Rüegger Monika · Nationalrat · 2025-12-03
Rüegger Monika · Nationalrat · Obwalden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2025-12-03
Wortprotokoll
Wir bleiben beim Thema Wolf: Die Motion Friedli Esther will ermöglichen, dass Wölfe, für die eine gültige Abschussbewilligung vorliegt, auch in Jagdbanngebieten geschossen werden dürfen. Heute dienen diese Gebiete faktisch als Rückzugsräume für Wölfe, obwohl Jagdbanngebiete ursprünglich für das Wild und für die Sömmerung der Nutztiere vorgesehen waren.
Eine Abschussbewilligung nützt nichts, wenn sich der Wolf einfach hinter einer Gebietslinie wie dem Jagdbanngebiet verstecken kann. Bedenken Sie: Wir haben in der Schweiz 43 eidgenössische Jagdbanngebiete auf einer Fläche von 150[NB]000 Hektar, so gross wie der Kanton Luzern oder der Kanton Aargau. Dort können sich viele schadenstiftende Wölfe aufhalten, gerade wenn noch Alpwirtschaft betrieben wird. Der Wolf reisst am liebsten dort, wo widerstandslose Tiere sind. Bei Rissen im Jagdbanngebiet können die Bauern nur hilflos zusehen, wie die Wölfe über ihre Schaf-, Kuh- oder Rinderherden herfallen. Die Folgen sind bereits heute sichtbar, wir haben das schon bei der ersten Motion gehört: Die Alpen werden nicht mehr bestossen, es kommt zu vorzeitigen Abalpungen, die Bauern geben auf, die Landschaft vergandet. Deshalb nehmen die Naturgefahren wie Murgänge und Lawinen zu, die Biodiversität nimmt ab, und das nur, weil wir die von der Politik gesteuerte Wolfsregulierung nicht im Griff haben.
Eine Mehrheit der Kommission sieht, dass in der heutigen Gesetzgebung genau dort eine Lücke besteht und diese mit der Motion Friedli Esther wie auch mit der vorherigen Motion Broulis geschlossen werden kann. Nicht nur den Schutz des Wolfs, auch den Schutz der Wildtiere und den Schutz der Nutztiere müssen wir ernst nehmen. Eine Koexistenz - also das Nebeneinanderleben von Wolf, Mensch und Nutztieren - muss für die Bevölkerung nachvollziehbar, tragbar und[NB]akzeptierbar[NB]sein. Eine überproportional grosse, kaum kontrollierbare Wolfspopulation gefährdet genau diese Akzeptanz.
Die Kommissionsmehrheit sieht, dass wir genau mit dieser Motion Friedli Esther eine Lücke schliessen können. Sie schafft Handlungsmöglichkeiten, wenn sich Wölfe gezielt in Schutzgebiete zurückziehen. Sie ermöglicht eine schnellere Reaktion bei wiederholten Schäden. Beide Motionen stärken auch die Kantone, die tagtäglich mit der Situation konfrontiert sind. Wir zeigen damit auch, dass wir die Sorgen der Berggebiete und der Landwirtschaft ernst nehmen und bereit sind, in der Politik Verantwortung zu übernehmen.
Die Kommissionsmehrheit empfiehlt Ihnen daher die Annahme dieser Motion.