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Schlatter Marionna · Nationalrat · 2024-06-11

Schlatter Marionna · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2024-06-11

Wortprotokoll

Im Sachplan Verkehr des Bundes steht: Die Verlagerung zugunsten umweltschonender sowie flächensparender Verkehrsträger und -mittel wie des öffentlichen Verkehrs wird für den Personenverkehr konsequent gefördert. Nochmals in einfacheren Worten: Es braucht mehr ÖV-Kilometer und weniger Autokilometer, weil die Klimaziele sonst nicht erreicht werden können. Es braucht mehr ÖV- statt Autokilometer, weil sie platzsparender und umweltfreundlicher sind.

Was in den letzten Jahren aber passiert ist, ist, dass die Preise für den öffentlichen Verkehr massiv angestiegen sind und das Autofahren im Verhältnis billiger geworden ist. Ein Blick auf die Preisentwicklung seit 1990, die der Preisüberwacher publiziert hat, zeigt: Das Autofahren ist heute fast 4 Prozent günstiger als vor fünfzehn Jahren. Die ÖV-Preise sind aber im gleichen Zeitraum um 18 Prozent gestiegen. Das erklärt zu einem grossen Teil, warum die vom Bund erwünschte Verlagerung vom Privatauto auf den öffentlichen Verkehr eben nicht gelingt. Dass das Autofahren günstiger wird, der öffentliche Verkehr aber immer teurer, ist ein zu gewichtiger Fehlanreiz, den es zu korrigieren gilt. Auch die Elektrifizierung des Fahrzeugparks wird die Kosten für das Autofahren nochmals senken. Eine Möglichkeit, diese Fehlentwicklung zu korrigieren, wäre eine Anpassung bei den ÖV-Preisen.

Die Zunahme des Autoverkehrs ist besonders im Freizeitverkehr zu beobachten. Ich möchte Ihnen gerne ein Beispiel vorrechnen. Ich wohne im Zürcher Oberland. Eine vierköpfige Familie möchte einen Abend in Zürich verbringen. Die Kosten für den Zug, nämlich für zwei Zugtickets ohne Halbtax und zwei halbe Kindertickets: Fr. 93.60. Ja natürlich, das [PAGE 1174] kann man günstiger haben. Mit Halbtax und Juniorkarte würde die Reise für die ganze Familie nur 27 Franken kosten. Die Offset-Kosten aber wären 440 Franken pro Jahr für zwei Halbtaxabos und zwei Juniorkarten. Nochmals: Fr. 93.60 für eine Familie für zweimal zwanzig Minuten Zugfahrt. Rechnen wir die Autokosten: Bei einem Kilometerpreis von 75 Rappen wären die Kosten für dieselbe Strecke, für die ganze Autofahrt, genau 45 Franken, also die Hälfte.

Sie sehen, es ist ganz einfach: Um konkurrenzfähig zu sein, müssten im öffentlichen Verkehr generell Halbtaxpreise gelten. Gerade für Menschen, die nur gelegentlich den öffentlichen Verkehr benutzen, erweist sich das Halbtax als eine Einstiegshürde mit massiver, starker negativer Lenkungswirkung. Ein Halbtax lohnt sich nur bei einer einigermassen regelmässigen Nutzung des öffentlichen Verkehrs.

Darum verlangt meine Motion die Anpassung des Halbtaxpreises. Ich danke Ihnen für die Unterstützung.