Gutzwiller Felix · Nationalrat · 2003-06-05
Gutzwiller Felix · Nationalrat · Zürich · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2003-06-05
Wortprotokoll
Ich bitte Sie, diese Motion nicht zu akzeptieren. Ich muss aber vorausschicken, dass ich als Mitglied einer der betroffenen medizinischen Fakultäten hier meinen eigenen Gesichtspunkt habe.
Sicher kann man Herrn Gysin nicht absprechen, dass Koordination das Thema der Zeit ist, dass im Bereich der Ausbildung, der Forschung, aber auch der Dienstleistung weitere Anstrengungen nötig sind. Man muss aber umgekehrt festhalten, dass in allen diesen Bereichen zurzeit sehr viel unterwegs ist und dass die Schaffung einer neuen Superstruktur, wie der Begriff "Medizinische Hochschule Schweiz" impliziert, hier nicht nur nicht weiterhilft, sondern die Sache verkomplizieren würde.
Ich gebe Ihnen drei Beispiele:
1. Im Bereich der Ausbildungskoordination läuft ein intensiver Prozess der Studienreform, der im neuen Medizinalberufegesetz, das uns demnächst vorliegen wird, zusammengefasst wird. Dort geht es um standardisierte Ausbildungsziele, es geht um Lehrzielkataloge, es geht um Akkreditierungen von aussen. Wir haben ja in der Schweiz ein neues Akkreditierungsorgan geschaffen, das gerade die hier gewünschte und von mir mitunterstützte Qualitätsförderung beinhalten soll. Diese Instrumente gibt es, sie werden demnächst im Rahmen der Beratungen zu diesem Medizinalberufegesetz noch detailliert diskutiert werden; sie sind da, sie werden demnächst umgesetzt. Wenn wir an die Akkreditierung und an die Studienreform denken, dann ist hier vieles schon im Gange.
2. Die Koordination unter den medizinischen Fakultäten und den beteiligten Hochschuleinrichtungen, aber auch den Einrichtungen des Bundes, findet statt. Herr Kollege Gysin hat es erwähnt: Es gibt die Universitätskonferenz, es gibt die Rektorenkonferenz, es gibt ein neues Koordinationsgremium der Universitätsspitäler, zusammen mit den Dekanen. Die Schaffung einer zusätzlichen Superstruktur - ich benütze den Begriff nochmals - würde die Sache noch weiter komplizieren, erschweren, weniger transparent machen und sicher dem gesetzten Ziel nicht näher kommen; davon bin ich wirklich überzeugt. Doppelspurigkeiten wären unvermeidbar.
3. Bei einem dritten Bereich, der Koordination auf der Versorgungsseite, der hier neben der Ausbildung, neben den Hochschulkoordinationsfragen und der Forschung angesprochen ist, muss man darauf hinweisen, dass unter anderem im Krankenversicherungsgesetz - das uns in der dritten Sessionswoche beschäftigen wird - mit dem neuen Artikel 39 Absatz 1 Buchstabe f zur Planung der hoch spezialisierten Medizin ein Vorschlag gemacht wird, der auch im Versorgungsbereich eine bessere Koordination einbringen würde. Man kann also klar sagen, dass die zusätzliche Schaffung der hier vorgeschlagenen Struktur "Medizinische Hochschule Schweiz" nicht nur nichts bringen würde, sondern Duplizitäten und Unklarheiten beinhalten würde.
Darf ich noch einen kurzen Ausblick tun? Für mich ist klar, dass dieser Prozess in Bezug auf die Frage, was die zukünftige Struktur in den medizinischen Fakultäten in der Schweiz sein soll, längerfristig intensiv weitergehen muss. Und darin sehe ich durchaus die Legitimation für das Thema, das Kollege Gysin Remo aufgegriffen hat, und auch für die Unterschriften der vielen Kollegen aus den verschiedenen Fraktionen. Ich lasse mich da gerne auch von eigenen Kollegen attackieren, aber ich für mich bin überzeugt, dass wir in 5, 7 oder 10 Jahren nicht mehr fünf medizinische Fakultäten haben werden, sondern vielleicht noch drei, und dass sich dann auch ganz neue Trägerfigurationen ergeben werden, etwa im Bereich der Zusammenschlüsse von kantonalen Hochschulen, wie das auch schon angedacht oder - wie etwa mit der neuen, gemeinsam von Zürich und Bern getragenen Veterinärmedizinischen Fakultät - schon realisiert worden ist. Ähnliches wird sich auch in der Medizin ergeben. Diese Prozesse sollten wir aber nicht präjudizieren.
Insgesamt liegen dieser Motion also durchaus richtige Fragen und lautere Motivationen zugrunde, aber es ist klar, dass die vorgeschlagene Lösung, insbesondere diese Superstruktur "Medizinische Hochschule Schweiz", den laufenden Restrukturierungs- und Koordinationsprozessen entgegenläuft, sie erschweren würde.
Ich bitte Sie deshalb, die Motion abzulehnen.