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Würth Benedikt · Ständerat · 2025-09-25

Würth Benedikt · Ständerat · St. Gallen · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2025-09-25

Wortprotokoll

Madame la conseillère fédérale, l'avis du Conseil fédéral est décevant et donne l'impression d'un manque d'engagement et de professionnalisme - je dois le dire très clairement. Au lieu de traiter en détail les éléments de critique justifiés, il esquive et tente d'étouffer la discussion avec des affirmations superficielles. De plus, on suppose à tort que les recommandations de l'OMS sont basées exclusivement sur la méta-analyse du professeur Stockwell. Il est particulièrement regrettable que la critique de la méthodologie de l'étude de la "National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine" (Nasem) soit écartée dans les cercles d'experts, qui se réfèrent à des considérations diverses, sans les concrétiser ni les discuter. Du point de vue des experts avec lesquels j'ai des échanges, la méthodologie choisie est techniquement solide et convaincante dans le cadre des possibilités données. Le Conseil fédéral s'abstient apparemment d'un examen approfondi de la qualité et de la fiabilité des recommandations. Cela affecte la confiance dans les autorités et rend difficile l'acceptation généralisée des directives. Cette approche est problématique car ses conséquences peuvent être considérables.

Ich hätte erwartet, dass sich der Bundesrat zu den folgenden Kritikpunkten im Zusammenhang mit den WHO-Empfehlungen deutlich und fundiert äussert.

1.[NB]Wie genau die WHO zu ihren neuen Empfehlungen zu mässigem Alkoholkonsum gekommen ist, lässt sich für Aussenstehende nicht nachvollziehen. Vieles wird nicht offengelegt. In der Fachwelt kritisiert man diese fehlende Transparenz. Wir reden ja viel, auch hier im Saal, von Open Science. Bei der WHO ist leider gar nichts open. Anders als in vielen Ländern, in denen Gesundheitsrichtlinien in öffentlich besetzten Ausschüssen erarbeitet werden, ist bei der WHO unklar, wie das beratende Gremium zusammengesetzt war. Es ist nicht bekannt, ob Interessenkonflikte offengelegt wurden, nach welchen Kriterien Studien ausgewählt oder[NB]ausgeschlossen wurden und ob auch abweichende wissenschaftliche Meinungen berücksichtigt wurden. Dadurch ist eine seriöse Überprüfung der zugrunde liegenden Evidenz unmöglich. Ebenso ist unklar, wie der Konsens zustande kam. Dieser Prozess ist entscheidend für die Vertrauenswürdigkeit und Absicherung von Empfehlungen.

2.[NB]Darüber hinaus bleibt unklar, welchen Einfluss nicht staatliche Organisationen oder politische Gruppen hatten, vor allem solche, die sich für einen vollständigen Verzicht auf Alkohol einsetzen. Auch hierzu gibt es von der WHO keine offenen Angaben.

3.[NB]Ein wesentlicher Kritikpunkt richtet sich auf die Rolle von Professor Tim Stockwell, der zwar als prominenter Alkoholforscher und WHO-Berater gilt, innerhalb der Fachwelt jedoch auch als umstritten wahrgenommen wird. Er ist für seine kompromisslose Haltung gegenüber jeglichem Alkoholkonsum, auch im Hinblick auf moderaten Konsum, bekannt. Kritiker äussern die Sorge, dass seine einseitige Sicht die Empfehlungen der WHO erheblich geprägt hat und andere wissenschaftliche Standpunkte dadurch zu kurz gekommen bzw. [PAGE 1051] komplett ausgeblendet worden sind. Insgesamt führen die fehlende Offenheit und die Beraterrolle von Stockwell dazu, dass die Empfehlungen der WHO zum Alkoholkonsum von vielen Fachleuten mit Skepsis und Vorbehalt betrachtet werden.

Aktuell läuft eine weitere Studie, die sogenannte Unati-Studie, mit 10[NB]000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Angesichts der noch ausstehenden Ergebnisse der prospektiven Unati-Studie ist es meines Erachtens nicht angemessen, die bestehenden Empfehlungen zum moderaten Alkoholkonsum grundlegend zu ändern. Die derzeitige Evidenzlage ist zu uneinheitlich und unklar, um verlässliche Aussagen über mögliche gesundheitliche Risiken oder Vorteile moderaten Alkoholkonsums zu treffen. In drei bis vier Jahren sind die Ergebnisse dieser Unati-Studie zu erwarten, und sie werden voraussichtlich massgebliche Klarheit bringen. Ich hätte erwartet, dass man diese Studien abwartet. Aufgrund der Antworten des Bundesrates muss ich aber davon ausgehen, dass dies nicht der Fall ist, und ich werde darum auch eine Motion nachschieben müssen.

Mir geht es nicht darum, dem Alkoholkonsum freie Bahn zu geben. Alkoholsucht ist schlimm, Prävention und Beratung sind zentral, aber es geht nicht an, dass man moderaten, vernünftigen Konsum verteufelt. Das wird auch gesellschaftlich nicht verstanden.

Zum Schluss: Politik sollte auch kohärent sein. Vor zwei Jahren, geschätzte Frau Bundesrätin, waren wir mit der Vereinigung AOP-IGP - das ist auch eine Interessenbindung von mir, wenn Sie so wollen - bei den Reflexionstagen im schönen Kanton Jura. Wir haben das Schweizer Obst- und Brennereimuseum Ô Vergers d'Ajoie besucht. Dieses Museum bietet eine Reihe von multisensorischen Aktivitäten für Familien, Gruppen und Fachleute, und es ist auch das Herz des wunderbaren Schnapses Damassine. Sie haben sicher auch schon Damassine konsumiert, ich hoffe es zumindest, sonst schenke ich Ihnen eine Flasche. Jedenfalls muss man einfach anfügen, dass all diese Projekte, die wir besucht haben, mit PRE-Mitteln des Bundes, das sind Mittel für Projekte zur regionalen Entwicklung, massgeblich gefördert wurden. Ich habe noch nachgeschaut, es waren rund 900[NB]000 Franken zuzüglich zinsloser Darlehen.

Nun soll der Bund kommen und im Stile der WHO der Bevölkerung weismachen, dass man eine Zero-Strategie beim Alkoholkonsum zu verfolgen hat. Das kann man einfach nicht nachvollziehen. Wein, lokale Biere, Schnaps und andere alkoholische Delikatessen gehören auch zum kulinarischen Erbe der Schweiz. Ich hoffe, dass sich die Eidgenössische[NB]Kommission für Fragen zu Sucht und Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (EKSN) und andere Bundesstellen nicht lächerlich machen und auf fachlich fragwürdige und gesellschaftlich weltfremde Empfehlungen verzichten.

Natürlich gibt es einen Trend zu weniger Alkohol, das ist ja an sich auch gut, aber man sollte nicht noch mithilfe von fragwürdigen Studien und von Steuermitteln diesen Trend durch behördliche Empfehlungen verstärken. Es ist nur schon fragwürdig, wie Schweizer Delegationen in der WHO im allgemeinen Mainstream mitschwimmen und fragwürdige Empfehlungsübungen einfach mittragen. Hier muss sich die Politik vermehrt einbringen; die Diskussionen um den Migrationspakt lassen grüssen.

Ich komme zum Schluss. Für mich ist jedenfalls nach dem wirklich einlässlichen Befassen mit dieser Materie klar geworden: Wo WHO draufsteht, ist nicht unbedingt Gesundheit drin. Ich bitte Sie deshalb, diese Ausführungen zur Kenntnis zu nehmen, und hoffe, dass Sie dann meine Motion im positiven Sinn beantworten, Frau Bundesrätin.