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Leumann-Würsch Helen · Ständerat · 2003-06-19

Leumann-Würsch Helen · Ständerat · Luzern · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2003-06-19

Wortprotokoll

Wenn man die Zahlen und Trends im Alkoholkonsum von Schülerinnen und Schülern in der Schweiz betrachtet, ist es erschreckend, wie stark dieser besonders bei den 15- bis 16-Jährigen angestiegen ist. War früher Bier der Spitzenreiter, so sind es heute die Süssgetränke, die mit starken Alkoholika wie Wodka oder Gin zu so genannten Alcopops gemixt werden, welche sich einer zunehmenden Beliebtheit erfreuen. Während im Jahr 2000 noch 1,7 Millionen Flaschen verkauft wurden, hat sich die Zahl ein Jahr später bereits auf 28 Millionen Flaschen erhöht. Was ich als besonders tragisch empfinde, ist die Tatsache, dass es vor allem Jugendliche sind, und zwar sowohl Knaben wie auch Mädchen, die sich regelmässig betrinken. Wenn ich die Gruppe der 11- bis 12-Jährigen betrachte, die mindestens einmal pro Woche Alkohol trinken, dann ist das für mich viel zu hoch.

Es war vor vielen Jahren in der Innerschweiz üblich, den Kindern den "Nuggi", den Schnuller, in den Schnaps zu tauchen, damit sie still waren, damit sie wieder schliefen. Die Auswirkungen waren tragisch - wir kennen sie -: Schäden im Hirn und Alkoholabhängigkeit. Durch Aufklärung konnte diese Unsitte ausgerottet werden; Gott sei Dank! Tatsache ist aber: Je früher man mit Alkoholtrinken beginnt, desto grösser ist das Risiko, später unter Alkoholproblemen zu leiden. Es ist nach wie vor eine unumstössliche Tatsache, dass der Gesetzgeber nicht vergebens beschlossen hat, Wein und Bier erst an Jugendliche ab 16 und Spirituosen gar erst an Jugendliche ab 18 Jahren zu verkaufen.

Wir haben vor Jahren mit der Besteuerung von Hooch - damals hatten wir ein ähnliches Problem - gute Erfahrungen gemacht: Innert kurzer Zeit ist Hooch von der Bildfläche verschwunden.

Ich bin mir bewusst, dass wir das Problem mit einer Steuererhöhung nicht wirklich lösen können; zu leicht können Jugendliche eine Flasche Wodka und eine Flasche Süssgetränk kaufen und solche Getränke selber mixen. Sicher war es auch früher so, dass Jugendliche, vor allem die Knaben damals, Alkohol konsumierten. Welche Mutter von Knaben kennt das nicht, dass ein Knabe einmal nach Hause kommt und halt nicht mehr geradeaus gehen kann? Damit gehen wir um, und es ist auch Sache der Eltern, ihren Kindern in diesem Bereich eine gewisse Erziehung angedeihen zu lassen.

Wenn es aber heute die 12- bis 16-Jährigen sind, dann meine ich, dass wir als Politiker eine gewisse Verantwortung haben und etwas unternehmen müssen. Ich frage mich wirklich: Wieso wissen diese Eltern nicht mehr, wo ihre Kinder sind? Und noch schlimmer: Wie kann es sein, dass Eltern nicht merken, wenn Jugendliche regelmässig betrunken nach Hause kommen?

Es geht mir nicht darum, den Alkohol zu verteufeln; ich trinke selber auch gerne ein gutes Glas Wein. Aber Jugendliche müssen lernen, mit Alkohol umzugehen. Sie müssen sich der langfristigen Gefahren, wenn sie regelmässig trinken, bewusst sein, und sie müssen auch erkennen, dass Sichbetrinken nicht lustig, sondern widerlich ist. Es ist tragisch, meine ich, dass hier der Gesetzgeber einschreiten muss, wäre es doch meiner Meinung nach Sache der Eltern, ihren Kindern diesen Weg zu zeigen.

Wir können nun diese Steuern erhöhen; ich bin für Eintreten und Zustimmung zur Botschaft. Eines müssen wir aber ebenfalls tun: eine Aufklärungskampagne in der Sprache der Jungen starten. Schöne Plakate nützen nichts, wenn sie nicht unter die Haut gehen, und da hat der Bund gute Erfahrungen, wenn ich an die Aids-Kampagne denke. Alkoholwerbung einfach zu verbieten löst das Problem auch nicht; das ist ein Ausweg, der schlussendlich zwar etwas bringen kann, aber wichtiger scheint mir die Aufklärung zu sein.

Wir müssen unbedingt auch die Kontrollen verstärken. Untersuchungen zeigen, dass Jugendliche relativ problemlos Spirituosen kaufen können. Die Kontrollen sollten nicht nur in den Verkaufsläden stattfinden, sondern auch an öffentlichen Veranstaltungen und in den öffentlichen Anlagen.

Spanien hatte ein sehr schlimmes Problem in der gleichen Richtung. Dort hat man die Kontrollen massiv verstärkt, hat die Parks geräumt, die Jugendlichen mitgenommen und aufgeklärt, und jetzt sind sie eigentlich auf einem guten Weg.

In diesem Sinne bin ich für Zustimmung zur Vorlage.