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Graf Maya · Ständerat · 2025-03-06

Graf Maya · Ständerat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2025-03-06

Wortprotokoll

Danke, dass wir dieses, wie ich finde, sehr wichtige Thema noch miteinander besprechen können und dass wir auch der Frau Bundesrätin noch einige Rückfragen stellen können.

Ja, die Stellungnahme des Bundesrates zu meiner Interpellation "Daten zu Opioidabgabe und Opioidverbrauch in der Schweiz zur Epidemieprävention" lässt mich etwas ratlos zurück, kommt doch der Bundesrat zum Schluss, dass es eigentlich mehr oder weniger keinen Handlungsbedarf gebe und dass auch die Daten, was die Verwendung dieser Opioide in der Schweiz betrifft, nicht nach oben wiesen. Die Forschungsdaten, die Anlass für meine Interpellation gaben, weisen aber nicht, wie der Bundesrat angibt, auf eine stabile Lage bei Opioidabgaben und -gebrauch hin, sondern zeigen vielmehr auf, dass Vergiftungsfälle und Verschreibungen von Opioiden in der Schweiz in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen haben.

Studien des Kantonsspitals Baden, des Inselspitals sowie eine ETHZ-Studie von 2022 zeigen, dass sich das Problem, besonders bei starken Opioiden wie Oxycodon, verschärft. Zwischen 2000 und 2019 nahm die Zahl der Notfallanrufe wegen Opioidvergiftungen bei Tox Info Suisse um 177 Prozent zu. Gleichzeitig haben sich in dieser Zeit die Opioidverkaufszahlen von 14[NB]300 von Apotheken, Ärztinnen und Ärzten verkauften Einheiten pro 100 Einwohnerinnen und Einwohner auf 27[NB]400 fast verdoppelt.

Interessanterweise bezieht sich Swissmedic auf dieselben Forschungsergebnisse, die Anlass für meine Interpellation waren. So hat Swissmedic am 3.[NB]April 2024 in einer sogenannten Black-Box-Warnung für alle Opioide bezüglich ihres Schadenspotenzials hervorgehoben: "Die Verschreibungen von Opioiden in der Schweiz und auch die Anrufe bei Tox Info Suisse aufgrund von Opioidintoxikationen haben in den letzten zwanzig Jahren stark zugenommen. Aus diesem Grund sollen Fachpersonen und Patienten mit einer 'Boxed Warning' in der Arzneimittelinformation auf die wichtigsten Risiken in Zusammenhang mit [achtzehn] Opioiden aufmerksam gemacht werden." Hier widerspricht also die Stellungnahme des Bundesrates zu meiner Interpellation sowohl der Bewertung als auch dem Vorgehen und den Empfehlungen seiner ihm unterstellten Behörde.

Wie der Bundesrat zu Recht aufführt, sollten opioidhaltige Medikamente vor allem zentraler Bestandteil in der Behandlung von schweren Erkrankungen wie Krebs sein. Hier zeigt aber eine neuere Arbeit von Frau Dr.[NB]Maria Wertli - sie ist Forscherin und Chefärztin innere Medizin des Kantonsspitals Baden -, dass der Konsum von starken Opioiden bei kleinen Problemen im Bewegungsapparat erheblich zunimmt und dass der grösste Teil des Opioidkonsums eben gerade nicht auf die Linderung von Schmerzen aufgrund von Krebs zurückzuführen ist. Mit anderen Worten: Die Realität folgt nicht den Verschreibungsleitlinien von Swissmedic und nicht[NB]dem[NB]vom Bundesrat zitierten Projekt der FMH; es heisst "PEPra - Prävention mit Evidenz in der Praxis".

Was möchte ich Ihnen damit sagen? Ich möchte damit davor warnen, dass wir hier auf eine Epidemie zusteuern. Die ist zwar noch lange nicht mit den Suchtepidemien der Neunzigerjahre wie beim Heroin zu vergleichen; ich möchte nicht so weit gehen. Aber bei verschreibungspflichtigen Opioiden entsteht infolge der Schmerzbehandlung - und diese muss meistens lange erfolgen - ein Problem. Es kommt zu einer schleichenden Abhängigkeit von Medikamenten. Diese Medikamente können durch Fachkräfte zunehmend leichter und sachfremder verschrieben werden.

Warum beschäftigt mich das so? Vielleicht haben Sie das auch schon gelesen, und es beschäftigt Sie ebenso. Es besteht das Problem, dass hier die Praxis nicht nur von den Leitlinien abweicht, die der Bund und die Berufsorganisationen vorsehen; nein, die Fentanyl-Krise in den USA und jetzt in ganz Nordamerika hat eben genau so begonnen. Fentanyl ist eines dieser Opioide. Es macht ganz schnell sehr stark abhängig und ist jetzt eine ganz schlimme Droge, die vor allem in Nordamerika wirklich zu einer Krise führt. Diese Menschen hatten ein intaktes Leben und gerieten in eine verhängnisvolle Abhängigkeit auf Rezept, wie man das nennen könnte.

Wir sollten also die aktuelle Krise in den USA nicht zum Anlass nehmen, uns hier in falscher Sicherheit zu wiegen. Ich möchte noch darauf hinweisen, dass es am 15.[NB]Februar dieses Jahres, also ganz kürzlich, eine Schlagzeile in den Medien gab, die hiess: "Die Stadt Zürich bereitet sich auf Fentanyl vor". Wann die Droge ankommt, ist schwer zu sagen, aber man rechnet damit.

Ich finde, dass sich auch der Bund hier vorbereiten sollte, mit Prävention, mit sehr strengen Regeln bei der Abgabe von Opioiden. Vor allem sollten wir in eine Datengrundlage investieren, die es heute meiner Meinung nach nicht gibt. Dafür sollte man Fachleute heranziehen, die das Bundesamt für Gesundheit unterstützen können. Wir müssen hier wirklich rechtzeitig eine gezielte Prävention in Gang setzen.