Lexipedia

Keller-Sutter Karin · Bundesrat · 2024-02-26

Keller-Sutter Karin · Bundesrat · St. Gallen · 2024-02-26

Wortprotokoll

Der Bundesrat bittet Sie, die Motion abzulehnen. Zur Ausgangslage: Es ist so, dass Trauben in einer der zahlreichen Genossenschaften im Tessin oder auch anderswo ohne Konzession weiterhin selbst gebrannt werden können. Die befristeten Konzessionen können verlängert werden, wenn die Bedingungen weiterhin erfüllt sind. Um eine Konzession behalten zu können, muss ein Hobbybrenner mindestens 300 Quadratmeter Reben in Steil- und Terrassenlagen besitzen; das entspricht etwa der Fläche eines Tennisplatzes. Mit einer solchen Fläche kann ein Brenner offenbar etwa zehn Flaschen Grappa produzieren. Man lernt immer dazu, solche Motionen haben ja auch eine pädagogisch-didaktische Wirkung. Vielen Dank, Herr Regazzi!

Nun, Sie haben es erwähnt, das BAZG hat im Jahr 2020 eine Überprüfung der Konzessionen vorgenommen. Im Tessin haben 60 Personen die Voraussetzungen als Hausbrenner nicht mehr erfüllt. Sie wurden deshalb in die Kategorie der Kleinproduzenten umgeteilt, die nicht mehr selber zuhause destillieren dürfen. Diese Personen haben das offenbar ausnahmslos akzeptiert, es wurden keine Einsprachen dagegen erhoben. Sie können die Trauben neu bei einer Lohnbrennerei brennen lassen, um zum Beispiel Grappa herzustellen. Wenn sie Mitglied einer Genossenschaft sind, können sie das ihnen dort zur Verfügung stehende Brenngerät nutzen, das ist qualitativ hochstehend. Der administrative Aufwand geht dann zulasten dieser Genossenschaft.

Schon heute lassen im Tessin über dreitausend Produzenten ihren Alkohol in einer der mehr als sechzig zu Kooperativen zusammengeschlossenen Brennereien brennen, in einem dieser Consorzi. Es besteht offenbar keine grosse Nachfrage nach den genannten Konzessionen. Nach Aussage vieler Produzenten ist die Tradition der häuslichen Grappaherstellung vor allem dadurch bedroht, dass eben die jüngere Generation im Vergleich zur älteren weniger daran interessiert ist, selber Land zu bewirtschaften und Alkohol zu brennen.

Gerne möchte ich Sie noch darauf hinweisen, und deshalb bitte ich Sie auch, die Motion abzulehnen, dass wir zurzeit eine Totalrevision des Zollrechts durchführen. Die WAK-S wird sich an einer ihrer nächsten Sitzungen, ich denke, im zweiten Quartal 2024, mit der Totalrevision des Zollgesetzes befassen. Dort ist vorgesehen, dass Brennereikonzessionen künftig auch aus historischen oder kulturellen Gründen erteilt [PAGE 3] werden können. Damit könnte sichergestellt werden, dass die Consorzi auch in Zukunft Konzessionen erhalten.

Keller-Sutter Karin · Bundesrat · 2024-02-26 | Lexipedia | Lexipedia