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Candan Hasan · Nationalrat · 2024-06-03

Candan Hasan · Nationalrat · Luzern · Sozialdemokratische Fraktion · 2024-06-03

Wortprotokoll

Unser Wirtschaftssystem kommt an seine Grenzen, denn es lebt auf Pump - auf Kosten von Menschen an anderen Orten dieser Erde, auf Kosten der jungen Menschen auf dieser Welt, auf Kosten zukünftiger Generationen, auf Kosten der Natur und auf Kosten von uns selbst. Dass dies nicht gutgehen kann, zeigt sich an den spürbaren Auswirkungen des Klimawandels und der Klimaerwärmung. So haben seit 1901 sowohl die Häufigkeit als auch die Intensität von Starkniederschlägen an über 90 Prozent der Messstationen zugenommen.

Die häufiger auftretenden extremen Wetterereignisse haben in der Schweiz und noch mehr an anderen Orten dieser Welt fatale Folgen für Mensch und Natur. Indien leidet gerade unter einer noch nie da gewesenen Hitzewelle. Die Temperaturen in Neu-Delhi sind auf 52,3 Grad Celsius gestiegen. Diese gravierenden Auswirkungen der Klimakrise sind für uns kaum vorstellbar, doch sie sind tagtägliche Realität für Millionen von Menschen. Der Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen berechnete, dass Katastrophen in den letzten dreissig Jahren zu Ernte- und Viehbestandsverlusten im Wert von 3,8 Trillionen US-Dollar führten.

Neben der Klimakrise gehört die Biodiversitätskrise zu den dringendsten Krisen unserer Zeit. Durch den Verlust des Lebensraums steht die Biodiversität stark unter Druck; sie nimmt rapide ab, der Biodiversitätsverlust ist allgegenwärtig. So sind im Kanton Schaffhausen im Zeitraum zwischen 1847 und 2000 von rund 1000 Pflanzenarten 154 verschwunden - eine Art pro Jahr. Die kürzlich veröffentlichte Rote Liste des Bundesamtes für Umwelt zeigt leider in dieselbe Richtung. Fast die Hälfte der über 600 Wildbienenarten in der Schweiz ist bedroht, und die Bestände nehmen ab. Mit dem Biodiversitätsverlust ist auch der Fortbestand unserer natürlichen Lebensgrundlagen und damit die Basis unseres Wirtschaftssystems in Gefahr.

So kann es nicht weitergehen. Wir müssen Verantwortung für unser Handeln tragen. Der globale Treibhausgas-Fussabdruck der Schweiz von 13 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr und pro Kopf ist mehr als doppelt so hoch wie der weltweite Durchschnitt von 6 Tonnen. Der von der planetaren Belastbarkeitsgrenze ableitbare Schwellenwert liegt unter 0,6 Tonnen. Was diese Statistik nicht abbildet, sind die CO2-Emissionen, die durch den Finanz- und Rohstoffumschlagplatz Schweiz sowie die finanziellen Investitionen ausgelöst werden, welche zu Schäden an Klima, Umwelt und Zivilbevölkerung führen können. Der ökologische Fussabdruck der Schweiz ist ebenso erheblich. Der Swiss Overshoot Day, also der Tag, an dem die Schweiz ihre jährlich zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen verbraucht hat, war am 27.[NB]Mai, also letzte Woche. Geht es so weiter wie bisher, brauchen wir bald drei Erden, wenn alle so leben wie die Schweiz.

Was zeigt uns dies? Unser Verhalten und unser Wirtschaftssystem haben erheblichen Anteil an der Klima- und Biodiversitätskrise, welche ebenso eine soziale Krise darstellt. Denn wir sind im Begriff, die Lebensgrundlagen von uns, von anderen Menschen und von zukünftigen Generationen zu zerstören. Unser auf grenzenloses Wachstum ausgelegtes Wirtschaftssystem hat ausgedient. Es braucht einen Richtungswechsel, und zwar jetzt. Die Politik, also wir, steht in der Verantwortung, die Grundlagen zu schaffen, um den Menschen in diesem Land zu ermöglichen, ein sozial und ökologisch verantwortungsvolles Leben zu führen, mit dem Bestreben, nicht auf Kosten der Natur und anderer Menschen zu leben.

Genau die Anwendung dieses Prinzips fordert die Umweltverantwortungs-Initiative, weshalb ich die Initiative unterstütze. Ich empfehle Ihnen, es mir gleichzutun, und schaue dabei insbesondere auf die bürgerliche Ratsseite. Sind nicht Sie[NB]es,[NB]welche[NB]das Prinzip der Schuldenbremse hochhalten? Müssten nicht Sie Ja zur Umweltverantwortungs-Initiative sagen und sich gegen das Leben auf Pump, auf Kosten anderer Menschen, zukünftiger Generationen und der Natur aussprechen?

Ich danke Ihnen für Ihre Unterstützung.