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Christ Katja · Nationalrat · 2025-03-19

Christ Katja · Nationalrat · Basel-Stadt · Grünliberale Fraktion · 2025-03-19

Wortprotokoll

Die Service-citoyen-Initiative ist weit mehr als eine sicherheitspolitische Massnahme - sie ist ein Bekenntnis zur Verantwortung, zur Gleichstellung und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wir sprechen oft über die Verteidigungsfähigkeit unseres Landes, über Milliardenbudgets für die Armee und über neue Bedrohungen. Doch vergessen wir nicht das Entscheidende, nämlich dass es Menschen sind, die Dienst leisten, in der Armee, im Zivilschutz, im Zivildienst. Keiner dieser Dienste ist verzichtbar, keiner mehr oder weniger wert. Die Realität aber zeigt: Während der Zivildienst floriert, kämpft die Armee mit Alimentierungsproblemen. Und was tut der Bundesrat? Er will nicht das stärken, was schwach ist, sondern das schwächen, was gut funktioniert. Das ist der falsche Weg.

Die Service-citoyen-Initiative denkt um. Statt Mangelverwaltung braucht es ein modernes, gerechtes System, das die Bereitschaft zum Dienst für die Gesellschaft auf viele Schultern verteilt. Jeder und jede mit Schweizer Bürgerrecht soll einen Beitrag leisten, ob militärisch oder zivil. So bleibt unser Land widerstandsfähig, gerade in Krisenzeiten, in denen zivile Strukturen genauso gefordert sind wie militärische.

Ein Punkt ist zentral: die Gleichstellung. In jeder Debatte um Frauenrechte fordern wir gleiche Chancen, gleiche Löhne, gleiche Mitsprache. Warum sollte sich das Prinzip der Gleichheit hier ändern? Wer gleiche Rechte geniesst, muss auch gleiche Pflichten übernehmen. Dass heute nur Männer zum Dienst verpflichtet sind, ist nicht zu rechtfertigen; es gibt keine stichhaltigen Argumente dafür.

Der Dienst an der Gesellschaft darf keine Frage des Geschlechtes sein. Wer von Sicherheit und Stabilität profitiert, soll auch seinen Beitrag leisten. Natürlich müssen mögliche negative Auswirkungen eines Bürgerdienstes geprüft werden, doch Herausforderungen können kein Vorwand sein, um eine Ungleichbehandlung fortzuführen. Eine Pflicht nur für Männer weiterzuführen, weil eine gerechtere Lösung schwer umzusetzen wäre, ist nicht haltbar. Verantwortung ist nicht teilbar.

Die Grünliberale Fraktion setzte sich in der Sicherheitspolitischen Kommission für einen Gegenvorschlag ein - vergeblich. Dabei zeigt Umfrage um Umfrage, dass eine breite Mehrheit der Bevölkerung hinter der Idee eines Gemeinschaftsdienstes steht. Doch der Bundesrat bleibt mutlos und schlägt lediglich einen Orientierungstag für Frauen vor. Das ist kein Fortschritt, das ist Kosmetik. Wenn wir Gleichstellung ernst nehmen, brauchen wir echte Reformen, nicht symbolische Massnahmen. Denn eigentlich hatte es Aristoteles schon 350 vor Christus sehr treffend gesagt, nämlich dass Gerechtigkeit darin bestehe, Gleiches gleich zu behandeln. Im Grunde scheint das doch ziemlich schlüssig zu sein, oder nicht?

Ein Bürgerdienst für alle ist keine radikale, sondern eine konsequente Idee. Wenn wir von gesellschaftlichem Zusammenhalt sprechen, dürfen wir uns nicht vor der logischen Konsequenz drücken. Jeder profitiert von einer funktionierenden Schweiz, also tragen auch alle Verantwortung dafür. Es ist Zeit für eine mutige, gerechte Entscheidung. Der Service citoyen bietet diese Möglichkeit. Lassen wir sie nicht ungenutzt.