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Riniker Maja · Nationalrat · Aargau · FDP-Liberale Fraktion · 2025-12-01
Wortprotokoll
Ich stellte mein Präsidialjahr unter das Motto "Zusammenhalt durch Vielfalt". Denn Zusammenhalt bedarf der Vielfalt und nicht der Forderung, alles zu vereinheitlichen, damit es besser ausschaut, einer Vielfalt, die in alle Richtungen lebt und neue, kleinräumige, aber eigene Lösungen hervorbringt. Vielfalt und Zusammenhalt ergänzen und bedingen sich. In unserem Land ist das eine ohne das andere nicht möglich. Nur wer die Vielfalt respektiert, kann Zusammenhalt schaffen. Nur wer Zusammenhalt anstrebt, kann Vielfalt beanspruchen.
Plus j'ai été confrontée à la diversité de notre pays et de sa population, plus elle m'a fait réfléchir. J'ai eu l'occasion de découvrir la Suisse sous de multiples facettes et de m'apercevoir qu'il existe différentes perspectives, mais qu'elles sont tout aussi importantes les unes que les autres. À ce propos, j'ai retenu un enseignement[NB]: changer délibérément de perspective de temps à autre permet d'élargir ses horizons.
Ich erlaube mir, mit Ihnen drei mögliche Ansätze für einen Perspektivenwechsel zu teilen, dies quasi als Take-away meiner Präsidialzeit. Apropos: Give-aways bekam ich einige geschenkt, und es stehen weiterhin einige meiner Aargauer Riniker-Kunstkarten-Sets, die mit einem Gratiseintritt in ein Aargauer Museum verbunden sind, zur Verfügung. Wer dem schönen Kanton Aargau bis Ende 2026 einen Besuch abstatten möchte, ist gerne eingeladen, sich zu bedienen - die Kunstkarten-Sets liegen für Sie bei den Unterschriftenbögen auf.
Un sincero ringraziamento va a tutti voi per avermi sostenuto durante quest'anno. Ho avuto l'opportunità di conoscervi più da vicino e in un'ottica diversa, non solo come politici ma come persone. Alcuni sono stati degli ottimi fornitori di Ovomaltine e succhi energetici, altri mi hanno fatto partecipare alle loro vicende personali - grazie mille!
So komme ich zu meinem ersten Vorschlag eines Perspektivenwechsels. Unter uns 200 Nationalrätinnen und Nationalräten hat es unterschiedliche, einzigartige und vor allem liebenswerte Menschen. Um andere Ratskollegen besser zu verstehen, könnte man sie in ihrer engeren Heimat besuchen. Die Berglerin besucht den Städter, die Handwerkerin aus der Deutschschweiz den Hipster in der Romandie, die Linke den Rechten und umgekehrt. Nur wer sich austauscht, kann den anderen verstehen. Wer den anderen in dessen Heimat trifft, statt nur hier im Saal, wird ihn noch besser verstehen. Sollten Sie nicht wissen, wen Sie besuchen könnten: Ich habe Tipps. Nach einem Jahr mit Blick auf den Rat von hier vorne entwickelt man viele Ideen, macht Beobachtungen und findet sich in der Rolle der "Matchmakerin" wieder. Ich meine nun bewusst nicht Samuel Bendahan und Samira Marti, sondern eben beispielsweise Samuel Bendahan und Andri Silberschmidt.
Den zweiten Perspektivenwechsel habe ich gewissermassen mit dem mobilen Lärmmessgerät während der Sondersession selbst ausgelöst. Natürlich habe ich die unterschiedlichen Reaktionen mitbekommen: Von Zuspruch bis "Jetzt hat dort vorne jemand den Verstand verloren" gab es alles zu hören.
Mais au-delà de ces réactions, l'installation du sonomètre m'a permis de faire quelques observations. Vous l'aurez sans doute constaté[NB]: lorsqu'un membre du conseil pose une question à la tribune, la personne à qui la question s'adresse a parfois du mal à l'entendre à cause du bruit ambiant. À ce propos, j'ai pu remarquer qu'il y avait beaucoup plus de bruit dans les rangs du groupe UDC quand la question venait de [PAGE 1943] la gauche que quand elle venait du groupe UDC. Inversement, je me suis aperçue qu'un membre socialiste du Conseil fédéral pouvait davantage s'exprimer dans le calme lorsqu'il prenait la parole depuis le pupitre du Conseil fédéral situé devant le groupe socialiste. En effet, on entend dans ce cas-là plus souvent des "pssst" dans les rangs du groupe socialiste que lorsque le membre du Conseil fédéral appartient à un parti de droite.
Sie können auf dem auf dem Anzeigebildschirm eingeblendeten Bild aus dem "Nebelspalter" aus dem Jahr 1925 erkennen, dass das Thema "Zuhören im Lärm" schon lange vor unserer Zeit ein umstrittenes Thema war.
Diese Beobachtungen führen mich zur Frage, was ein Perspektivenwechsel bewirken würde. Was wäre, wenn wir in einem Jahresturnus die Rednerpulte von Bundesrat und Fragesteller wechseln würden? Was wäre, wenn die Bundesräte plötzlich im Vorzimmer der SVP-Fraktion statt in dem der SP-Fraktion warten müssten? Oder stellen wir uns vor, wir Ratsmitglieder müssten unsere pointiert formulierten Zwischenfragen vor der SP-Fraktion vortragen. All das würde eine neue Dynamik erzeugen, und wahrscheinlich würde es uns allen sogar guttun und zu mehr Verständnis für die Vielseitigkeit unserer politischen Arbeit beitragen.
Der dritte Perspektivenwechsel betrifft die Pflege der Beziehungen nach aussen. Ich hatte die Möglichkeit, verschiedene Kantone, deren Präsidien und Regierungen kennenzulernen. Sie haben mir von ihren Erfahrungen erzählt, und ich habe ihre Stimmen gehört. Diese Perspektiven sind wichtig für unser föderales Land, und sie haben einen legitimen Platz auf der nationalen Bühne.
Ich durfte den Rat auch im Ausland vertreten und traf eine Reihe von Parlamentspräsidenten. Es war mir eine Ehre, die Interessen unseres Landes und schweizerische Eigenheiten wie unsere direkte Demokratie, unseren Föderalismus und unsere Haltung zu erläutern. In diesem Zusammenhang bietet sich ein weiterer Perspektivenwechsel an, den ich Ihnen gerne ans Herz lege: ein Besuch im internationalen Genf. Dorthin müssen Sie nicht mal fliegen, eine Zugfahrt reicht. Genf hat einen äusserst wichtigen Platz in der Diplomatie. Wer sich dort mit den ausländischen Vertreterinnen und Delegierten unterhält, kann die schweizerischen Interessen wirksam unterstützen und erhält gleichzeitig ein anderes Bild unseres Landes als jenes, welches wir sehen, wenn wir über den Bundesplatz hier in Bern spazieren. Dass wir als Land in Zukunft noch mehr internationale Präsenz und ein Netzwerk guter Beziehungen brauchen, haben die Entwicklungen dieses Jahres deutlich gezeigt. Ich jedenfalls finde, das internationale Genf hat politische Unterstützung verdient.
Dies sind, kurz zusammengefasst, nochmals die drei Vorschläge zum Perspektivenwechsel:
1.[NB]das Verlassen der eigenen "Polit-Bubble" zur Erweiterung des Horizonts;
2.[NB]ein Wechsel der Rednerpulte hier im Saal;
3.[NB]ein Wechsel des Aufenthaltes, zum Beispiel ein Besuch in Genf.
Neben diesen drei Tipps möchte ich danken: zuerst meinem Mann und meinen Kindern für ihre Unterstützung und Geduld. Weiter danke ich Ihnen; ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen, für die gute Zusammenarbeit mit den Fraktionschefinnen und -chefs und für die vielen guten Gespräche.
Ich danke dem Bundesrat, dem Bundeskanzler, dem ersten Vizepräsidenten Pierre-André Page sowie der zweiten Vizepräsidentin dieses Rates Katja Christ für die gegenseitige Absprache und Unterstützung.
Ein weiterer Dank geht an meinen persönlichen Mitarbeiter Beni Böhler und an Gilda Puca von den Parlamentsdiensten für den organisatorischen Überblick. Ebenso danke ich Yumi Speich.
Je remercie également les Services du Parlement, dirigés par Philippe Schwab, ainsi que le secrétariat de notre conseil, en particulier Pierre-Hervé Freléchoz et Selina Stoller, qui m'ont apporté un formidable soutien. Sans votre engagement indéfectible, jour après jour, et votre sens du service, notre Parlement ne pourrait pas accomplir ses tâches.
Ich danke weiter all jenen, die wir oft übersehen: so dem Schreiner, der mit Hingabe und Leidenschaft ausserhalb unserer Sessionszeiten jede Möbelkante prüft, ausbessert, schleift und neu lackiert, oder der Reinigungsequipe, die jeden Morgen in aller Frühe den Teppich in der Kuppelhalle saugt. Ich fotografierte einen Mitarbeiter, der sorgfältig die drei Eidgenossen vom Staub befreite. Es ist mein Wunsch, dass wir unsere Demokratie mit vergleichbarer Sorgfalt und Verlässlichkeit pflegen.
Wir alle hier haben den Eid oder das Gelübde abgelegt. Wir haben uns verpflichtet, im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften und in der Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen Entscheide zu fällen. Tun wir es im Wissen, dass wir zusammenhalten müssen; tun wir es mit Respekt vor der Vielfalt, in Dankbarkeit und Bescheidenheit; und tun wir es nicht für uns, tun wir es für unser Land.
Ich danke Ihnen von Herzen für alles, was ich in diesem Jahr erleben durfte. (Stehende Ovation)
[VS]
[VS]
2.[NB]Wahl des Präsidenten des Nationalrates für 2025/26[GZ]
2.[NB]Election du président du Conseil national pour 2025/26[GZ]
[VS][GZ]
Präsidentin (Riniker Maja, Präsidentin): Die SVP-Fraktion, unterstützt von allen Fraktionen, schlägt Ihnen Herrn Pierre-André Page, den bisherigen ersten Vizepräsidenten, zur Wahl vor.
Ich bitte die Stimmenzählerinnen und Stimmenzähler, die Wahlzettel zu verteilen. Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass die Zettel nur am Platz abgegeben werden. Nachträglich werden keine Wahlzettel mehr verteilt.