Dittli Josef · Ständerat · 2025-03-06
Dittli Josef · Ständerat · Uri · FDP-Liberale Fraktion · 2025-03-06
Wortprotokoll
Ich habe bezüglich dieses Geschäfts eine ganz spezielle Interessenbindung. Denn ich bin selbst leicht hörgeschädigt und trage seit fünfzehn Jahren ein Hörgerät; ich lebe sehr gut damit. Aus eigener Betroffenheit kann ich es aber abschätzen, dass Schwerhörigkeit belastend sein kann, sowohl persönlich als auch finanziell. Deshalb ist es mir ein Anliegen, auf die enormen Kosten für die Gesellschaft und die Betroffenen aufmerksam zu machen.
Schwerhörigkeit ist heute die zweitteuerste Krankheit in der Schweiz. Nur Rückenschmerzen kosten mehr. Die WHO prognostiziert, dass bis 2050 jede vierte Person betroffen sein wird; derzeit ist es jede siebte. Besonders alarmierend ist, dass die Mehrheit der Betroffenen kein Hörgerät trägt. Schon jetzt verursacht Schwerhörigkeit gesellschaftliche Folgekosten von rund 7 Milliarden Franken jährlich. Wenn wir nichts dagegen unternehmen, werden es noch mehr.
Ein weiterer Anlass für meine Interpellation war der Bericht des Bundesrates in Erfüllung des Postulates 19.4380 der SGK-S, "Menschen mit Behinderung. Zugang zu modernen Hilfsmitteln sicherstellen", vom 26.[NB]Juni 2024. Das Ziel dieses Postulates war es, Versicherten einen besseren Zugang zu technologischen Hilfsmitteln zu ermöglichen, ohne dabei unnötige Mehrkosten zu verursachen. Der Bericht thematisiert die enorm gestiegenen Zuzahlungen der Betroffenen. Doch wurde für Hörgeräte nur eine minimale Anpassung des bestehenden Systems vorgeschlagen. Der Postulatsbericht sieht vor allem keine Massnahmen vor, wie man die Versorgungsquote erhöhen kann. Eine erst kürzlich veröffentlichte Studie von Pro Audito zeigt sogar, dass die Versorgungsquote abgenommen hat.
Diese hohen gesellschaftlichen Kosten aufgrund von Schwerhörigkeit sind durch Prävention, Früherkennung, wirksame Behandlungen und eine bessere Versorgung mit Hörgeräten beeinflussbar. Verschiedene Fachstellen sind sich einig, dass eine gute Hörversorgung entscheidend ist. Doch der Zugang zu Hörgeräten muss einfacher und bezahlbarer werden. Sonst sparen wir an einer Stelle und verursachen gleichzeitig viel höhere Kosten an einer anderen Stelle. Das betrifft nicht nur Betroffene, sondern auch das Gesundheitswesen, Versicherer und Hausärzte.
Ich möchte an dieser Stelle ganz kurz auf die Antwort des Bundesrates eingehen. Ich danke dem Bundesrat natürlich auch für die Ausführungen. Die Antworten des Bundesrates sind so formuliert, dass der Bundesrat dem Anliegen zwar viel Verständnis entgegenbringt, aber der Meinung ist, eigentlich solle am heutigen System nichts geändert werden. Es ist vieles richtig, also nicht alles falsch, was der Bundesrat schreibt. Er blendet aber die Problematik und die höheren Kosten einer zu späten Versorgung oder gar Nichtversorgung mit Hörgeräten weitgehend aus.
Schwerhörigkeit betrifft viele Bereiche, von der Gesundheit über die soziale Teilhabe bis hin zu den wirtschaftlichen Folgekosten. Deshalb rufe ich den Bundesrat dazu auf, das Thema umfassend zu betrachten und alle relevanten Akteure, darunter das Bundesamt für Gesundheit, das Bundesamt für Sozialversucherungen, Ärzte, die Verbände von Betroffenen und die Krankenversicherer, an einen Tisch zu bringen. Dabei soll auch diskutiert werden, ob die Anspruchsschwelle für Menschen im AHV-Alter, die heute bei 35 Prozent des Hörverlusts liegt, nicht etwas gesenkt werden müsste.
Nur gemeinsam können wir eine nachhaltige Lösung finden, die den Betroffenen hilft und gleichzeitig einen Anstieg der Kosten für die Gesellschaft verhindert. Ich danke Ihnen und dem Bundesrat für die Entgegennahme dieser Anfrage.