Moorlandschaft der Schweiz, die Moorlandschaft auf dem Glaubenberg. Die Moore machen nur 2 Promille des Bodens des Kantons Luzern aus. In diesen 2 Promille ist aber so viel CO2 gespeichert, wie die ganze Luzerner Bevölkerung in hundert Jahren an CO2 ausstösst. Die Moore speichern nicht nur CO2, sondern auch Wasser. Die Moore sind enorm wichtig für den Wasserhaushalt und angesichts der immer trockener werdenden Sommer insbesondere auch für die Landwirtschaft. Gleichzeitig bilden Moore einen einzigartigen Lebensraum für die seltenen Tiere und Pflanzen. Die Moore in der Schweiz sind in den letzten hundert Jahren um 90 Prozent zurückgegangen, und beinahe alle Moore sind beeinträchtigt. Ein wichtiger Treiber dieses Verlustes ist der fortschreitende Eingriff und Zubau und die damit verbundenen Störungen in diesen einmaligen Ökosystemen. Wir müssen dem Erhalt der Ökosysteme mit der Umsetzung des indirekten Gegenvorschlags zur Landschafts-Initiative unbedingt Rechnung tragen.

Da ich jetzt noch ein paar Sekunden habe: Sie, Herr Kollege Bregy, und auch andere hier drin haben gesagt, diese Initiative sei ein Angriff auf die Landschaft, sie schade der ländlichen Schweiz. Auch ich will nicht ein Ballenberg aus der Schweiz machen, aber ich möchte auch in Zukunft Tiere nicht nur im Zoo betrachten dürfen.