Flach Beat · Nationalrat · 2025-05-05
Flach Beat · Nationalrat · Aargau · Grünliberale Fraktion · 2025-05-05
Wortprotokoll
Es ist ja das erste Geschäft, wir müssen vielleicht noch ein bisschen üben.
Ich bitte Sie namens der Grünliberalen Fraktion, einzutreten und den Nichteintretensantrag der Minderheit abzulehnen. Wir schicken uns jetzt an, in unserem doch schon recht alten Zivilgesetzbuch im Bereich der elterlichen Fürsorge noch zwei Sätze einzufügen. Insbesondere soll das Kind ohne Anwendung von Gewalt zu erziehen sein, namentlich ohne körperliche Bestrafung und andere Formen erniedrigender Behandlung. Zudem sagen wir, die Kantone sollen dafür sorgen, dass sich die Eltern und das Kind bei Schwierigkeiten in der Erziehung gemeinsam oder einzeln an eine Beratungsstelle wenden können.
Obwohl vorhin sogar noch Fragen gestellt worden sind, kann ich nicht nachvollziehen, weshalb man diese Gesetzesänderung ablehnen will. Es ist ein deklaratorischer Artikel, der sagt, was man im Bereich der elterlichen Fürsorge und der Erziehung möchte respektive nicht möchte, und es ist ein Hinweis an die Kantone - die meisten Kantone haben dieses Anliegen ohnehin schon aufgenommen und entsprechende Möglichkeiten geschaffen. Ich bitte Sie, diesen kleinen Änderungen zuzustimmen.
Ein afrikanisches Sprichwort sagt: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Daran ist wahrscheinlich sehr viel Wahres. Heute hat sich das Dorf bei uns sehr gewandelt. Die Siedlungen und das Wohnen sind viel anonymer geworden. Man wohnt nicht mehr zusammen mit den Grosseltern; Onkel und Tanten sind nicht mehr so sehr in der Nähe. Die Eltern sind vielleicht aufgrund dieser Umstände gestresst, und sie haben vielleicht auch keinen Kita-Platz zur Verfügung. Auf jeden Fall sind die Herausforderungen viel grösser geworden. Ist das Kind ein bisschen älter, kommt die ganze Reizüberflutung dazu, die wir durch die neuen Medien haben. Der Druck auf die Eltern, auf die Kinder, auf die Schule, auf die Betreuenden usw. wird immer grösser. Umso wichtiger ist es, dass wir angesichts dieses gemeinschaftlichen Leistungsdrucks auch wahrnehmen, wo die Risiken liegen.
Denn wenn wir über Erziehung sprechen, muss es doch klar sein, dass die Erziehung niemals mit Gewalt einhergehen soll. Vorhin wurde gesagt, es brauche irgendwie gewisse körperliche Kräfte oder was weiss ich, um das durchzusetzen. Ich glaube, jeder Vater, jede Mutter weiss, was Erziehung bedeutet und wie schwierig sie teilweise ist. Als ich vor 23 Jahren Vater wurde, fragte ich die Hebamme scherzhaft, wo denn jetzt die Bedienungsanleitung für dieses "Schätzeli" sei. Ich musste das alles lernen. Ich bin nicht im Dorf zusammen mit anderen Kindern aufgewachsen, die auch von diesem Dorf aufgezogen worden sind, wie ich es vorhin gesagt habe, sondern ich gehöre bereits schon zu dieser Generation, die eben nicht davon profitiert hat. Darum ist es noch einmal schwieriger für Eltern, zu lernen, wie sie damit umgehen sollen. Entsprechend müssen sie sich gewisse Richtlinien vielleicht noch erarbeiten, sie müssen sie suchen und so weiter. Entsprechend ist es auch nötig, dass der Staat[NB]und[NB]wir[NB]alle[NB]als[NB]Gesellschaft hier klar sagen, was wir eben nicht wollen, nämlich eine Erziehung, die mit Gewalt einhergeht.
Ich bitte Sie, diese beiden relativ kurzen, aber prägnanten Änderungen des Zivilgesetzbuches anzunehmen. Die eine Änderung ist vor allem deklaratorischer Natur, die andere ist eine Aufgabe für die Kantone. Ich danke Ihnen.