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Würth Benedikt · Ständerat · 2025-12-04

Würth Benedikt · Ständerat · St. Gallen · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2025-12-04

Wortprotokoll

Ich habe auch heute Morgen von diesen Drehbuchänderungen erfahren, das spielt aber keine Rolle. Herr Stark und ich versuchen, Ihnen darzulegen, wieso Sie nicht auf diese Vorlage eintreten sollten.

Worum geht es konkret? Einfach gesagt, geht es um die Schnittstelle zwischen Gymnasien und Fachhochschulen. Die Durchlässigkeit ist ja heute gegeben. Sie funktioniert wie folgt: Die Inhaberinnen und Inhaber einer Gymnasialmatura müssen ein Jahr Erfahrungen in der Arbeitswelt machen [PAGE 1190] und können dann an die Fachhochschule. Damit wird bei den Gymnasiasten quasi der Mangel an Praxis kompensiert, weil der Fachhochschul-Track im Unterschied zur Uni ein praxisorientierter Track ist. Das hat sich bewährt. Es gibt eigentlich keinen Grund für eine Änderung. Es muss vor allem darum gehen, dass die beiden Profile - ein an Berufsbildung und Fachhochschule orientierter Track einerseits und ein an Gymnasium und Universität orientierter Track andererseits - geschärft und nicht verwässert oder vermischt werden. Genau das, eine Verwässerung, passiert aber mit dieser Vorlage. Das schadet natürlich insbesondere dem berufsbildungsorientierten Track, und dagegen wehren wir uns.

Ich engagiere mich ehrenamtlich in verschiedenen Organisationen zur Förderung der Berufsbildung, darum habe ich hier auch eine Interessenbindung. Die Verwässerung dieser Tracks ist ein Einbruch in die Bildungssystematik; die Berichterstatterin hat es erwähnt. Jetzt kommt es darauf an, wie man das gewichten will. In der Evaluation steht, es sei kein Einbruch zu befürchten. Das heisst natürlich nicht, dass dieser irgendwann in fünf oder zehn Jahren nicht doch zur Realität wird. Wir befürchten, und wir sind ziemlich überzeugt, dass in zehn Jahren eine Verwässerung beklagt wird und dass diese Vorlage im Rückblick als Fehler taxiert wird. Wieso? Weil bereits jetzt absehbar ist, dass es natürlich nicht bei den Mint-Fächern bleiben wird. Man wird logischerweise eine Ausweitung fordern. Das ist keine Theorie, das ist Praxis. Der konkrete Antrag liegt in der Schweizerischen Hochschulkonferenz bereits vor, und es ist klar: In der Bildungspolitik zieht das Argument der Gleichbehandlung immer. Wenn wir bei den Mint-Fächern anfangen, dann, das ist klar, gibt es kaum mehr plausible Gründe, die Pibs nicht auch auf andere Fächer auszuweiten. Früher oder später wird darum der Dammbruch erfolgen.

Was waren eigentlich das Ziel und der Ursprung dieser Übung? Die Berichterstatterin hat es kurz erwähnt: Die Pibs sind ein Element aus der seinerzeitigen Fachkräfte-Initiative. Das WBF hat sie nach dem Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative lanciert, das war im Jahr 2014. Man wollte damals auf Druck der Wirtschaft Maturandinnen und Maturanden aufzeigen, dass sie auch über diesen Weg an die Fachhochschulen gehen können. Nun, schauen Sie, wenn die Wirtschaft Druck macht, Anpassungen in der Bildungssystematik zu machen, dann müssen Sie vorsichtig sein. Ich meine das jetzt nicht als Kritik oder als Vorwurf gegenüber der Wirtschaft. Aber die Wirtschaft denkt in diesen Fragen kurzfristig, weil sie die kurzfristigen Arbeitsmarktbedürfnisse im Fokus hat. Arbeitsmärkte sind aber volatil, Arbeitsmärkte verändern sich. Die Bildungspolitik und die Bildungssystematik sind auf lange Frist ausgerichtet, diese sollten wir nicht ohne Not anpassen.

Das, was ich sage, wird aktuell in der Praxis gerade vorexerziert. Schauen Sie: Das "i" in Mint steht für die Informatik. Vor zehn Jahren haben alle nach Informatikerinnen und Informatikern geschrien. Heute lesen Sie in Zeitungsartikeln, dass Absolventinnen und Absolventen von Informatikausbildungen auf Tertiärstufe Probleme haben, einen Job zu finden. Wieso? Weil die KI die Situation fundamental und drastisch verändert hat. Darum muss man aufpassen, wenn man mit kurzfristigen Perspektiven langfristige Bildungspolitik machen will. Kollege Müller hat bei seiner Begründung zum Antrag von 150 Millionen Franken für die ALV genau auch auf diesen Umstand hingewiesen, dass wir im Moment das Phänomen haben, dass wir wieder mit steigender Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben. Mit dieser Vorlage machen Sie eigentlich einen Schritt in die falsche Richtung.

Hier zeigt sich auch der Vorteil unseres politischen Systems der Langsamkeit. Gewisse Dinge, die heute gehypt werden, sind vielleicht in fünf, zehn Jahren anders zu beurteilen. Genau das ist hier der Sachverhalt. Ich glaube, dass sich die Situation grundlegend verändert hat. Darum sind ja auch beispielsweise der Schweizerische Gewerbeverband oder Travail Suisse gegen die Vorlage, weil sie zu Recht sagen: Das wird am Ende der Berufsbildung schaden. Die Berufsbildung ist ohnehin unter Druck, und vor diesem Hintergrund sollte man diese Vorlage ablehnen.

Es wurde die Evaluation angesprochen. Die Zielgruppe dieser Übung sind, ursprünglich gedacht, Maturandinnen und Maturanden, die erleichtert in die Fachhochschule eintreten können. Nun zeigt sich natürlich auch, und das ist nicht verwunderlich, dass sich die Zielgruppe ausgeweitet hat. Es ist nun offensichtlich geworden, dass neben den Maturanden auch Leute angesprochen werden, die in einem Uni-Studium stolpern - das kann es geben - und dann relativ einfach in die Fachhochschule wechseln können. Aber ich glaube, gerade für diese Leute wäre es nicht das Dümmste, ein Jahr Arbeitswelterfahrung zu machen und dann in die Fachhochschule zu gehen. Es zeigt sich übrigens auch in der Evaluation, dass die Abbruchquote bei den Pibs-Studierenden relativ hoch ist. Auch das muss uns zu denken geben. Schlussendlich - das ist auch noch wichtig und eigentlich die Kernfrage, die wir beantworten müssen -: Hat das einen relevanten Beitrag hinsichtlich Fachkräftemangel geliefert? Denn das war ja die ursprüngliche Idee der Fachkräfte-Initiative; ich habe es Ihnen erläutert. Da kommt die Evaluation zu einem sehr ernüchternden Befund: Es hat keinen relevanten Effekt gegeben.

Mit dem Befund aus dieser Evaluation eine fragwürdige Bildungsreform durchzuboxen, eine Änderung der Bildungssystematik, der Grundlagen unserer Bildungspolitik einzuleiten, das erachte ich nun wirklich für verfehlt.

Darum bitte ich Sie im Namen der kleinen, aber optimistischen Minderheit, auf diese Vorlage nicht einzutreten.