Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · 2025-09-24
Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2025-09-24
Wortprotokoll
In meinem Minderheitsantrag zu Artikel 24 geht es um die Übergangsrente. Die Bezugszahlen zeigen klar: Die Vorlage betrifft ganz grossmehrheitlich die Frauen. Beim Verlust des Partners oder der Partnerin entsteht ein riesiger Schock, das Leben gerät aus den Fugen. Eine persönliche, oft aber auch eine finanzielle Krise ist die Folge. Mit dem Antrag meiner Minderheit möchte ich eine gewisse Schonfrist gewähren, damit man nicht gerade mit Existenzängsten leben muss. Der Tod des Partners oder der Partnerin bedeutet einen Verlust des Einkommens, ist meist sofort an Existenzsorgen gekoppelt. Es kommt auch die berechtigte Angst vor Armut auf, weil Frauen - auch aktuell - durchschnittlich gerade einmal die Hälfte des Lohnes eines Mannes erhalten, weil Lohnungleichheit besteht, weil sogenannte Frauenberufe zu tief eingestuft sind, weil Frauen noch immer grossmehrheitlich gratis Care-Arbeit in den Bereichen Erziehung, Betreuung und Haushalt übernehmen.
Zwei Jahre Übergangsfrist sind zu kurz, weil die Witwen- und, wenn Kinder da sind, die Kinderrenten eine wichtige Existenzsicherung bedeuten. Nach dem Verlust folgt die Trauerarbeit; diese dauert unterschiedlich lang, durchschnittlich bis zu zwei Jahre, oft aber auch deutlich länger. Erst danach ist es wieder möglich, sich neu zu orientieren, die finanzielle Situation einzuschätzen, über einen Jobeinstieg nachzudenken oder die Stellenprozente zu erhöhen, vielleicht sogar einen Wohnungswechsel in Betracht zu ziehen, weil die Wohnung allein zu teuer wird. Es braucht Zeit, und diese Zeit sollen die Betroffenen haben, um wieder positiv ins Leben blicken zu können, um wieder Möglichkeiten zu sehen. Dabei sollen sie nicht nur mit Existenzstress konfrontiert sein, die gesicherte Unterstützung durch die Rente soll noch vorhanden sein. Wir sprechen ja nicht von einer vollen Existenzsicherung, es ist eine Unterstützung, die hoffentlich vor einem Gang zum Sozialamt bewahrt.
Mit meiner Minderheit beantrage ich eine Analogie zur Pensionskasse, dort werden Übergangsrenten drei Jahre lang gezahlt. Das wäre das Minimum, meine ich. Noch länger wäre schön, aber wenigstens analog zur zweiten Säule sollte es sein. Es ergibt keinen Sinn, es anders zu handhaben. Deshalb bitte ich Sie um Unterstützung meiner Minderheit - aus der Logik der zweiten Säule heraus und für ruhigere Zeiten, trotz der schwierigen Situation.
Ich bitte Sie, meine Minderheit zu unterstützen.