Kälin Irène · Nationalrat · 2025-12-09
Kälin Irène · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion · 2025-12-09
Wortprotokoll
"Was lange währt, wird endlich gut", würde man gerne sagen, aber für dieses Budget gilt das leider nicht. Es wird mit jeder Stunde hier drin noch schlechter. Aber in diesem letzten Block, der sich um das Gesundheitswesen dreht, haben wir nochmals die Chance, etwas zum Guten zu wenden.
Beginnen wir bei den sexuell übertragbaren Krankheiten, einem Thema, das uns schon lange beschäftigt, bei dem wir unter anderem in der Aids-Prävention viel erreicht haben und bei dem wir dennoch die Ziele zu verfehlen drohen. Wieso? Weil wir unsere Aktivitäten ausbauen müssen, um die verschiedenen Zielgruppen zu erreichen. Denn wenn es um Sex geht, reden viele lieber über Lust als über Risiken wie sexuell übertragbare Krankheiten. Deshalb ist der Kampf gegen diese Gesundheitsrisiken umso wichtiger. Denn Tabuthemen [PAGE 2173] lassen sich nicht einfach mit einem Plakat abhandeln. Folgen Sie aus diesem Grund bitte der Minderheit I (Giacometti).
Kein Tabu hingegen ist es, die 145 zu wählen, den Giftnotruf. Hat ein Kind den Pflanzendünger getrunken, und Sie wissen nicht, was tun? Tox Info Suisse weiss es. Jährlich ereignen sich in der Schweiz Tausende von Vergiftungsfällen. Der grösste Teil davon betrifft Klein- und Schulkinder. Der allen zugängliche Giftnotruf der Schweiz erfüllt eine unverzichtbare und lebensrettende Funktion. Nun steht Tox Info Suisse aber auf finanziell wackeligen Beinen. Die Weiterführung des schweizerischen Giftnotrufs ist nach dem Rückzug privater Gelder gefährdet. Ich bitte Sie daher: Folgen Sie der Minderheit II (Stadler). So überbrücken wir die fehlenden Gelder, damit wir weiterhin wissen, wo wir anrufen können, wenn wir oder unsere Kinder etwas Toxisches verschluckt haben und nicht weiterwissen.
Und nun von der Hilfe in der Not zur Prävention und zu den langfristigen Erkenntnissen der Kohortenstudie: Kohortenstudien sind fundamental, weil sie eine der zuverlässigsten Möglichkeiten bieten, Zusammenhänge zwischen Risikofaktoren und gesundheitlichen Ergebnissen zu untersuchen. Und ja, sie brauchen Zeit, und Zeit ist Geld. Wir haben die Pilotstudie erfolgreich durchgeführt, aber wie es einer Kohortenstudie eigen ist, zeigt sich erst mit der Zeit, wie sich gewisse Risiken über Jahre und Jahrzehnte auswirken. Die Studie hier und jetzt einfach abzubrechen, weil wir in unseren Kassen das Geld dafür nicht finden wollen, ist kurzsichtig. Denn die Erkenntnisse aus diesen Kohortenstudien werden uns, wenn wir die politischen Schlüsse daraus ziehen, ein Vielfaches an später anfallenden Gesundheitskosten einsparen lassen. Wenn wir also ökonomisch und[NB]gesundheitspolitisch[NB]nicht[NB]nur[NB]das nächste Jahr ins Auge fassen wollen, dann folgen wir hier der Minderheit VII (Wettstein).
Und auch wenn das liebe Geld unmöglich das Argument sein darf, ist es das oft eben doch - auch wenn gute Gesundheit unbezahlbar ist. Aber wenn wir schon sowohl aufs Geld wie auch auf die Menschen aufpassen wollen, dann müssen wir folglich auch bei der Palliative Care mehr Geld sprechen, um mehr Folgekosten zu vermeiden. Denn bei der Palliative Care geht es nicht nur darum, die noch verbleibende Zeit so würdig und schmerzfrei wie möglich zu gestalten; Palliative Care ist auch das Gegenteil von lebensverlängernden Massnahmen um jeden Preis und daher Menschenwürde zu einem kleinen Preis. Denn sie konzentriert sich darauf, was für schwer kranke Menschen am wichtigsten ist: Lebensqualität, Würde und bestmögliche Unterstützung.
Im Grossen und Ganzen lade ich Sie namens der Grünen Fraktion ein, in diesem letzten Block mehr Mittel für den Gesundheitsbereich zu sprechen - für die Prävention genauso wie für die Forschung und die akute Hilfe in der Not. Denn die Volksgesundheit geht uns alle etwas an.