Weichelt Manuela · Nationalrat · 2024-06-03
Weichelt Manuela · Nationalrat · Zug · Grüne Fraktion · 2024-06-03
Wortprotokoll
Tausend Menschen: So viele starben im Jahr 2003 allein in der Schweiz an den Folgen der Hitze. Der Sommer 2003 war ein Hitzesommer, wie sich viele von Ihnen wahrscheinlich noch erinnern können. Solche Hitzesommer kommen bereits heute deutlich häufiger vor als noch vor zwanzig Jahren. Es wird in der Wissenschaft davon ausgegangen, dass in Zukunft sage und schreibe jeder zweite Sommer so heiss werden könnte wie jener im Jahr 2003.
In der Wissenschaft wird aber auch davon ausgegangen, dass wir das verhindern können. Die Klimakrise mit ihren desaströsen Folgen kann gebremst werden. Doch dazu müssen wir Entscheide fällen, müssen wir aktiv werden. Und genau hier kommt die Umweltverantwortungs-Initiative ins Spiel. Führen wir die planetaren Grenzen als Rahmen unserer Wirtschaft ein und beschränken wir dadurch die Temperaturerhöhung aufs Minimum, retten wir Tausende von Menschen. Unter den Folgen von Hitze leiden besonders ältere und bereits gesundheitlich angeschlagene Personen oder Menschen, die der Witterung durch ihren Beruf, beispielsweise auf dem Bau, besonders ausgesetzt sind. Auch Kleinkinder gehören zur Risikogruppe. Die besonders vulnerablen Personengruppen zu schützen, ist unsere Aufgabe.
Das Grossartige am Konzept der planetaren Grenzen ist, dass es neben der Klimaveränderung auch weiteren gesundheitsrelevanten Bereichen Beachtung schenkt. So führt eine hohe Luftschadstoffbelastung zu einem Anstieg an Atemwegserkrankungen. Eine starke Belastung unserer Böden mit Pestiziden belastet unter anderem unser Trinkwasser und erhöht dadurch beispielsweise die Wahrscheinlichkeit von Krebserkrankungen. Wie Sie vielleicht wissen, wurde in unseren Nachbarländern bei Bäuerinnen und Bauern, Gärtnerinnen und Gärtnern, Winzerinnen und Winzern Parkinson bereits als Berufserkrankung anerkannt. Das sind Berufsgruppen, die häufig mit Pestiziden arbeiten.
Sie sehen, die Umweltverantwortungs-Initiative kann noch viel mehr Gesundheitsfolgeschäden verhindern, als es auf den ersten Blick scheint. Was wollen wir mit einer Wirtschaft, wenn sie sich in einem Umfeld voller kranker Menschen befindet?
Kommen wir zu einem momentan heiss diskutierten Thema. Wenn Ihnen die Reduktion der Kosten unseres Gesundheitssystems tatsächlich solch ein grosses Anliegen ist, wie wir es aufgrund des momentanen, engagierten Abstimmungskampfes vermuten können, dann hoffe ich sehr, dass Sie hier und heute die Umweltverantwortungs-Initiative zur Annahme empfehlen. Denn die geringsten Kosten sind diejenigen, die gar nicht anfallen. Nehmen wir unsere Verantwortung als Parlamentarierinnen und Parlamentarier ernst. Mit Klimaschutz sparen wir nicht nur viel Geld, sondern retten auch Tausende von Menschenleben, und genau das ist hier unsere Aufgabe.
Besten Dank für die Annahme der Initiative oder notfalls die Annahme des Gegenvorschlages der Minderheit I (Trede).