Zuberbühler David · Nationalrat · 2025-09-25
Zuberbühler David · Nationalrat · Appenzell A.-Rh. · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2025-09-25
Wortprotokoll
Vielleicht kennen Sie dieses Gefühl: Man sitzt im Auto, der Termin rückt näher, die Kunden warten, und trotzdem kommt man einfach nicht vorwärts. Vorne nur rote Bremslichter, hinten drängende Autos und dazwischen nichts anderes als Stillstand - wieder einmal Stau, endlos, kilometerlang. Für mich ist das keine theoretische Beobachtung, sondern fast tägliche Realität. Ich spreche heute nicht nur als Nationalrat, sondern auch als Unternehmer. Seit zwanzig Jahren führe ich mit meinem Bruder zusammen unter anderem einen Schuhgrosshandel. Mehrmals im Jahr fahren wir nach Spreitenbach in ein grosses Ordercenter, wo über siebzig nationale und internationale Schuhvertreter mehr als zweihundert Marken präsentieren: Schuhe, Taschen und Accessoires. Dort treffen wir unsere Kunden aus dem Fachhandel. Als wir 2005 begonnen haben, brauchten wir für die Fahrt von Herisau dorthin knapp eine Stunde. Mit zehn Minuten Reserve waren wir auf der sicheren Seite. Heute müssen wir an einem Montagmorgen fast zwei Stunden einplanen, und das nicht etwa, weil die Distanz gewachsen wäre, sondern weil die Strassen immer öfter dicht sind. Das betrifft nicht nur diese eine Strecke. Wir besuchen Kunden in der ganzen Schweiz, sind unterwegs von Termin zu Termin, und doch bietet sich immer wieder dasselbe Bild: stockender Verkehr und Stau.
Wer selbst so viel Zeit im Auto verbringt, weiss, wie verrückt das ist und wie teuer. Denn jede Minute, die wir im Stau stehen, ist verlorene Zeit für mich als Unternehmer, für den Handwerker, der zur Baustelle muss, für den Chauffeur, der Waren ausliefert, oder für die Pendlerin, die pünktlich bei der Arbeit sein will. Diese verlorene Zeit hat einen hohen Preis. Der Bund selbst spricht von Milliardenkosten durch Stau. Es sind Milliardenkosten, die am Ende wir alle tragen, sei es als Steuerzahler, als Konsumenten oder über höhere Preise in den Geschäften.
Jahr für Jahr wächst unsere Bevölkerung um rund 80[NB]000 Menschen, um so viele, wie die Stadt St.[NB]Gallen Einwohner hat. Mehr Menschen bedeuten logischerweise mehr Autos, mehr Lastwagen, mehr Pendler. Schon heute quälen wir uns durch ein Verkehrschaos, weil die Verkehrssituation seit der Einführung der Personenfreizügigkeit völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Die Staustunden haben sich vervierfacht. Ja, das ist keine übertriebene Warnung, das ist die Realität, und wenn wir jetzt nicht handeln, wird es noch schlimmer. Wollen wir wirklich in einer 10-Millionen-Schweiz leben, in der das Auto mehr steht als fährt, in der Unternehmen Aufträge verlieren, weil sie im Verkehr stecken bleiben, in der Konsumentinnen und Konsumenten immer mehr bezahlen, weil die Transportkosten explodieren?
Und letztlich geht es nicht nur um Verkehr und Mobilität, sondern um unsere Lebensqualität. Immer mehr Menschen in der Schweiz fühlen sich fremd im eigenen Land. Bereits über 40 Prozent der Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund, und wer mit offenen Augen durchs Land geht, erkennt, dass sich die Schweiz rasant und oft nicht zum Guten verändert. Unsere Infrastruktur ist nicht grenzenlos erweiterbar. Wir können nicht jedes Tal zubetonieren, nicht endlos Strassen verbreitern, nicht beliebig Tunnels bauen. Es gibt Grenzen,[NB]geografische,[NB]ökologische,[NB]aber[NB]auch gesellschaftliche.
Genau darum braucht es die Nachhaltigkeits-Initiative. Sie setzt genau hier an und zieht die Notbremse. Ab 9,5 Millionen Einwohnern muss der Bundesrat handeln, insbesondere im Asylwesen und beim Familiennachzug. Und die Grenze von 10 Millionen darf keinesfalls überschritten werden. Wir müssen uns klar sein: Solange die Bevölkerung jedes Jahr um die Grösse einer Stadt wie St.[NB]Gallen wächst, werden wir das Stauproblem nie lösen. Wir können noch so viel zubetonieren, wir würden nur dem Kollaps hinterherbauen. Die einzige echte Lösung ist, das Wachstum zu stoppen. Ich wünsche mir eine Schweiz, in der man morgens wieder pünktlich beim Kunden ankommt, in der unser Wohlstand nicht im Stau verloren geht und in der die Menschen sich im eigenen Land zuhause fühlen, im Einklang mit unseren christlichen Grundwerten, die unsere Gesellschaft seit Generationen tragen und prägen.
Darum bitte ich Sie: Unterstützen Sie die Nachhaltigkeits-Initiative, für unsere Unternehmen, für unsere Umwelt und für unsere Heimat.