Munz Martina · Nationalrat · 2024-04-17
Munz Martina · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion · 2024-04-17
Wortprotokoll
Mein Postulat verlangt, praxistaugliche Alternativen zur Isofluran-Betäubung von Ferkeln zu prüfen - es geht also schon wieder um Schweine. Mit der Immunokastration mit Improvac wird eine solche Alternative in Belgien bereits breit angewendet.
In der Schweiz hat sich die chirurgische Kastration der männlichen Ferkel mit Isofluran durchgesetzt. Die Methode ist technisch anspruchsvoll. Die sehr kostspieligen Geräte der ersten Generation für die Inhalationsnarkose sind jetzt etwa zwölf Jahre alt und erreichen damit das Ende ihrer Lebensdauer. Sie müssen in den nächsten Jahren ersetzt werden. Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Evaluation der Isofluran-Kastration, und deshalb kommt mein Postulat jetzt.
Die Isofluran-Kastration ist aus drei Gründen problematisch: [PAGE 753]
Erstens sind die Tierhalterinnen und Tierhalter einem gesundheitlichen Risiko ausgesetzt. Sie klagen über Kopfschmerzen, das ist problematisch. Die Räume müssten mit einem aktiven Luftabzug ausgerüstet sein. Das ist aber selten der Fall, da es viel zu teuer ist.
Der zweite Grund ist die ungenügende Betäubung der Ferkel. Bei rund 15 Prozent der Tiere, also bei jedem siebten Ferkel, ist die Schmerzausschaltung trotz fachgerechter Betäubung mangelhaft.
Drittens ist Isofluran ein Treibhausgas, das 500-mal stärker klimawirksam ist als CO2. Es zerstört zudem die Ozonschicht. Bei der Kastration werden jährlich rund zwei Tonnen Isofluran freigesetzt. Mit dem Ersatz von Isofluran könnte die Landwirtschaft einen namhaften Beitrag zur Klimagasreduktion leisten.
Als Alternative zur Ferkelkastration unter Schmerzausschaltung bietet sich die Immunokastration an. Sie ist für Ferkel die schonendste Methode: ohne chirurgischen Eingriff, ohne Anästhesie, ohne Wundheilung. Die Immunokastration wird von der Fleischbranche als "Impfung" abgelehnt, da angeblich die Akzeptanz bei den Konsumentinnen und Konsumenten fehle.
Der Bundesrat akzeptiert diese Behauptung der Fleischbranche. In seiner Antwort auf mein Postulat schreibt er: "Mit einem 'Impfstoff' wie dem im Postulat erwähnten Improvac existiert eine praxistaugliche, in vielen Ländern bereits angewendete und in der Schweiz zugelassene Methode. Diese reduziert die Produktion von Geschlechtshormonen und verhindert dadurch die Entwicklung des für den Fleischkonsum störenden 'Ebergeruchs'. Sie schneidet im Hinblick auf das Tierwohl und die Wirtschaftlichkeit am besten ab. Allerdings wird diese Methode vom Handel nicht akzeptiert, weil befürchtet wird, dass die Konsumentinnen und Konsumenten Fleisch von so behandelten Tieren nicht kaufen. Für die Kundschaft besteht jedoch keinerlei gesundheitliches Risiko."
Genau da setzt mein Postulat an. Da die Methode mit dem Wirkstoff Improvac sehr zuverlässig ist, keine Rückstände entstehen und auch keine Absetzfristen vor der Schlachtung einzuhalten sind, ist sie als Alternative zu prüfen. Es ist auch die günstigste Methode für den Tierhalter. In Belgien wird Improvac bereits im grossen Stil angewendet. Der Bund kann bei Annahme des Postulates eine Studie in Auftrag geben, die prüft, welche Informationen nötig sind, damit Konsumentinnen und Konsumenten die gesundheits- und tierschonende Methode akzeptieren.
Ich bitte Sie deshalb, mein Postulat anzunehmen.