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Badertscher Christine · Nationalrat · 2025-03-19

Badertscher Christine · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2025-03-19

Wortprotokoll

"Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, frage, was du für dein Land tun kannst." Dieses Zitat des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy fasst das Anliegen der Service-citoyen-Initiative perfekt zusammen. Die Initiative will einen allgemeinen Bürgerdienst einführen und somit mehr Menschen dazu bringen, einen Dienst für die Allgemeinheit zu leisten. Die Initiative [PAGE 430] hat viel Gegenwind: Die einen sehen eine Gefahr für die Armee, da sich allenfalls mehr Dienstpflichtige für einen zivilen Dienst entscheiden, den anderen kostet die Initiative zu viel, da mehr Ersatzabgabe bezahlt werden muss, und wiederum andere sprechen von Zwangsarbeit.

Ja, die Initiative würde bei ihrer Umsetzung vor grossen Herausforderungen stehen. Diese will ich als Befürworterin nicht kleinreden, doch ich möchte ein etwas grösseres Bild zeichnen und darlegen, um was es mir persönlich bei dieser Initiative geht, nämlich um das Milizsystem und darum, dass möglichst viele Menschen einen Dienst für die Allgemeinheit, für den Staat, aber auch jeder und jede für sich selber leisten.

Dazu ein kurzer Blick zurück: Ich durfte relativ jung im Gemeinderat, der Exekutive meiner Gemeinde, tätig sein. Ich durfte als Sicherheitschefin der Feuerwehr vorstehen und war von Anfang an von dieser Institution begeistert, weniger von den grossen Feuerwehrautos als vielmehr vom guten Teamgeist, der in der Feuerwehr herrschte, und davon, dass diese Männer - Frauen gab es damals leider noch keine - ihre Freizeit in den Dienst der Allgemeinheit investierten. So[NB]begann[NB]ich[NB]mich[NB]für das Milizsystem zu interessieren und lernte damit auch die Initiantinnen der Service-citoyen-Initiative kennen.

Ich war von Anfang an begeistert, denn ich bin der Überzeugung, dass wir nicht nur Bürgerrechte, sondern auch Bürgerpflichten haben. Damit die Schweiz und insbesondere die Schweizer Demokratie weiterhin gut funktionieren, braucht es Menschen, die sich für die Allgemeinheit einsetzen. Doch wird es heute mit der wachsenden Individualisierung, mit der grossen Bedeutung der Freizeit nicht einfacher, Menschen dazu zu motivieren, sich freiwillig im Gemeinderat oder in der Feuerwehr zu engagieren.

Was hat dieses bekannte Phänomen mit der Initiative für einen Bürgerdienst zu tun? Ich habe die vielleicht etwas naive Hoffnung, dass der allgemeine Bürgerdienst den jungen Menschen das Prinzip des Milizsystems wieder näherbringen kann. Ich bin überzeugt, dass Menschen, die einmal einen Bürgerdienst geleistet haben, sich auch später im Leben freiwillig engagieren werden.

Der Bürgerdienst bietet die Gelegenheit, einmal etwas ganz anderes zu tun und Menschen aus anderen Lebensrealitäten zu begegnen. Dies stärkt das gegenseitige Verständnis, dies ist zentral für den nationalen Zusammenhalt und für die Überwindung der grossen und kleinen Gräben in unserer Gesellschaft.

Die Service-citoyen-Initiative stärkt somit den sozialen Zusammenhalt, denn die Herausforderungen unserer Zeit - von Naturkatastrophen, Konflikten bis hin zu Ernährungs- und Energieknappheit - können nur gemeinsam bewältigt werden. Wer sich kennt, hält zusammen. Gemeinsames Engagement schafft Begegnungen und stärkt das gegenseitige Vertrauen. Das ist etwas, das in der heutigen Zeit enorm wichtig ist. Wie zu Beginn gesagt, die Umsetzung der Initiative wäre nicht einfach, doch ich bin sicher, wir würden gute Lösungen finden und so den Weg ebnen, damit alle einen Bürgerdienst leisten können, und zwar nach dem Motto: "Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, frage, was du für dein Land tun kannst."