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Glättli Balthasar · Nationalrat · 2025-06-11

Glättli Balthasar · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2025-06-11

Wortprotokoll

Wir haben gerade die Selbstwidersprüchlichkeit der Argumentation der Gegnerinnen und Gegner gehört. Mein Vorredner argumentierte damit, dass er sagte, es sei unfair, wenn man den jungen Menschen mit diesen Gebühren Geld abverlange; diese seien doch nur auf Social Media und auf Youtube unterwegs. Gleichzeitig sagte er zwei Absätze später, es sei doch ein Skandal, wenn die SRG dort unterwegs sei, dort gebe es ja ganz viele andere, gute Informationsquellen, die man konsumieren könne.

Ich muss Ihnen sagen, ich sehe das zu 180 Grad anders. Wenn es eine Aufgabe gibt, die von den Privaten nicht oder dort, wo sie es tun, nur sehr schlecht gemacht wird, dann ist es die Präsenz mit qualitativ guten, neuen, innovativen Formaten eben auch dort, wo die jungen Medienkonsumierenden unterwegs sind. Das ist tatsächlich nicht wirklich im linearen Fernsehen, ausser bei den grossen Kaminfeuerereignissen der Nation oder bei grossen Sportevents. Entsprechend muss ich Ihnen aber auch sagen, dass ich von der SRG selbst unheimlich enttäuscht bin, weil sie in ihrer Vereinbarung mit den Verlegerinnen und Verlegern diesen einen ihrer massiven Pluspunkte nun selbst infrage stellt.

Wo findet man heute online qualitativ gute Informationen über schweizerische Inhalte? Das ist auf diesen Plattformen dort der Fall, wo SRF unterwegs ist. Die Frage ist ganz einfach: Überlassen wir das Russia Today, oder wollen wir unserer jungen Generation noch eigene Informationen mitgeben?

Wir haben in diesem Rund in den letzten Wochen immer wieder eine Thematik diskutiert - wir werden es auch in der nächsten Woche und sicher in den kommenden Sessionen wieder tun -: Wir müssen die Demokratie schützen, wir müssen wehrhaft sein, wir müssen es schaffen, dass wir unsere Demokratie stärken. Demokratie ohne Information ist keine Demokratie. Demokratie lebt davon, dass die Menschen wissen, was wir machen, dass sie das auch kritisieren können, dass sie uns wählen und wieder abwählen können. Wie sollen sie das können, wenn sie gar nicht wissen, was wir hier machen? Dafür muss man diese Informationen auch dorthin tragen, wo die Menschen sind, und sie nicht irgendwo in ein paar Analog-Fernsehstationen verstecken, die man tatsächlich immer weniger schaut. Da gehöre ich auch dazu, ich bin in diesem Sinne jung geblieben, ich schaue auch nicht mehr Analog-TV.

Das Zweite ist: Es gibt einen Grundfehler in dieser Debatte. Es gibt in der Politik zwei Bereiche. Es gibt Bereiche, da ist weniger mehr, da ist Konkurrenz vorhanden, da gilt ein Entweder-oder. Daneben gibt es in der Politik Bereiche, da ist mehr mehr. Medienvielfalt ist ein Punkt, wo mehr mehr ist. Wenn Sie mehr gute Angebote von der SRG haben, dann führt das dazu, dass mehr Menschen ein Interesse haben, sich qualitativ hochwertige Informationen zuzuführen, und das führt dazu - das ist nicht einfach eine These, das ist bewiesen, die Studie wurde zitiert -, dass auch mehr Menschen wieder ein Zeitungsabo haben, ob jetzt online oder auf Papier. Dann führt das dazu, dass man eher wieder Radio hört, auch wenn es mal ein Privatradio ist, durch welches auch spannende, wichtige Inhalte verbreitet werden.

Mehr ist mehr. Bitte sparen Sie nicht die demokratische Vielfalt in diesem Land zu Tode.