Graf Maya · Ständerat · 2025-12-04
Graf Maya · Ständerat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2025-12-04
Wortprotokoll
Zuerst möchte ich meine Interessenbindung offenlegen. Ich bin Stiftungsrätin von Pro Specie Rara, der Schweizer Stiftung für die kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren. Und ich züchte auch selbst in bescheidenem Umfang die schönen Schweizer Fehkaninchen.
Zur Interpellation und zur Antwort des Bundesrates, die mich leider nicht befriedigt: Worum geht es? Gefährdete Schweizer Nutztierrassen sichern die genetische Vielfalt und damit die künftige Anpassungsfähigkeit der Landwirtschaft. [PAGE 1206] Doch in der 2026 in Kraft tretenden totalrevidierten Tierzuchtverordnung wird ihre Erhaltung nicht mehr als Zuchtziel[NB]anerkannt.[NB]Es geht dort nur noch um die Verbesserungszucht. Statt auf Erhaltungszucht setzt die Verordnung ausschliesslich auf genetische Verbesserung. Dies ist ein Ansatz, der gerade kleine, bedrohte Populationen benachteiligt und der bisherigen Praxis sowie internationalen Standards auch widerspricht. Ich kritisiere also, dass seltene Rassen mit kleinen Beständen dadurch zusätzliche Hürden statt Unterstützung erhalten. Damit droht, dass bewährte Aufbauarbeit auch von ganz vielen kleinen Tierzüchtern und Tierzüchterinnen sowie Bauern und Bäuerinnen verloren geht. Und auch bestehende Zuchtvereine kleiner Rassen sind mit höheren Anforderungen und sinkenden Beiträgen konfrontiert.
Im Folgenden weise ich noch auf drei Problemfelder hin, die sich aus der totalrevidierten Tierzuchtverordnung ergeben:
1.[NB]Die Anforderungen an Zuchtprogramme steigen, und die daraus resultierenden Änderungen können für Züchterinnen und Züchter von Schweizer Rassen mehr Aufwand und mehr Kosten zur Folge haben oder sogar auf Ablehnung stossen - dann gibt es gar nichts mehr. Es drohen also der Ausstieg von Züchterinnen und Züchtern aus der Herdbuchzucht und damit der Verlust von wertvollen Zuchttieren und jahrelanger Erfahrung.
2.[NB]Die Aufwände für Zuchtorganisationen steigen, um weiterhin finanzielle Beiträge in gleicher Höhe zu erhalten. Das wird mit Professionalisierung gleichgesetzt oder erklärt. Synergien zwischen Rassen, auch wenn sie von der gleichen Zuchtorganisation betreut werden, lassen sich so nur begrenzt nutzen, da neu sowohl die Erhebung von Merkmalen als auch die statistische Auswertung mit Zuchtwertschätzungen rassenspezifisch durchgeführt werden müssen.
3.[NB]Der Bund koppelt Erhaltungs- und Forschungsprojekte an ein Zuchtprogramm mit Fokus auf Verbesserung und an eine anerkannte Zuchtorganisation. Nicht für jede seltene Schweizer Rasse ist schon eine Zuchtorganisation anerkannt. Ich möchte an dieser Stelle die Beispiele der Saaser Mutten - es ist schade, dass Kollege Rieder nicht mehr hier ist - und der Appenzeller Spitzhauben erwähnen, die davon betroffen sind. Diese Rassen sind nach der totalrevidierten Tierschutzverordnung von Erhaltungsprojekten ausgeschlossen.
Meine konkreten Fragen an Sie, Herr Vizepräsident des Bundesrates:
1.[NB]Wie erklärt sich der Bundesrat die Diskrepanz der Koppelung von Erhaltungsprojekten mit Zuchtprogrammen zur Verbesserung einer Rasse, obwohl Selektion, insbesondere starke Selektion, eben gerade auch eine treibende Kraft von genetischer Verarmung sein kann?
2.[NB]Wie möchte der Bundesrat sicherstellen, dass Schweizer Rassen ohne anerkannte Zuchtorganisationen nicht verloren gehen - das droht vor allem bei den kleinen Zuchtorganisationen heute schon -, bevor sie die Anforderungen des Bundes zur Anerkennung einer Zuchtorganisation erfüllen können?
3.[NB]Ich möchte von Ihnen zudem etwas Weiteres wissen, Herr Vizepräsident des Bundesrates: Wie gedenken Sie die Motion Rieder 21.3229, "Erhaltung einheimischer Nutztierrassen", umzusetzen? Beide Kammern des Schweizer Parlamentes haben in der Vergangenheit die Förderung und Erhaltung von Schweizer Rassen gefordert.