Heimgartner Stefanie · Nationalrat · 2025-09-25
Heimgartner Stefanie · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2025-09-25
Wortprotokoll
Wenn wir über die Zukunft unseres Landes sprechen, dann sprechen wir nicht über Zahlen oder abstrakte Szenarien. Wir sprechen über den Alltag der Menschen in der Schweiz, und hier gibt es eine Realität, die niemand mehr bestreiten kann: Wir stehen im Stau. Während über 55[NB]000 Staustunden jährlich werden unsere Strassen blockiert. Das ist nicht nur ärgerlich für Pendlerinnen und Pendler, das ist eine enorme Belastung für unsere gesamte Volkswirtschaft. Stau- und Standzeiten führen zu immer grösser werdenden Produktivitätsverlusten im Strassentransport, was höhere Kosten zur Folge hat. Die Auswirkungen der massiven Produktivitätsverluste sind, dass die Transportunternehmen unverschuldet mehr Zeit für dasselbe Transportvolumen benötigen bzw. in der zur Verfügung[NB]stehenden[NB]Einsatzzeit[NB]weniger Aufträge ausliefern können. Ein Chauffeur, der im Stau steht, verdient nichts. Ein Lastwagen, der nicht rollt, produziert keine Wertschöpfung. Ein Kunde, der vergeblich auf seine Lieferung wartet, verliert Vertrauen.
Als Transportunternehmerin erlebe ich dies tagtäglich. Wir reden hier nicht über Luxusprobleme, sondern über die Lebensader unserer Wirtschaft. Zeit im Stau kostet uns Milliarden. Die Frage ist: Warum kommt es so weit? Die Antwort ist klar. Unsere Infrastruktur stösst an ihre Grenzen. Wir sind ein kleines Land mit einer der höchsten Bevölkerungsdichten in Europa. Jedes Jahr wächst die Schweizer Bevölkerung um die Grösse der Stadt Luzern, und dies allein durch die Zuwanderung. Das heisst mehr Autos, mehr Lastwagen, mehr Pendlerinnen und Pendler, mehr Gütertransporte. Wir haben aber nicht mehr Platz, nicht mehr Strassen, nicht mehr Schienen. Der Kollaps ist vorprogrammiert.
Links-Grün hat letztes Jahr den Ausbau der Nationalstrassen verhindert und möchte trotzdem immer mehr Personen in unser Land lassen. Das funktioniert so nicht, und wir müssen nun die Verantwortung dafür übernehmen.
Der Kanton Aargau, meine Heimat, ist ein Paradebeispiel. Er ist ein Transitkanton. Es gibt den täglichen Pendlerverkehr Richtung Zürich, Basel und Bern. Der Kanton ist die Drehscheibe für Gütertransporte. Wenn bei uns nichts mehr rollt, steht die halbe Schweiz still. Nun frage ich Sie: Wollen wir diese Entwicklung einfach so hinnehmen? Wollen wir einfach zuschauen, wie unser Land, unsere Städte, unsere Dörfer einen Verkehrskollaps erleiden? Wollen wir akzeptieren, dass wir Milliarden von Franken in Infrastrukturausbauten stecken, ohne beim Ausbau jemals nachzukommen? Die Nachhaltigkeits-Initiative bzw. die Initiative "Keine 10-Millionen-Schweiz!" sagt: Halt! Genug! Wir wollen die Bevölkerung stabilisieren, bevor das System endgültig kippt. Die Initiative ist nicht extrem, sondern pure Vernunft.
Lassen Sie mich eines betonen: Diese Initiative ist nicht gegen die Menschen gerichtet, die bereits hier sind und ihren Beitrag leisten. Es geht um die schlichte Tatsache, dass ein kleines Land wie die Schweiz nicht unbegrenzt wachsen kann. Nachhaltigkeit bedeutet nicht, mit grossen Worten Klimaziele zu verkünden, während gleichzeitig die Bevölkerungszahlen explodieren. Nachhaltigkeit bedeutet, unsere Ressourcen, unsere Flächen, unsere Energie und unsere Infrastruktur im Gleichgewicht zu halten.
In Wahrheit ist die Zuwanderung der Treiber des Wachstums. Genau hier setzt die Initiative an. Als Unternehmerin sage ich, wir brauchen Planbarkeit; als Transportunternehmerin sage ich, wir brauchen funktionierende Strassen; und als Nationalrätin sage ich, wir brauchen eine Politik, die nicht nur Symptome bekämpft, sondern auch die Ursachen.
Wir haben die Verantwortung, vorausschauend zu handeln. Wenn wir jetzt Nein zur Initiative sagen, dann sagen wir Ja zu immer längeren Staus, Ja zu Milliardenkosten, Ja zu einem noch grösseren Druck auf unsere Infrastruktur, auf unsere Umwelt und auf unsere Lebensqualität.
Darum appelliere ich an Sie: Unterstützen Sie die Initiative "Keine 10-Millionen-Schweiz!", nicht aus Ideologie, sondern aus Vernunft, nicht gegen die Zukunft, sondern für eine Zukunft, in der die Schweiz lebenswert bleibt.