Glättli Balthasar · Nationalrat · 2025-09-17
Glättli Balthasar · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2025-09-17
Wortprotokoll
"Mitleid mit den Tieren hängt mit der Güte des Charakters so genau zusammen, dass man zuversichtlich behaupten darf, wer gegen Tiere grausam ist, könne kein guter Mensch sein." Das schrieb Arthur Schopenhauer, der Philosoph, und ich finde, ja, es hat etwas auf sich. In der Art und Weise, wie wir mit Tieren umgehen, spiegelt sich nicht nur der Respekt vor den Tieren, sondern auch unser eigener Charakter.
Die heutige Gesellschaft in der Schweiz und in vielen anderen Ländern auch hat ein doppeltes Gesicht. Es ist eigentlich verwunderlich: Auf der einen Seite werden die Haustiere und Haustierchen vergöttert und "Liebling" genannt,[NB]manchmal ersetzen sie gar menschliche Beziehungen. Auf der anderen Seite halten wir die sogenannten Nutztiere: Mittel zum Zweck. Interessanterweise macht sogar auch unser Tierschutzgesetz diesen Unterschied. So ist die Art und Weise, wie ein Pferd zu halten ist, eine andere, je nachdem ob man es als Schlachtpferd hält oder zu einem anderen Zweck. Es gibt natürlich ethisch diejenigen, die überzeugt sind: Mittel zum Zweck zu sein, das soll ganz sicher nicht beim Menschen der Fall sein, aber auch beim Tier müsse man sich da zurückhalten.
Ich sehe das nicht so zwingend. Aber ich glaube, wenn wir uns entscheiden und sagen, ein Tier ist Mittel zu einem bestimmten Zweck, dann nehmen wir mit dieser Entscheidung gleichzeitig auch die Verpflichtung auf uns, jedes Leiden so gut wie möglich zu minimieren. Ich will also nicht so weit gehen und sagen, dass man allen die Wurst verbieten sollte oder das Schnitzel. Aber ich finde, dass alle, die das dann essen, sich bewusst sein müssen: Es gibt ein Leben vor dem Schnitzel, und dieses Leben müssen wir auch achten.
Ebenso gilt auch: Es gibt ein Leben vor dem Pelz. Es muss unsere Pflicht sein, diesem Leben Sorge zu tragen. Deshalb hoffen wir, dass der Gegenvorschlag, angepasst gemäss den Minderheitsanträgen, hier eine Mehrheit findet, weil er genau das zum Ziel hat, weil er auch genau zum Ziel hat, dass man Quälen nicht einfach auslagern kann. Das ist ja der "Charme" des Umgangs mit Tieren als Mittel zum Zweck: Meistens sieht man ihn nicht; man sieht die intensiven Bewirtschaftungen der Tiere nicht, man sieht die Schlachthöfe nicht, man sieht die Orte nicht, wo diese Tiere von Pelzproduzenten gehalten werden. Aus den Augen, aus dem Sinn - das darf nicht mehr länger gelten, auch dann nicht, wenn es jenseits der Grenzen ist. Deshalb braucht es diesen Gegenvorschlag.
Nehmen Sie die Minderheitsanträge an. Lassen Sie sich eine Lösung für dieses Problem nicht von der Pelzlobby ins Gesetz diktieren, sondern nehmen Sie jeweils die Variante der Minderheit an. Dann haben wir schnell ein griffiges, gutes Gesetz, das dem Respekt des Tierlebens Nachachtung verschafft. Wenn Sie diese Variante nicht annehmen, empfehle ich Ihnen, die Volksinitiative zu unterstützen. Es ist eine Initiative, die eine wichtige Frage beschlägt und eine positive Antwort verdient hat.