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Kälin Irène · Nationalrat · 2024-03-12

Kälin Irène · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion · 2024-03-12

Wortprotokoll

Immer mehr Bauernfamilien diversifizieren ihre Betriebe und suchen Wege, bessere Preise für ihre Produkte zu erzielen und die Wertschöpfung auf dem Hof zu erhöhen. Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten legen Wert auf regionale und rückverfolgbare Produkte. Sie wollen wissen, wo der Apfel wuchs und wo das Rind weidete, die im Einkaufskorb und dann auf dem Teller landen. Das hat auch der Bundesrat erkannt.

In seinem Bericht zur zukünftigen Ausrichtung der Agrarpolitik betont der Bundesrat die Bedeutung der Direktvermarktung für einen nachhaltigen Konsum. Dazu schreibt er unter anderem und sehr treffend: "Bei kurzen Versorgungsketten gelangen regionale Lebensmittel möglichst direkt von den Produzentinnen und Produzenten zu den Konsumentinnen und Konsumenten. Damit kann die Landwirtschaft ihren Absatz diversifizieren und zusätzliche Wertschöpfung generieren. Aufgrund der Nähe zur Konsumentin und zum Konsumenten schafft diese Aktivität gegenseitiges Vertrauen und Verständnis, und es kann innovativ und flexibel auf die Konsumentenbedürfnisse reagiert werden. Zudem schaffen kurze Versorgungswege eine Verbindung zwischen Produktion und Konsum. Vorteile vom Direktverkauf für Konsumentinnen und Konsumenten sind die Rückverfolgbarkeit der Produkte, Information über die Produktionsart, keine[NB]Normierung[NB]der[NB]Produkte,[NB]Lokalität[NB]von Sorten und Vielfalt, transparente Margen, Saisonalität und wenig verarbeitete Lebensmittel sowie reduzierter Treibstoffverbrauch für den Transport."

Ja, treffender könnte man das nicht beschreiben. Ja, vieles spricht für die Direktvermarktung, und zwar für die Bauernfamilien als Produzenten genauso wie für die Konsumentinnen und die Umwelt. Eigentlich spricht alles dafür und nichts dagegen, denn die Direktvermarktung minimiert zusätzliche Umweltkosten, Transportwege, Food Waste und Energieverluste im Prozess der Verarbeitung. Das sind alles gute Gründe, die Direktvermarktung stärker zu fördern, als es aktuell vorgesehen ist.

Denn obwohl das Interesse an mehr Direktvermarktung vorhanden ist, ist der Anteil der Betriebe mit Direktvermarktung mit 26 Prozent noch immer relativ gering. Über alles gesehen liegt der Anteil der Direktvermarktung nach Schätzungen des Schweizer Bauernverbandes bei weniger als 5 Prozent des Gesamtmarkts. Gründe, die für diesen tiefen Anteil genannt werden, sind primär hohe Investitionskosten, ein hoher Arbeitsaufwand sowie Hürden bürokratischer Art wie Nährwertangaben, für die regelmässig Proben ins Labor geschickt werden müssen, was wiederum Kosten generiert. Im Sinne einer Förderung und Stärkung der Direktvermarktung wäre es daher wichtig, Anreize zu verstärken und Einstiegshürden baulicher und bürokratischer Art weitestmöglich auszuräumen, um Bauernfamilien den Einstieg zu[NB]erleichtern[NB]und[NB]zu[NB]einem[NB]nachhaltigen Einkaufsverhalten beizutragen.

Genau das will die Motion. Sie fordert Massnahmen, die den Einstieg für Bäuerinnen und Bauern in die Direktvermarktung vereinfachen. Denkbar wären finanzielle Anreize, die Erschliessung von Absatzkanälen wie öffentliche Verpflegungseinrichtungen oder der Abbau von Hürden in Bezug auf lebensmittelrechtliche Anforderungen bei der Nährwertangabe, die ein unverhältnismässiges Mass an Bürokratie mit sich bringen.

Ich danke Ihnen, wenn Sie die Direktvermarktung und die kurzen Wege stärken.