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Bruderer Pascale · Nationalrat · 2003-05-06

Bruderer Pascale · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion · 2003-05-06

Wortprotokoll

Wir haben einen Minderheitsantrag Bangerter vorliegen, welcher die Vertretung der Wirtschaft in der SUK verlangt. Im Folgenden werde ich kurz darlegen, warum die SP-Fraktion diesen Minderheitsantrag ablehnt und auch um Ihre Ablehnung bittet. Während die Konferenz der Rektoren der Schweizer Universitäten (Crus) mit der Behandlung akademischer Aufgaben betraut ist, übernimmt die SUK, die Nachfolgeorganisation der Schweizerischen Hochschulkonferenz, teils betont operative Aufgaben. Sie verfügt über mehrere Kompetenzen in den Bereichen der Anerkennung von Studienleistungen und Studienabschlüssen, der Gewährung von projektgebundenen Beiträgen, der Zuteilung der Nationalen Forschungsschwerpunkte, des Erlasses von Richtlinien für die Bewertung von Lehre und Forschung sowie bei der Umsetzung dieses Wissens im Forschungsbereich. Jawohl, die Wirtschaft beteiligt sich zu grossen Teilen an den Kosten der Forschung, natürlich nicht aus altruistischen Gründen, sondern weil sie eins zu eins von dieser Arbeit und ihren Resultaten profitiert.

Unseres Erachtens wären Berührungsängste zwischen der Forschung einerseits und anderen Gesellschaftsbereichen andererseits tatsächlich falsch, aber wir alle wissen, dass solche auch nicht drohen. Wir wissen auch und halten das übrigens wirklich für richtig, dass die Verwaltung offene Türen hat und den steten Austausch nicht nur ermöglicht, sondern teils sogar auch sucht. Berührungsängste sind sicher fehl am Platz. Es ist ganz im Gegenteil extrem wichtig, im Bildungsbereich Räume zu schaffen, in denen nicht einseitige Interessen vertreten werden, sondern ganz im Gegenteil langfristig und unabhängig Schwerpunkte gesetzt und Ausrichtungen festgelegt werden können. Diese Unabhängigkeit gegenüber Partikularinteressen ist enorm wichtig; darum macht die Verteilung der SUK-Sitze durchaus grossen Sinn. Sie haben ja erwähnt, Frau Bangerter, wie die Verteilung aussieht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Vertreter und Vertreterinnen in der SUK gegen einen steten Informationsaustausch wehren würden. Ich denke, es gehört auch zu ihrem Pflichtenheft, dass sie Ohren und Augen offen halten.

Zusätzlich zu dieser inhaltlichen Ablehnung des Minderheitsantrages möchte ich doch noch zwei ganz praktische Überlegungen ins Feld führen:

1. Es wäre ja wohl klar, dass mit einer Ergänzung durch einen Wirtschaftsvertreter Tür und Tor für weitere Kreise ebenfalls wichtiger Gesellschaftsbereiche geöffnet würden, denen Bildung und Forschung auch am Herzen liegen - und es gibt ja zum grossen Glück genug Kreise, denen die Bildung am Herzen liegt. Wer würde da zugelassen und wer nicht? Vor allem: Mit welcher Begründung?

2. Wer sollen diese Wirtschaftsvertreter sein? Wer würde für sich beanspruchen können, die Wirtschaft als solche zu vertreten - die ganz verschiedenen Verbände mit ihren unterschiedlichen Interessen?

Wie Sie sehen, gibt es genügend Gründe, den Antrag der Minderheit Bangerter abzulehnen. Wir von der SP-Fraktion halten Befürchtungen, wonach die Wirtschaft zu kurz komme, wonach sie ihre Sicht der Dinge nicht genügend einbringen und ihren Einfluss in verschiedenen Gremien nicht stark geltend machen könne, wirklich nicht für angebracht. Wie Sie von Frau Bangerter gehört haben, gibt es ja auch andere Gremien, in denen dieser Informationsaustausch durchaus nicht nur implizit, sondern auch explizit getätigt wird. So homogen ist die Sicht der Dinge durch die Wirtschaft glücklicherweise und richtigerweise ja auch nicht immer.

Die Idee einer Vertretung der Wirtschaft in der SUK ist sowohl aus materiellen als auch aus formalen und nicht zuletzt aus praktischen Gründen abzulehnen!