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Regazzi Fabio · Ständerat · 2024-06-11

Regazzi Fabio · Ständerat · Tessin · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2024-06-11

Wortprotokoll

Bei Artikel 6 Absatz 4 vertrete ich die starke Minderheit der Kommission. Urheber dieser Bestimmung war unser Kollege Stefan Engler. Als Erstes möchte auch ich meine Interessenbindung offenlegen: Ich amte als Verwaltungsrat des HC Lugano. Ich kenne die Herausforderungen im Profisport sehr gut, und die exzessiv steigenden Lohnkosten sind eine der wichtigsten. Der Jahresdurchschnittslohn eines Hockeyspielers liegt, über die ganze Liga gesehen, bei über 300[NB]000 Franken. Wir sprechen hier von einem Jahresdurchschnittslohn von über 300[NB]000 Franken. Die Politik hat das Problem der exzessiv steigenden Lohnkosten im Sportbetrieb bereits vor Jahren erkannt. Auch deshalb hat sie während der Covid-19-Pandemie die A-Fonds-perdu-Beiträge an Lohnsenkungen gekoppelt.

Nun sind wir wieder in der Verantwortung. Es ist nicht die Aufgabe der Politik, Löhne festzulegen. Darin sind wir uns einig. 12 von 14 Clubs - namentlich Fribourg-Gottéron, Lausanne, Zug, Davos, Lugano, Ambri-Piotta, Biel, Genève-Servette, Tigers Langnau, Rapperswil-Jona Lakers, Kloten und Ajoie - unterstützen eine Bruttolohn-Obergrenze. Die Einzigen, die eine solche Lösung bekämpfen, sind der ZSC Lions und der [PAGE 545] SC Bern, nicht per Zufall die zwei reichsten Clubs der National League.

Nun soll die Politik eine gesetzliche Grundlage schaffen, damit die Clubs freiwillig, und ich unterstreiche das Wort "freiwillig", in Eigenregie und mit Mehrheitsentscheid eine adaptierbare Bruttolohn-Obergrenze mit einem Financial-Fairplay-System einführen können, mit dem Hauptziel, einen moderaten Finanzausgleich zwischen Clubs aus wirtschaftlich stärkeren und Clubs aus wirtschaftlich schwächeren Regionen zu schaffen. Die explizite kartellrechtliche Ausnahmebestimmung im Sinne des Minderheitsantrages würde den Clubs eine solche freiwillige Vereinbarung ermöglichen. Bieten wir den Clubs dafür die Hand; es gibt zahlreiche Gründe, die dafür sprechen. In der WAK-S haben uns die Liga- und Clubvertreter die Vorteile einer Bruttolohn-Obergrenze stringent und nachvollziehbar aufgezeigt. Gerne möchte ich die wichtigsten aus Sicht der Minderheit unterstreichen.

Concernant l'introduction d'un plafond salarial sans danger pour les joueurs, premièrement, seuls les salaires de plusieurs centaines de milliers de francs suisses sont concernés. Deuxièmement, la limite du salaire brut volontairement établie ne serait pas rigide et pourrait être ajustée par décision majoritaire des clubs, qui assurent également les intérêts des joueurs. Troisièmement, le système de fair-play financier est également dans l'intérêt des travailleurs-joueurs, car il réduit le risque que les clubs rencontrent des difficultés financières ou fassent faillite.

Hockeyclubs schaffen nicht nur Arbeitsplätze, sie wirken oftmals auch identifikationsstiftend für eine Region oder gar einen ganzen Kanton. Sie können ihre wichtigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Funktionen, zum Beispiel Investitionen in den Nachwuchs oder den Frauensport, nur nachhaltig gewährleisten, wenn sie auf einer gesunden finanziellen Basis stehen. Ich bin, wie es hier viele sind, ein Verfechter einer liberalen Marktordnung. Im Profi-Hockeysport greifen aber die Prinzipien der freiheitlichen marktwirtschaftlichen Ordnung, wie sie durch das Kartellgesetz gefördert werden sollen, nicht. In diesem Zusammenhang erlaube ich mir, vier Elemente hervorzuheben:

1.[NB]Die Clubs der National League sind sportliche Konkurrenten. Sie sind wirtschaftlich aber nur in einer sportlich interessanten, ausgeglichenen und spannenden Liga überlebensfähig. Dieses Bewusstsein lässt die Clubs gut und partnerschaftlich zusammenarbeiten. So fliessen beispielsweise die TV-Einnahmen gleichteilig an alle Clubs und sind nicht, wie anderswo, an Zuschaueraufkommen oder Vermarktungswerte gekoppelt.

2.[NB]Der Markt eines jeden Clubs ist lokal begrenzt. Dies betrifft nicht nur die Zuschauenden, sondern auch das Potenzial an möglichen Sponsoren und Gönnern. So können Fans, Sponsoren und Gönner bei aus ihrer Sicht unzureichender Leistung nicht einfach ohne Weiteres einen anderen Club wählen, wie das beispielsweise bei einem normalen Geschäft möglich wäre.

3.[NB]Der Sport lebt von Emotionen und ist gewinnträchtig. Hockeyclubs sind daher auf das Vertrauen zahlreicher Sponsoren, Aktionäre oder unterstützender Quellen angewiesen, die ohne jegliche Hoffnung auf Dividendenauszahlung agieren.

4.[NB]Alle 14 National-League-Clubs investieren seit jeher sehr viel in die Nachwuchsausbildung und in den letzten Jahren auch zunehmend in die Entwicklung des Fraueneishockeys. Diese beiden Bereiche sind von zentraler Bedeutung und politisch gewünscht, aber in der gesamten Schweiz defizitär.

Die einzigartigen Marktmechanismen einer professionellen Sportliga, die zahlreichen positiven Anwendungsbeispiele aus dem Ausland bezüglich Financial Fairplay sowie die fehlenden Alternativen rechtfertigen aus unserer Sicht[NB]die[NB]Einführung[NB]eines[NB]freiwilligen Financial-Fairplay-Systems. Es gibt kein milderes Mittel als eine gesetzliche Verankerung im Kartellgesetz, um die angestrebten Ziele zu erreichen.

Ich komme zum Schluss. Eine überwältigende Mehrheit der Clubs, 12 von 14, befürwortet die Einführung des Financial-Fairplay-Systems. Es handelt sich nicht um einen staatlichen Eingriff per se; mit der neuen Bestimmung von[NB]Artikel[NB]6[NB]Absatz 4 wird einzig der gesetzliche Rahmen für diese freiwilligen Massnahmen geschaffen. Aus unserer Sicht ist dies das einzige ersichtliche und wirksame Mittel, die angestrebten Ziele zu erreichen. Geben wir mit dieser gesetzlichen Grundlage auch den Clubs die Möglichkeit, sich selbst zu organisieren.

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit und bitte Sie, bei[NB]Artikel 6 Absatz 4 dem Antrag der starken Minderheit der WAK-S zuzustimmen.