Graber Michael · Nationalrat · 2025-05-06
Graber Michael · Nationalrat · Wallis · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2025-05-06
Wortprotokoll
Die Entwicklung von künstlicher Intelligenz ist kein temporärer Hype, sondern ein tiefgreifender technologischer Wandel, der weltweit in allen Wirtschaftsbereichen Einzug hält, von der industriellen Fertigung über die Medizin bis hin zur öffentlichen Verwaltung. Staaten wie die USA, China, aber auch mehrere EU-Länder investieren Milliarden in Recheninfrastruktur, Ausbildung und KI-Start-ups, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Frage ist deshalb nicht, ob KI genutzt wird, sondern wo und unter welchen Bedingungen. Wenn die Schweiz sich mit bürokratischen[NB]Zusatzhürden[NB]oder innovationsskeptischen Signalen selbst limitiert, fällt sie bei der globalen Standortkonkurrenz zurück.
Mit dem vorliegenden Postulat Fivaz Fabien wird nicht der Energieverbrauch reguliert, sondern es wird mitentschieden, ob die Schweiz führend an der Entwicklung teilhat oder sich selbst ins Abseits stellt. Wer KI als Problem statt als Chance erachtet, riskiert technologischen Rückstand, und das hat Folgen für Arbeitsplätze, Wohlstand und Souveränität.
Der Stromverbrauch durch Anwendungen der KI macht aktuell nur einen kleinen Teil des nationalen Gesamtverbrauchs aus. Laut Daten des Bundesamtes für Energie liegt der Stromverbrauch von Rechenzentren bei rund 4 Prozent des gesamten Stromverbrauchs der Schweiz. Eine spezifische Regulierung des Stromverbrauchs von KI könnte als Signal für eine generelle Skepsis gegenüber technologischen Innovationen wahrgenommen werden. Dies könnte die Attraktivität der Schweiz als international respektierter Standort für Technologieunternehmen und Forschungseinrichtungen gefährden.
Die Schweiz hat eine ideale Ausgangslage, um das volle Potenzial von KI für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum auszuschöpfen. Eine übermässige Regulierung könnte jedoch Investitionen in diesem Bereich abschrecken und die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz beeinträchtigen.
Die Schweiz verfügt bereits über Instrumente zur Überwachung und Steuerung des Energieverbrauchs. Die Energiestrategie 2050 sieht vor, die Energieeffizienz zu steigern und den Energieverbrauch zu senken. Diese bestehenden Instrumente ermöglichen es, den Energieverbrauch insgesamt zu steuern, ohne dass spezifische Massnahmen für einzelne Technologien erforderlich sind. Eine zusätzliche Untersuchung speziell für KI-Anwendungen wäre redundant und würde den bürokratischen Aufwand ohne zusätzlichen Nutzen erhöhen.
Grundsätzlich bietet KI erhebliche Potenziale zur Verbesserung der Energieeffizienz. Energieunternehmen benutzen heute KI, um datenbezogene Herausforderungen zu bewältigen, was ihnen hilft, ihre Effizienz zu steigern und ihre [PAGE 654] Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern. Eine einseitige Betrachtung der Risiken könnte diese Chancen übersehen und die Entwicklung solcher Anwendungen blockieren.
Aus all diesen Gründen bitte ich Sie, das Postulat Fivaz Fabien abzulehnen, auch wenn es sein letzter Vorstoss hier im Nationalrat war.