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Graf Maya · Ständerat · 2024-09-26

Graf Maya · Ständerat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2024-09-26

Wortprotokoll

Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, die Sie noch hier sind und zuhören - was mich sehr freut, aber auch ein bisschen unter Druck setzt -, Sie haben gesehen: Meine Interpellation trägt den Titel "Gesundheitskompetenz stärken und Krankheitskosten senken durch die Förderung der gemeinschaftlichen Selbsthilfe". Ich denke, dieses Thema ist so wichtig wie nie, gerade am heutigen Tag, wo, wir haben es verschiedentlich gehört, die Frau Bundesrätin am Nachmittag verkünden muss, dass der Prämienanstieg sich wie in den letzten Jahren fortsetzt. Man spricht von einem durchschnittlich fünfprozentigen Anstieg der Krankenkassenprämien, und das ist doch für viele und für immer mehr Menschen und Haushalte eine fast unzumutbare Prämienlast, die jedes Jahr noch höher wird.

In Anbetracht dessen sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass die Selbsthilfe auch auf Bundesebene gestärkt wird und hier eben endlich auch gesetzlich verankert wird. Die Stiftung Selbsthilfe Schweiz zählt heute etwa 200 Selbsthilfeorganisationen und rund 2800 verschiedene Selbsthilfeangebote zu über 300 gesundheitlichen und sozialen Themen. Es werden zudem viele andere Organisationen miteinander koordiniert. Man kann sagen, die Angebote ergänzen [PAGE 978] und entlasten die medizinische Therapie und das Behandlungsangebot und fördern die Lebensqualität der Betroffenen durch Selbstmanagementkompetenz und Patientenzentriertheit. Sie tragen also zur Kostendämpfung im Schweizer Gesundheitswesen bei, und sie sollten deshalb ebenfalls auf Bundesebene gestärkt werden.

Im Herbst 2022 hat das Bundesamt für Gesundheit eine Literaturstudie durchgeführt und darauf hingewiesen, dass die Förderung der Selbstmanagementkompetenz und der Selbsthilfe eine Entlastung des Sozial- und Gesundheitswesens bieten kann und eben zur Kosteneinsparung im Gesundheitswesen beitragen kann. Das ist unglaublich wichtig, wenn wir davon ausgehen, dass chronische Krankheiten immer mehr zunehmen, dass es lang andauernde Erkrankungen und Behandlungen gibt und dass eben der Austausch unter den Betroffenen und eine kompetente Begleitung dieses Austausches die Selbstkompetenzen stärken und den besseren Umgang mit der Krankheitsbewältigung fördern. Trotz all dieser wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungen und Tatsachen ist es leider so, dass bis heute eine gesetzliche Verankerung der Selbsthilfe in der Schweiz, wie sie beispielsweise in Deutschland und in Österreich bereits seit Jahren erfolgreich umgesetzt ist, fehlt.

Der Bundesrat anerkennt zwar in seiner Antwort, dass die gemeinschaftliche Selbsthilfe eine wichtige Bedeutung für die Begleitung von Menschen mit lang andauernden Erkrankungen hat, und er sagt auch, dass er die Stärkung der Selbstmanagementkompetenzen wichtig findet. Aber leider sind die Antworten auf meine Fragen eher enttäuschend, weil nicht darauf eingegangen wird, wie mitgeholfen werden könnte, das Angebot von Selbsthilfe Schweiz zu stärken. Denn die finanziellen Mittel für die Bewältigung der vielen, vielen Anfragen, deren Zahl in den letzten Jahren auch zugenommen hat, sind zunehmend ungenügend.

Die Finanzierung und die institutionelle Unterstützung der Selbsthilfebewegung, dieser eben zentralen 22 regionalen Selbsthilfezentren, übernehmen alle Kantone ausser Genf, Fribourg und Wallis. Sie tun dies in unterschiedlichem Umfang, und sie übernehmen das. Es ist auch richtig, dass es vor allem in ihrer Kompetenz liegt. Aber in Anbetracht der steigenden Bedeutung von und der Nachfrage nach Selbsthilfeangeboten reicht die finanzielle Unterstützung von Selbsthilfe Schweiz durch den Bund nicht, auch weil sie zunehmend eben an Bedeutung für das Schweizer Gesundheitswesen gewinnen. Vor allem können die Kantone auch eine längerfristige Finanzierung und Optimierung der Selbsthilfe nicht mehr sicherstellen.

Ich komme zum Schluss und möchte Sie, Frau Bundesrätin, noch einmal fragen, wie Sie die Zukunft sehen: Sehen Sie eine Möglichkeit dazu, dass es eine zusätzliche nationale Unterstützung für die Aufgaben der Dachorganisation Selbsthilfe Schweiz gibt, die nur national sein kann, nämlich für Qualitätssicherung, Koordination und Zusammenarbeit, Entwicklung nationaler Projekte, Ausbildung des Personals, Digitalisierung - ein ganz wichtiges Anliegen - und auch zum Beispiel für eine nationale Datenbank? Ich bin überzeugt, dass mit der zusätzlichen Stärkung dieser gemeinschaftlichen Selbsthilfe durch die Förderung auch auf nationaler Ebene ein wichtiger Beitrag zur Gesundheit unserer Bevölkerung, aber auch mittel- und längerfristig zur Senkung unserer Gesundheitskosten geleistet werden kann.