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Egger Mike · Nationalrat · 2024-03-12

Egger Mike · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2024-03-12

Wortprotokoll

Alle reden gerne von der dualen Berufsbildung, vom Fachkräftemangel und davon, wie wertvoll Fachausbildungen sind. Aber niemand spricht die teils krasse Benachteiligung der Berufsbildung gegenüber der akademischen Ausbildung bezüglich der Förderung und Anerkennung in der Gesellschaft an. Es freut mich umso mehr, dass wir es geschafft haben, eine überparteiliche Allianz für die Berufsausbildung zu formieren.

Es ist leider so, dass in der Schweiz die Berufsausbildung im Vergleich zur akademischen Ausbildung oft als minderwertig angesehen wird. Dies führt zu einer Benachteiligung der Berufsausbildung, obwohl sie genauso wertvoll und wichtig für die Gesellschaft ist. Es ist entscheidend, dass wir die Vielfalt der Bildungswege anerkennen und fördern, um sicherzustellen, dass eben alle Menschen die gleichen Chancen haben, ihre Fähigkeiten und Talente zu entfalten. Nur durch eine ausgewogene Wertschätzung von Berufs- und akademischer Bildung können wir eine gerechtere und inklusivere Gesellschaft schaffen.

Als gelernter Fleischfachmann mit einer Ausbildung zum Technischen Kaufmann, Betriebswirtschafter HF und abschliessend Executive Master of Business Administration der Fachhochschule weiss ich persönlich sehr wohl,[NB]wie[NB]wertvoll[NB]unser[NB]durchlässiges Bildungssystem ist und wie wertvoll und gut möglich es ist, auch an einer Fachhochschule schlussendlich noch einen Abschluss zu machen. Dies ist sicherlich wichtig und richtig, aber es löst eben nicht gänzlich die Probleme der fehlenden [PAGE 457] Anerkennung. Gerade im Ausland werden aufgrund fehlender Titelanerkennungen junge, gut qualifizierte Berufsleute mit höheren Berufsausbildungen benachteiligt.

Die höhere Berufsbildung ist europaweit in Bewegung. Für das österreichische Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung sind die Titel gemäss Medienmitteilung eine von vielen Massnahmen im Kampf gegen den vorherrschenden Fachkräftemangel. In Deutschland werden die Titel "Bachelor Professional" und "Master Professional" bereits seit dem 1.[NB]Januar 2020 vergeben. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung begründet diesen Schritt mit der Gleichwertigkeit zwischen der höher qualifizierten Berufsausbildung und dem Hochschulstudium. Für die Schweizer Absolventinnen und Absolventen der höheren Berufsbildung, welche weltweit zu den Besten gehören, hat das drastische Auswirkungen. Weil die Schweiz nach wie vor keine solche Titel kennt, schmälert das für viele Schweizer Berufsleute die Anstellungschancen im Ausland und je länger, je mehr auch im Inland. Gesucht werden nämlich immer häufiger Berufsleute mit einem Bachelor- oder einem Masterabschluss.

Am 13.[NB]Mai 2020 begründete der Bundesrat den Antrag auf Ablehnung einer ähnlich lautenden Motion damit, dass das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation bis im Sommer 2020 eine umfassende Auslegeordnung vornehmen würde und man diese Arbeiten doch abwarten solle. Passiert ist seither jedoch nichts, und die Schweizer Absolventinnen und Absolventen der höheren Berufsausbildung müssen sich im Ausland immer noch mit unbekannten englischen Titeln bewerben.

Die hochstehende Qualität unserer Berufsbildung kommt somit nach wie vor nicht zur Geltung. Das ist ein unhaltbarer Zustand, den es schnellstmöglich zu korrigieren gilt. Dennoch besteht nun mit der bald folgenden Vernehmlassung Hoffnung. Dort möchte der Bundesrat nun für höhere Ausbildungen in der Berufsbildung eine entsprechende Anpassung vornehmen. Eine solche Anpassung ist nicht nur eine Wertschätzung für viele gute und leistungsorientierte Berufsleute, welche bereit sind, etwas mehr zu leisten als andere, sondern sie hilft auch, die Benachteiligungen im Ausland zu reduzieren.

Ich bitte Sie als "Büezer" mit Fachhochschulabschluss wirklich, diese Motion anzunehmen, damit im Bereich der höheren Berufsbildung nicht nur Worte, sondern endlich auch Taten folgen.