Munz Martina · Nationalrat · 2024-06-12
Munz Martina · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion · 2024-06-12
Wortprotokoll
In der Schweiz sind Verluste von 2,8 Millionen Tonnen an Lebensmitteln vermeidbar. Der Verlust entspricht dem Ertrag von zwei Dritteln der Schweizer Ackerfläche und knapp der Hälfte des Weidelandes. Die Kosten der Lebensmittelverschwendung machen in der Schweiz über 600 Franken pro Person und Jahr aus. Das sind eindrückliche Zahlen. Gegen Food Waste können wir aber einfache Massnahmen ergreifen, welche sogar die Lebensmittelindustrie begrüsst. Die konsequente Einführung des[NB]Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) bei gleichzeitiger Aufklärung der Bevölkerung wäre ein wirksames Mittel gegen Food Waste.
Der Bundesrat hat Leitfäden zur Reduktion von Lebensmittelverlusten in Auftrag gegeben. Die wichtigste Massnahme ist, dass statt des Verbrauchsdatums konsequent das MHD und das MHD plus auf die Verpackung aufgedruckt werden. Das MHD plus gibt an, wie viele Tage ein korrekt gelagertes Lebensmittel über das jeweilige Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus ohne gesundheitliche Risiken konsumiert werden kann. Lebensmittel werden oft aufgrund ihres Verbrauchsdatums fortgeworfen, obwohl sie für den Konsum noch geeignet wären. Die Bevölkerung weiss nicht, dass die meisten Lebensmittel ohne gesundheitliche Folgen weit über das Verbrauchsdatum konsumiert werden können. Für Privathaushalte ist die Angabe des MHD plus für die Vermeidung von Lebensmittelverlusten entscheidend.
Die einflussreiche Nahrungsmittelbusiness-Branche muss es wissen. Die Foederation der Schweizerischen Nahrungsmittel-Industrien (Fial) ist der Zusammenschluss der Branchenverbände der Schweizer Nahrungsmittelindustrie. Hier sind Firmen wie Nestlé, Emmi und Unilever angeschlossen. Die Fial unterstützt diese Motion. Sie schreibt selbst, dass sie sich schon seit längerer Zeit vertieft mit dem Thema der einheitlichen Datierungsart befasse und grosses Interesse daran habe, insbesondere das MHD einheitlich anzuwenden, um unnötige Lebensmittelverluste zu vermeiden. Die[NB]Fial,[NB]ihre[NB]Branchenverbände und die angeschlossenen Mitgliedfirmen unterstützen die einheitliche Deklarierung vergleichbarer Lebensmittel mit derselben Datierungsart. Wann immer möglich soll hierbei dem MHD der Vorzug gegeben werden.
Der Bundesrat setzt auf Freiwilligkeit, die Branche selbst wünscht aber Verbindlichkeit. Die Motion ist kein Angriff. Sie unterstützt die aktuellen Arbeitsgruppen im Rahmen der branchenübergreifenden Vereinbarung. Die Motion setzt günstige und effektivste Sensibilisierungsmassnahmen zur Vermeidung von Food Waste im Haushalt um und wird dabei von der Nahrungsmittelindustrie unterstützt.
Ich bitte Sie deshalb, meine Motion auch zu unterstützen.