Gutjahr Diana · Nationalrat · 2024-05-28
Gutjahr Diana · Nationalrat · Thurgau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2024-05-28
Wortprotokoll
Was möchte ich mit meinem Postulat erreichen? Der Bundesrat soll beauftragt werden, unter Einbindung der Sozialpartner, der Krankentaggeldversicherer und weiterer Beteiligter einen Bericht zu verfassen, welcher Transparenz zu Absenzen und Krankschreibungen am Arbeitsplatz sowie zur Versicherungsabdeckung und zur Prämienentwicklung im Bereich Krankentaggeld herstellt. Weiter sollen erarbeitete und geprüfte Massnahmen aufgezeigt werden, die Absenzen und Krankschreibungen am Arbeitsplatz verringern können.
Wir können es in den Tagesmedien lesen, wir hören es im Familienkreis und am Arbeitsplatz: Krankheitsbedingte Absenzen, insbesondere psychisch bedingte Ausfälle, haben in den letzten Jahren massiv zugenommen. Belastet sind nicht nur die Personen, die nicht arbeiten können, nein, auch deren "Arbeitsgspänli" leiden unter der Mehrbelastung. Auch der Arbeitgeber leidet, und dies nicht nur in finanzieller Hinsicht.
Politisch versucht man nun mit einer obligatorischen Krankentaggeldversicherung das Problem der Versicherungsfindung zu lösen. Die Unternehmen seien dadurch finanziell abgedeckt. Jedoch liegt es auf der Hand, dass längere Auszahlungen von Taggeldern am Schluss auch bei den Unternehmen zu höheren Prämien führen werden.
Wie sieht die aktuelle Situation aus? Vor Jahren warben die Versicherer mit dem Heilmittel Case-Management. Damit wollte man dem negativen Schadenverlauf die Stirn bieten. Tönt logisch. Geblieben ist davon leider nicht viel. Ich weiss auch nicht, weshalb.
Unternehmungen versuchen, ihre Möglichkeiten auszuschöpfen. Auch das ist nur bedingt möglich, da der Handlungs- und Informationsspielraum relativ klein ist. Die Unternehmen werden für vieles zur Verantwortung herangezogen. Die meisten Absenzen sind aber nicht einfach auf die Herausforderungen am Arbeitsplatz zurückzuführen, sondern vielschichtiger.
Nun kommt der springende Punkt, der in der Diskussion oft ausgeblendet wird: Es gibt neben den Mitarbeitenden, den Unternehmungen, den Versicherungen auch noch andere Beteiligte, unter anderem die Leistungserbringer im Gesundheitswesen, namentlich die Ärztinnen und Ärzte. Diese sind oft einem grossen Druck durch die Leistungsempfänger, also die Patientinnen und Patienten, ausgesetzt. Sie sind[NB]im[NB]Wiedereingliederungsprozess aber von zentraler Bedeutung.
Der Bericht soll deshalb ganzheitlich aufzeigen, welche Massnahmen zu prüfen sind, um alle Beteiligten auf eine gleiche Flughöhe zu bringen, um möglichst hohe Erfolgschancen für eine nachhaltige Wiedereingliederung zu bieten. Schaffen wir es nämlich nicht, mehr Transparenz und eine offenere Kommunikation unter allen Beteiligten zu erreichen, wird sich die Problematik in jeglicher Hinsicht verschärfen. Es ist unsere Aufgabe, die gesellschaftlichen Folgekosten abzuschätzen und aktiv zu werden.
Denn grundsätzlich gilt es, Folgendes festzuhalten: Gesund wird man nicht, wenn man zuhause sitzt, sondern dann, wenn man in eine reale Alltags- und Tagesstruktur eingebunden ist und dann vor allem das Gefühl erleben darf, dass man gebraucht wird. Eine Isolation hat noch selten geholfen, höchstens dem, der auf andere Weise davon profitiert.
Wir brauchen Lösungen, die an der Wurzel ansetzen. Reine Symptombekämpfungen lösen nur neue Schwierigkeiten aus. Dass der Bundesrat hier nicht Hand bieten will, nachdem die Entwicklung der Zahlen eine deutliche Sprache spricht, ist für mich nicht nachvollziehbar. Ich bitte deshalb um ein Umdenken. Und ich entschuldige mich, dass ich die Frau Bundesrätin am Anfang nicht begrüsst habe; das tue ich jetzt noch zum Schluss. Ich bitte um ihre Unterstützung und am Schluss auch um Ihre Unterstützung hier im Saal.